Voll besetzt war das evangelische Gemeindehaus in Feuchtwangen bei der Konzertlesung mit Dr. Sarah Straub. Die Neuropsychologin, Autorin und Liedermacherin wolle an diesem Abend ein positiv realistisches Bild von Demenz vermitteln, kündigte Organisator Günter Schmidt an.
Schmidt hatte Straub, die an der Ulmer Uni-Klinik zum Thema frontotemporale Demenz forscht und auch eine Online-Sprechstunde anbietet, nach Feuchtwangen geholt und zusammen mit dem „Evangelischen Forum Westmittelfranken – Bildung im Dekanat Feuchtwangen“ zu der Veranstaltung eingeladen.
Geboten wurde ein informativer, unterhaltsamer, abwechslungsreicher, humorvoller, aber auch zum Nachdenken anregender Mix aus freiem Vortrag, Lesung und Musik. Dabei gelang es Straub stets, das Publikum mitzunehmen. Bei ihren immer wieder eingestreuten Musikeinlagen am Klavier überzeugte sie mit sehr einfühlsamem Spiel und klarer, facettenreicher Stimme. Der Einfluss ihres künstlerischen Ziehvaters Konstantin Wecker war dabei nicht zu überhören.
Im Mittelpunkt standen ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit Demenz, die erst in den 1980er Jahren in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. Mittlerweile sind mehr als 50 Demenzformen mit unterschiedlichen Verläufen und Behandlungen bekannt. Allen gemeinsam ist der beobachtbare kognitive Abbau des Gehirns.
Straub las aus ihrem Buch „Wie meine Oma ihr Ich verlor“. Die Passagen wurden immer wieder ergänzt durch freie Erzählungen über die zunehmend schwieriger werdende Betreuung. Straub hatte eine sehr innige Beziehung zu ihrer Oma. Deshalb wollte sie ihr nach Bekanntwerden der Diagnose Demenz „etwas zurückgeben“, fühlte sich dabei aber „total überfordert“.
Straub betonte, wie wichtig eine frühe medizinisch abgeklärte Diagnose sei. Man müsse genau hinsehen und schnell handeln. Scham sei überhaupt nicht angebracht, man müsse Demenz enttabuisieren und öffentlich machen.
Die Expertin gab viele Tipps, wie man mit der Diagnose umgehen sollte, damit eine Überforderung ausbleibt und man sich nicht alleine gelassen fühlt. Um nicht oder zumindest sehr spät selbst betroffen zu werden, seien eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Bewegung, soziale Kontakte, die Beschäftigung mit Dingen, die Freude bereiten, und das Trainieren des Gehirns wichtig.
Die Diagnose Demenz sei lebensverändernd, Betroffene sollten unbedingt darauf bestehen, dass ein Facharzt aufgesucht werde. Familie und Nahestehende müssten sich im Klaren darüber sein, dass sich das Verhältnis zum Erkrankten verändern werde. Das gehe bis zum Verlust vertrauter Partnerschaften.
Wenn die Diagnose bestätigt ist, solle man versuchen, Experte zu werden. Straub riet dazu, sich zu einem frühen Zeitpunkt beraten zu lassen und selbst eine Vorsorgevollmacht zu schreiben. Man solle auch Möglichkeiten der Tagespflege nutzen, wo immer das gehe. Wichtiger als Medikamente seien Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie.
Man solle sich auf keinen Fall von den Patienten abwenden, sondern sich mutig dem Rückzug entgegenstellen. „Das Leben ist erst vorbei, wenn’s vorbei ist. Solange tun wir alles, damit es den Betroffenen gut geht. Menschen mit Demenz sind immer noch ganz normale Leute, die ein Recht auf ein angenehmes Leben haben“, betonte Dr. Sarah Straub. Dessen sollte sich jeder bewusst sein.