Etwa 200 Menschen versammelten sich am Bahnsteig 1 in Schnelldorf, um die lang ersehnte Einführung des Stundentaktes zu feiern. Neben vielen Kommunal- und Landespolitikern waren auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger erschienen, um mit Glühwein oder Bier auf den Erfolg der jahrelangen Bemühungen anzustoßen.
Den musikalischen Auftakt des Gleisglühens setzte die Crailsheimer Movin’ Dance Crew mit einem getanzten Weihnachtshit. Die Moderation der Feierstunde übernahm der Schnelldorfer Bürgermeister Tobias Strauß gemeinsam mit dem Crailsheimer Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer. Grimmer erinnerte daran, dass Crailsheim 1806 einmal für kurze Zeit nach Bayern gehört habe. „Somit schließt sich mit diesem historischen Meilenstein ein Kreis“, stellte der Oberbürgermeister fest.
Landrat Dr. Jürgen Ludwig hob hervor, dass die Realisierung der S-Bahn eine Entscheidung der Bundesländer gewesen sei, auf die der Landkreis nur begrenzt Einfluss hatte. Zum Fahrplanwechsel sei auch mit der Reaktivierung der Nördlichen Hesselbergbahn eine Verbesserung im Nahverkehr erzielt worden. Eine Anbindung von Dinkelsbühl an das Schienennetz stehe leider immer noch aus. Dass die Diskussion darüber seit 1999 laufe, zeige, dass für Veränderungen im ÖPNV viel Leidensfähigkeit erforderlich sei. Aber: „Wir sind ein Stück weit zufrieden.“
Anil Kübel, erste Landesbeamtin des Landkreises Schwäbisch Hall und Vertreterin des Landrats, sah in der S-Bahn einen Meilenstein für die Weiterentwicklung der Infrastruktur in beiden Landkreisen. Sie hoffe, dass die Bürger dieses zusätzliche Angebot „in vollen – vielleicht doch nicht allzu vollen – Zügen genießen könnten“.
Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die aus München angereist war, lobte in ihrem Grußwort, dass die länderübergreifenden Anstrengungen schließlich zum Erfolg geführt hätten. Dass es gelungen sei, Crailsheim in den VGN zu integrieren, sieht sie als wichtigen Schritt für die gesamte Region.
Erst wenn ein Angebot im ÖPNV gut vertaktet sei, werde es von den Bürgerinnen und Bürgern als attraktiv wahrgenommen, so Andreas Mäder, Geschäftsführer es VGN Nürnberg. Erst dann stelle es eine Alternative zum Auto dar. Durch die Einführung des Stundentaktes rechne der VGN mit einer Zunahme von 350 Fahrgästen pro Tag. Wichtig sei nun, dass sich diese Erwartungen auch erfüllten.
Mit dem Dank an seine Mitarbeiter in Rathaus und Bauhof beendete Bürgermeister Strauß den offiziellen Teil der Feier. Auf den geplanten Start der Luftballone verzichtete man aber, weil man eine Störung der Oberleitung und damit des Bahnverkehrs nicht riskieren wollte.
Bewirtet von Helfern des Kleintierzuchtvereins, nutzten viele Politiker die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Mit dabei war auch der frühere baden-württembergischen Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger, der sich bereits 2015 für eine Verlängerung der S-Bahn bis Crailsheim eingesetzt hatte. Jürgen Geier, Bürgermeister von Dombühl, wünschte, dass die Verbindung Vorteile für alle bringe. Auf die Frage, warum die Feier nicht in Crailsheim stattgefunden habe, antwortete der dortige OB Dr. Christoph Grimmer: „Weil Schnelldorf Bayern und Baden-Württemberg verbindet.“