Abschied von Dekanin Karin Hüttel in Bad Windsheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.05.2023 13:43

Abschied von Dekanin Karin Hüttel in Bad Windsheim

Bald wird Karin Hüttel ihren Talar zur Seite legen und nur noch zivil unterwegs sein. Die bisherige Bad Windsheimer Dekanin wird in den Ruhestand verabschiedet. (Foto: Anna Franck)
Bald wird Karin Hüttel ihren Talar zur Seite legen und nur noch zivil unterwegs sein. Die bisherige Bad Windsheimer Dekanin wird in den Ruhestand verabschiedet. (Foto: Anna Franck)
Bald wird Karin Hüttel ihren Talar zur Seite legen und nur noch zivil unterwegs sein. Die bisherige Bad Windsheimer Dekanin wird in den Ruhestand verabschiedet. (Foto: Anna Franck)

Eine „Netzwerkerin“, die Menschen zusammen bringt, sich Zeit nimmt anderen zuzuhören, die Gemeinschaft schätzt und offen für Neues bleibt. Neun Jahre lang war Karin Hüttel Bad Windsheims Dekanin. Am Sonntag wird sie nun in den Ruhestand verabschiedet.

Zum Pfarrersberuf kam die heute 64-Jährige über Umwege. Karin Hüttel studierte nach dem Abitur im Jahr 1978 zunächst Diplompädagogik. Damals sei es noch nicht üblich gewesen, dass Frauen Theologie studieren. „Das ist nichts für Frauen“, diesen Satz ihres Konfirmationspfarrers wird Karin Hüttel wohl nie vergessen. Doch Religion faszinierte die 64-Jährige und ihre Eltern unterstützten sie bei dem Wunsch eines zweiten Studiums.

Fortbildungen für Pfarrer am Pastoralkolleg

Nach dem Vikariat in Weisendorf bei Erlangen zog es Karin Hüttel für ihre erste Pfarrstelle nach Höchstadt. Zehn Jahre blieb sie, gab im Anschluss Fortbildungskurse für Pfarrer am Pastoralkolleg in Neuendettelsau, war gleichzeitig Mitglied der Landessynode.

Nach sieben Jahren in Großhaslach und als Klinikseelsorgerin in Ansbach folgte für die gebürtige Oberfränkin der nächste Schritt: 2014 wurde sie Bad Windsheimer Dekanin – die zweite Frau in diesem Posten nach Gisela Bornowski. Übrigens: In allen vorherigen Stellen sei sie immer die erste Frau gewesen. Teils mussten da sogar Pfarrer in umliegenden Gemeinden zustimmen, damit sie ihren Job antreten durfte. „Das kann man sich gar nicht mehr vorstellen“, sagt Karin Hüttel.

Zwei Kinder großgezogen

Neben ihrer beruflichen Laufbahn zog die 64-Jährige mit ihrem Mann zwei Kinder groß. Nicht selbstverständlich sei, dass ihre Familie ihren Beruf stets mittrug. Zu ihm gehörten schließlich auch einige Umzüge oder Arbeit an Feiertagen und in den Abendstunden.

In Bad Windsheim erwartete Karin Hüttel dann ein größeres Team, dass für die Dekanin zwar ein großes Geschenk gewesen sei, aber auch mehr Verantwortung bedeutete. „Man muss viel kommunizieren, damit man sich nicht in die Quere kommt.“

Jeder bringt andere Gaben mit ein

Sehr gut und voller Unterstützung sei die Zusammenarbeit gewesen. „Nicht immer harmonisch, aber konstruktiv. Man muss auch mal streiten können.“ Schließlich sei es legitim, unterschiedlicher Meinung zu sein. Gerade die Jüngeren würden einen anderen Blick auf manche Dinge haben. „Das ist sehr gut, dass die Generationen da bunt gemischt sind.“ Jeder habe andere Fähigkeiten und Gaben – diese zu unterstützen und gute Rahmenbedingungen für die gemeinsame Arbeit zu schaffen, sei ihr stets ein Anliegen gewesen, so Hüttel im Gespräch.

„Kirche darf sich nicht in bestimmten Formen festsetzen, Kirche ist immer wieder im Aufbruch“, sagt sie. Sie müsse gerade in Zeiten von steigenden Kirchenaustritten offen sein, nicht von oben herab alles besser wissen, sondern hingehen und den Menschen zuhören. „Wir alle sind Kirche. Das ist unser Schatz mit all seinen Inhalten und Gebäuden.“

Karin Hüttel mag das leichte, spielerische Zusammensein mit Menschen. Gemeinsam lachen und nicht nur stumpf Probleme wälzen. „Das hat manchmal auch in der Gremienarbeit durchgeblitzt“, sagt die 64-Jährige. Denn die gehörte auch zu ihrem Job, leitete sie als Dekanin doch den Dekanatsausschuss, Kirchenvorstand und die Pfarrkonferenz.


