Ein klares Bekenntnis zur Erinnerungskultur für die in der Zeit der NS-Diktatur in Feuchtwangen verfolgten Juden: Der Stadtrat hat sich einmütig dafür ausgesprochen, dass auf öffentlichem Grund sogenannte Stolpersteine verlegt werden.
Bei diesen Stolpersteinen handelt es sich um quadratische, 96 mal 96 Millimeter große Gedenktafeln aus Messing. In sie graviert der Künstler Gunter Demnig die Namen sowie – soweit bekannt – die Lebens- und Sterbedaten von Menschen ein, die die Nazis verfolgt, deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben haben. In der Regel platziert Demnig die Stolpersteine in den Gehwegen vor den Häusern, in denen die Opfer zuletzt aus freien Stücken gewohnt haben. Inzwischen gibt es Tausende dieser kleinen Tafeln in zahlreichen europäischen Ländern.
In Feuchtwangen setzt Gunter Demnig nun am Dienstag, 30. Mai, insgesamt 13 Stolpersteine – und zwar vor dem Haus an der Hindenburgstraße 6 sowie vor dem Fränkischen Museum dort, wo sich einst der Haupteingang der ehemaligen Synagoge befand. Symbolisch begleitet den Akt bei acht dieser Tafeln US-Botschafterin Dr. Amy Gutmann, deren Vorfahren bis zu ihrer Vertreibung hier gelebt haben. Bei fünf Stolpersteinen wirkt Zvi Lapian aus Israel mit. Seine Mutter Charlotte Neumann hat mit ihrer Familie bis 1938 in der später zerstörten Synagoge gelebt. Als Kind entkam sie dem Holocaust noch rechtzeitig.
Mit den Stolpersteinen „entsteht eine neue Art der Verbindung zu den Familien“, meinte Bürgermeister Patrick Ruh. Es sei „beeindruckend“, dass Nachfahren von Opfern mit ihrer Initiative „die Verbindung zur Heimatstadt ihrer Vorfahren wieder herstellen wollen“.
Joachim Gutekunst („Wir“/Grüne) sprach von einem „Zeichen, dass wir das dunkle Kapitel aufarbeiten in einer Zeit, in der Rechtsradikalismus und Rassismus Aufwind bekommen“. Und: „Wir würden uns freuen, wenn hier weitere Stolpersteine gesetzt würden.“ Dem schloss sich Hans Heinrich Unger (SPD) an: Die Tafeln machten die Opfer der Nazis „sichtbar“. Seine Fraktion unterstütze „auch weitere Möglichkeiten des Gedenkens“. Zugleich würdigte er die Forschungsarbeit des Volkskunstvereins, dank der die Feuchtwanger auch an Opfer ohne Hinterbliebene erinnern könnten.