Verärgert sind die Unterstützergruppierungen des Bürgermeister-Kandidaten Dr. Ulrich Grünwald über Amtsinhaber Patrick Ruh. Er hat dem Feuchtwanger Jugendbeirat für eine Podiumsdiskussion abgesagt. Die jungen Leute sehen die Sache gelassen: „Wir haben es probiert, aber wir respektieren beide Seiten.”
Das sagt Fabian Pröger vom Jugendbeirat auf Nachfrage der Fränkischen Landeszeitung. Das Gremium versteht sich als politisch neutral. „Wir unterstützen keinen Kandidaten”, so Pröger. Zwar sollte jungen Menschen in Feuchtwangen im Rahmen einer Podiumsdiskussion die Möglichkeit gegeben werden, sich zu informieren.
Weil dieses Format nun nicht zustande kommt, gehen die Jugendlichen einen anderen Weg: „Wir verteilen über die Schülervertretungen der Feuchtwanger Schulen Fragebögen”, erklärt Pröger der FLZ. Darauf können die jungen Leute Fragen stellen. Einige Stichwörter sollen zwar vorgegeben werden, beispielsweise Freizeit oder Mobilität, aber den Fragen sind dadurch keine Beschränkungen gesetzt, meinte Pröger.
Die gesammelten Fragen sollen Grünwald und Ruh dann schriftlich beantworten. Diese Antworten werden dann auf den Kanälen des Jugenbeirats in den sozialen Netzwerken und in der FLZ veröffentlicht .
Die Erwachsenen der Unterstützergruppen sehen Ruhs Absage weniger gelassen: „Während über Politikverdrossenheit junger Menschen geklagt wird, passiert in Feuchtwangen derzeit das Gegenteil”, schreiben „Wir für Feuchtwangen”/Grüne, SPD und „Wir wollen Wandel” in einer gemeinsamen Presseerklärung. Der Jugendbeirat Feuchtwangen, immerhin ein offizielles kommunales Beteiligungsgremium, habe sich eine öffentliche Fragerunde mit den Bürgermeisterkandidaten gewünscht. Ziel sei es gewesen, insbesondere Erstwählerinnen und Erstwählern eine informierte Wahlentscheidung zu ermöglichen.
Während der Herausforderer Grünwald dieser Anfrage „umgehend zugesagt” habe, habe der amtierende Bürgermeister Ruh „eine öffentliche Gesprächsrunde erneut abgelehnt”.
Dabei sei das Engagement des Jugendbeirats bemerkenswert: Junge Menschen übernähmen Verantwortung, brächten sich ein, wollten diskutieren, das sei ein „positives Beispiel für gelebte Demokratie auf kommunaler Ebene”.
Gerade vor diesem Hintergrund sei es schwer nachvollziehbar, warum der persönliche Austausch mit der jungen Generation vermieden werde, so die Unterstützergruppierungen. Demokratie lebe vom direkten Dialog, „nicht vom Rückzug in ausgewählte Formate”, sind die Unterzeichnenden der Presseerklärung überzeugt.
Patrick Ruh hatte nach der Anfrage des Jugendbeirats dem Gremium per E-Mail, die der FLZ vorliegt, geantwortet. Er bleibt in der Antwort an den Jugendbeirat bei seiner Haltung, die er bereits an die Unterstützergruppierungen geschickt hatte, als diese eine Podiumsdiskussion auf die Beine stellen wollten. Der amtierende Bürgermeister erläutert noch einmal, warum er das Podcast-Format für das geeignetere hält.
Diese Idee schlägt er jetzt auch dem Jugendbeirat vor. In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass bei der Jugenddeligiertenversammlung im Dezember lediglich zehn Personen aus der Zielgruppe von über 1000 Personen gekommen seien. Ein neues Format scheine vor diesem Hintergrund gefragt zu sein, so Ruhs Überzeugung.
Bereits am Sonntag, 25. Januar, hat sich Herausforderer Grünwald an den Feuchtwanger Jugendbeirat gewandt: Ruhs Absage sei „eine weitere verpasste Chance, Bürgerdialog wirklich zu leben statt nur darüber zu reden”, schreibt er in einer Mail, die er auch an die FLZ geschickt hat.
Er regt an, sich dem Jugendbeirat als Bürgermeister-Kandidat vorzustellen. Aus seiner Sicht sollte „die junge Generation und ihre Vertretung auch bei einer Wahlveranstaltung thematisch im Mittelpunkt stehen”. Bestimmt ließen sich für eine solche Vorstellung auch Stadtratsmitglieder von „Wir für Feuchtwangen”/Grüne, SPD und „Wir wollen Wandel” sowie der Unabhängigen Bürgerschaft gewinnen.
Grünwald kann sich auch vorstellen, mit der CSU zu diskutieren, schränkt in seiner E-Mail an den Jugendbeirat aber ein: „Ich kann mir aber nur schwer vorstellen, dass Herr Lindörfer kommt, wenn Herr Ruh absagt.”