„Es ist mehr Schreibtischarbeit als man es sich wünscht als Pfarrerin.“

Karin Hüttel

„Es ist mehr Schreibtischarbeit als man es sich wünscht als Pfarrerin“, sagt Hüttel. Man entscheide sich für den Beruf, um „nah bei den Menschen zu sein. Manchmal fehlt die Zeit für diese Nähe“. Aber: „Es müssen ja Entscheidungen getroffen werden, in die ich mich auch einarbeiten muss. Am Ende steht meine Unterschrift drunter“, sagt Hüttel. Und davon gab es einige, beispielsweise die Renovierung der Seekapelle in 2019 und 2020 – eines der großen Projekte und Highlights.

Prägend sei für die Dekanin auch der große Zustrom an Geflüchteten im Jahr 2015 gewesen. Gerade bei den iranischen Neubürgern bemerkte Karin Hüttel, dass „viele einen Zugang gefunden haben zu uns“. Zwei Jahre hintereinander an Pfingsten habe man eine größere Zahl von Erwachsenentaufen gehabt.

In Erinnerung bleibt der Dekanin das 500-jährige Reformationsjubiläum in 2017. Ein Fest in „guter Ökumene“, denn die „Einheit der Christen in Verschiedenheit“ sei ihr wichtig gewesen, begrüßt Hüttel die Zusammenarbeit mit der katholischen und neuapostolischen Kirche, der Landeskirchlichen Gemeinschaft und den Elops. „Eine bunte Vielfalt in Bad Windsheim“ – das hat die Stadt für sie besonders gemacht.

„Die beste Botschaft der Welt“

Fruchtbar war für Karin Hüttel auch das Zusammenkommen an Orten „außerhalb der eigenen Kirchtürme“. Im März 2020 beschäftigte man sich beispielsweise in Rummelsberg mit der Landesstellenplanung, überlegte wie man die Aufgaben mit 2,5 hauptamtlichen Stellen weniger aufteilen könnte. „Da musste man sehr intensiv nachdenken, wie das weitergehen kann.“ Immer im Blick: „Was ist unsere eigentliche Aufgabe? Nämlich das Evangelium verkünden in Wort und Tat.“ Für Karin Hüttel „die beste Botschaft der Welt“.

Drei ihrer neun Jahre in Bad Windsheim waren zudem von der Corona-Pandemie geprägt. Ein Balanceakt sei es gewesen, die staatlichen Vorgaben einzuhalten, aber dennoch für die Menschen da zu sein. Sowohl in der Kirche als auch in der Gesamtgesellschaft sei diese Zeit noch nicht aufgearbeitet worden, findet Karin Hüttel.

„In Ruhe sitzen und reden”

„Wir sind wieder in so einem rasanten Turbo drin. Wir machen weiter wie vorher.“ Oft sei keine Zeit, sich zu besinnen und zu überlegen: Wie war nochmal gerade diese Anfangszeit der Pandemie? „Ich glaube, dass Kirche gut beraten ist, wenn sie mit ihren Haupt- und Ehrenamtlichen Räume schafft, wo Zeit füreinander ist. Wo man in Ruhe sitzen und reden kann“, sagt Karin Hüttel, die hofft, dass das neue Gemeindehaus am Holzmarkt in Bad Windsheim ein solcher Ort werden kann – ein Projekt, das die Dekanin ebenfalls maßgeblich begleitet hat. Schön wäre es, wenn die Bad Windsheimer und Menschen der Region es als „ihr Haus begreifen, nicht etwas, was ein Kirchenvorstand einfach hinstellen will“. Schließlich sei der Bau nicht selbstverständlich in Zeiten, in denen die Kirche eher angehalten ist, sich von Gebäuden zu trennen.

Wie gerne hätte Karin Hüttel nach dem Gottesdienst am kommenden Sonntag, 7. Mai, um 14 Uhr in der Stadtkirche St. Kilian ihren Abschied im Gemeindehaus gefeiert, doch die Arbeiten dort dauern noch an. Auch ehemalige Wegbegleiter aus früheren Gemeinden Hüttels hätten sich zu der Feierstunde angekündigt. Ihr Posten wird erst einmal vakant sein. Dirk Brandenberg, stellvertretender Dekan, übernimmt bis dahin ihre Aufgaben. Die Wahl ihres Nachfolgers wird dann wenige Tage später der Kirchenvorstand und Dekanatsausschuss übernehmen.

Durchaus froh sei Karin Hüttel nun „Verantwortung abgeben zu können“. Mit ihrem Mann zieht es sie nach Heilsbronn (Landkreis Ansbach). Familie, Freunde, Gärtnern, Radeln oder Kochen – dafür will sich Karin Hüttel ab sofort Zeit nehmen. Ja, durchaus herausfordernde Zeiten musste sie meistern, doch bei allem, was war, überwiegt jetzt vor allem eines: Dankbarkeit für 36 lehrreiche Berufsjahre.


Anna Franck
Anna Franck
Redakteurin im Online-Team
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