Ahnensuche in Haag: Kollege Computer hilft durch KI | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.01.2024 10:15

Ahnensuche in Haag: Kollege Computer hilft durch KI

Leo Seitz scannt die Übergabe-Urkunde seines Hofes ein. Das Ergebnis fließt in die Historientafel ein, die im späteren Pavillon beim ehemaligen Hirtenhaus in Haag zu lesen sein wird. (Foto: Anita Dlugoß)
Leo Seitz scannt die Übergabe-Urkunde seines Hofes ein. Das Ergebnis fließt in die Historientafel ein, die im späteren Pavillon beim ehemaligen Hirtenhaus in Haag zu lesen sein wird. (Foto: Anita Dlugoß)
Leo Seitz scannt die Übergabe-Urkunde seines Hofes ein. Das Ergebnis fließt in die Historientafel ein, die im späteren Pavillon beim ehemaligen Hirtenhaus in Haag zu lesen sein wird. (Foto: Anita Dlugoß)

Heimat- und Ahnenforscher Leo Seitz bedient sich der Künstlichen Intelligenz, kurz KI. „Das erleichtert die Geschichte ganz wesentlich“, sagt der 72-Jährige, der für neue Wege schon immer aufgeschlossen war und diese praktizierte, als sie in anderen Kreisen häufig (noch) kritisiert wurden.

Leo Seitz – früher auch Kreisobmann im Bayerischen Bauernverband – betreibt derzeit Ahnenforschung, genauer gesagt Forschung zu den Familien auf dem eigenen Hof in Haag, einem Teilort von Gutenstetten (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Dazu nutzt er das Computerprogramm „Transkribus“, das mittels KI alte Schriften lesbar macht. „Plötzlich kann man entziffern, was zuvor niemand lesen konnte. Es ist unheimlich interessant“, erklärt der Autodidakt, der diese Technik gerne noch besser beherrschen würde.

Hunderte von Seiten eingescannt

In seinem Arbeitszimmer hat er schon Hunderte von Seiten eingescannt – Urkunden aus dem Familienbesitz, aus dem Bamberger Staatsarchiv und aus der Agrarhistorischen Bibliothek in Herrsching am Ammersee, Europas größter Büchersammlung dieser Art.

Die Zeit vor 1830 liegt noch im Dunkeln

Das Ziel von Leo Seitz: Er will wissen, wem der Hof vor 1830 gehört hat. Bis dahin sind die Landwirte Hanns, Wehr, Schalt, Krämer und Nieberlein bekannt. Weiter zurück „fängt es an, spannend zu werden. Man muss fast kriminalistisch werden“, sagt er. Denn Hausnummern gab es vor Napoleon bis um das Jahr 1810 noch nicht. Über Grundstücksverkäufe, Eheschließungen, Steuerbücher und Zehntabgaben wird seine Suche weitergehen.

Das Erlangen von neueren Erkenntnissen aus alter Zeit sei jedes Mal spannend. Etwa 20 Mal fährt dazu ein Leuchtbalken ein Dokument ab, bevor auf dem Bildschirm das Ergebnis auftaucht. Wer nun glaubt, mit einem einmaligen Erfassen der Schrift durch den Computer sei die Arbeit erledigt, der wird staunen. Im aktuellen Beispiel, das Seitz vorführte, hat die KI einen völlig unverständlichen Text produziert.

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Menschliche und Künstliche Intelligenz

Intelligenz ist sozusagen das, was übrig bleibt, wenn man all das weglässt, was man gelernt hat. Das Wort „Intelligenz“ leitet sich vom Lateinischen „intellegere“ ab und bedeutet frei übersetzt: erkennen, verstehen. Wörtlich übersetzt heißt es „zwischen etwas wählen“. So definiert es der normsetzende Dudenband „Deutsches Universal-Wörterbuch A bis Z“. Demnach ist Intelligenz die Fähigkeit eines Menschen, abstrakt und vernünftig zu denken und daraus zweckvolles Handeln abzuleiten. Heutzutage würde man wohl „Problemlösungskompetenz“ dazu sagen.
Künstliche Intelligenz, kurz KI, gibt es schon seit sieben Jahrzehnten. Im gleichen Wörterbuch (hier aus dem Jahr 1989) wird sie als „die Fähigkeit bestimmter Computerprogramme, menschliche Intelligenz nachzuahmen“ erklärt. Dies geschieht bei Texten und Spracherzeugung, bei Bildern und Filmen. Doch brauchen wir in Zukunft noch kluge Köpfe, die uns erklären, was künstliche Intelligenz überhaupt ist?
Laut Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin gab die KI bereits selbst eine Definition von sich selbst ab: „Künstliche Intelligenz (KI) bezieht sich auf Systeme und Technologien, die es Computern ermöglichen, Aufgaben auszuführen, die normalerweise menschliche Intelligenz erfordern.“ So lautet die Definition des Begriffs KI – erstellt von einer KI. Sie stammt von ChatGPT, einem Chat-Assistent, der im November 2022 von der US-amerikanischen Softwarefirma „OpenAI“ der breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden war und seitdem durchaus hohe Wellen schlägt.
Dabei seien KI-Systeme nicht neu, wie es seitens der Hochschule heißt. Seit Jahrzehnten werde an intelligenten Systemen geforscht. Die ersten Programme für maschinelles Lernen gab es bereits in den 1950er-Jahren. ChatGPT erstaunt nach Worten der Berliner Wissenschaftler deshalb so sehr, weil jedem einzelnen Nutzer die Dimension Künstlicher Intelligenz bewusst werde. Der Chat-Assistent generiert in wenigen Sekunden Texte und Dialoge, die von einem Menschen stammen könnten.

Doch der 72-Jährige hat inzwischen gelernt, die Texte besser zu begreifen als jemand, der so etwas zum ersten Mal sieht. Dazu hat er sich in Sachen Schrift auch historisches Wissen angeeignet. Wie ein Puzzle will er seine Informationen zusammensetzen. Schließlich kommt es auf den richtigen Zusammenhang an.

Beim Thema Schrift ist das alles andere als einfach. Da wären zunächst einmal die Buchstaben. Laut Seitz gab es in einer altdeutschen Schrift oft zehn bis 15 Versionen, um einen einzigen Buchstaben zu schreiben. Als weitere Schwierigkeit tauchen Wörter auf, die heute nicht mehr verwendet werden. Als Beispiel nennt Seitz „Wurzelgräber“. Das waren Arbeiter, die eine Wurzel ausgruben und damit Geld verdienten.

„Ich werde mir langsam bewusst, in welcher Zeit wir leben“

Leo Seitz ist Feuer und Flamme für sein Forschungsfeld mit der modernen Methode. Seine Ergebnisse will er am künftigen Pavillon in Haag in einem wetterfesten Buch jedermann zugänglich machen. „Ich werde mir langsam bewusst, in welcher Zeit wir leben“, lautet seine Erkenntnis nach der Beschäftigung. Wo kommt eine Information her, und kann ich dieser Quelle vertrauen? Diese Angaben werden seiner Meinung nach in Zukunft immer wichtiger werden.

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