Die CSU und Alexander Müller sind die Sieger des ersten 2026er Wahlabends in Neustadt und am Erfolg der CSU wird sich auch nichts mehr ändern. Ob jedoch Müller aus dem sonntäglichen Etappensieg in 14 Tagen in der Stichwahl auch den Bürgermeistertitel machen kann, bleibt ungewiss.
Sie werde kämpfen und nicht aufgeben, hatte Heike Gareis am Wahlabend gesagt, und angesichts eines Rückstands von gerade mal 1,5 Prozentpunkten gibt es für Resignation tatsächlich noch keinen Grund. Was Gareis jedoch Sorgen machen könnte: Ähnlich wie in Scheinfeld hat sich in Neustadt ebenfalls eine – wenngleich wesentlich knappere – Mehrheit für die Jugend und gegen die Erfahrung entschieden: Seit 30 Jahren dient die SPD-Frau ihrer Stadt, ihr kommunalpolitischer Wissensvorsprung ist enorm. Aber genau das könnte ihr jetzt zum Verhängnis werden.
Daraus jedoch im Umkehrschluss zu schließen, der 34-jährige Müller könne jetzt allein von seiner Jugend profitieren und 14 Tage lang die Beine hochlegen, wäre ebenfalls verkehrt. Denn schließlich ist Heike Gareis in Neustadt nicht nur ausgezeichnet vernetzt, sondern gilt auch als eine Art „soziales Gewissen” der Stadt. Die Zahl der Menschen, denen sie schon geholfen hat – und zwar weit vor jeder bürgermeisterlichen Ambition – ist Legion, und wenn die Wahlbeteiligung bei der Stichwahl noch einmal ansteigt, dürften Gareis' Chancen ebenfalls deutlich nach oben gehen.
Viel wird auch davon abhängen, für wen sich beim Duell in zwei Wochen die Wähler der unterlegenen Mitbewerber entscheiden werden, sofern sie denn noch einmal zu den Urnen gehen. Dass Gareis eine gewisse Nähe zu den umweltrelevanten Themen der Grünen hat, ist kein Geheimnis, und auch die vergleichsweise kleine Schar der Linken-Wählerinnen und -Wähler dürfte eher der Sozialdemokratin zugeneigt sein.
Die Freien Wähler, bei denen sich Überraschungskandidat Harald Haag im Wahlkampf sehr achtbar geschlagen hatte, fühlen sich jedoch seit jeher eher der CSU verbunden und auch jene, die der FDP diesmal Mut machen wollten, legen den Fokus mutmaßlich eher auf die vermeintliche oder tatsächliche Kompetenz der CSU in Wirtschaftsfragen.
Noch einmal zurück zu Harald Haag: Der hatte seine Bewerbung ganz auf Gespräche und Begegnungen ausgerichtet, hatte in den Dorfhäusern und Gaststätten der Ortsteile gepunktet und sich offenbar ganz bewusst nicht als Politiker inszeniert, sondern als „einer von euch”. Diese Ausstrahlung, die seinerzeit schon Klaus Meier vor 18 Jahren zum Überraschungscoup gegen die damalige Amtsinhaberin Claudia Platzöder geführt hatte, könnte sich auch für Müller als nützlich erweisen: Volksnah, direkt, offen und manchmal ein bisschen polternd – ein echtes „Mannsbild” eben.
Aus Sicht der Neustädter CSU war Müllers Kandidatur ein Wagnis, das sich ausgezahlt hat: Dass man jahrelang versucht hatte, Richard Dollinger für den Sprung ins Rathaus zu begeistern, ist bekannt, doch als nach dessen Verzicht die Wahl auf Müller fiel, waren viele überrascht: In Langenfeld aufgewachsen, erst sechs Jahre im Stadtrat und dann auch noch soooo jung? Nun – das Risiko hat sich gelohnt, egal wie die Stichwahl ausgeht, der Kandidat hat sich bewährt.
Dass Müller ganz nebenbei auch bei der Stadtratswahl die meisten Stimmen holte, ist natürlich in erster Linie seinem Listenplatz 1 geschuldet, doch tatsächlich hat sich die Neustädter CSU in seinem breiten Schatten freigeschwommen. Zehn Sitze – inklusive Müller – besetzt die Partei im neuen Gremium, hat somit zwei Plätze hinzugewonnen und ist nun stärkste Fraktion – einen Titel, den man sich bis dato mit der Meier'schen SPD teilen musste.
Darüber hinaus ist es den Christsozialen erneut gelungen, eine Art „kleinen Generationswechsel” vorzunehmen: Nachdem man 2020 mit Martin Hufnagel und eben Müller bereits zwei Junge ins Gremium gebracht hatte, verfügt man zukünftig in Jutta Bauereiß, Peter Holzmann, Richard Dollinger und Christian Köstner nach wie vor über viel Erfahrung, stellt aber mit Martin Hufnagel sowie den Neulingen Christine Pohli, Alexander Meinl, Sven Summ und Christopher Wirth auch wieder viel „frisches Blut”.
Federn lassen mussten die Sozialdemokraten, die nicht mehr vom Klaus-Meier-Effekt profitieren konnten und zwei Sitze einbüßten. Von der „alten Garde” sind nur noch Heike Gareis, Manfred Dietlein und Markus Simon übrig, und auch wenn der Umbruch notwendig war, so fehlten ehemalige Stimmengaranten wie Richard Cesinger und Bernd Schnizlein diesmal natürlich sehr. Immerhin: Mit dem bereits einigermaßen etablierten Schnizlein-Nachfolger Thorsten Lehrer sowie Dr.Johannes Wiesnet und Stefan Wust sind drei dabei, die – einen langen Atem vorausgesetzt – irgendwann für Furore sorgen könnten.
Vom SPD-Stimmenverlust profitieren konnten in erster Linie die Linke, die den 21-jährigen André Hufnagel in den Rat entsendet, sowie die FDP, für die Einzelkämpfer Gerd Scheuenstuhl ins Gremium rückt. Bei den Grünen, bei denen Günther Leidenberger nicht mehr zur Verfügung stand, schrumpfte die Fraktion auf Lisa Kastelan, David Muck sowie „Urgestein” Reinhold Schultheiß zusammen, und bei den Freien Wählern verpassten etwas überraschend die „Altgedienten” Reinhard Wendel und Alfred Tilz den Wiedereinzug in den Rat. Mit Kerstin und Werner Rauner ist bei der FWG dafür erstmals seit Ruth und Walter Billmann (SPD) wieder ein Ehepaar vertreten, das von Harald Haag flankiert wird.