Viel diskutiert wird die Absage des Beerenweinfests in der Gotzenmühle. „Echt traurig”, schreibt ein Mann in den sozialen Medien. Ein anderer ruft dazu auf, am Freitag einfach in das Gasthaus in der Gotzenmühle zu gehen. Das wird aber auch geschlossen bleiben, erklärt der Mühlenbesitzer Friedrich Ammon der FLZ.
Auch die Polizei sorgt sich noch ein wenig. „Wir hoffen, dass am Freitag nicht trotzdem Leute dort auftauchen”, sagt Roland Schiefer, Chef der Inspektion in Heilsbronn. Schließlich würden nicht alle Gäste die Zeitung lesen und hätten möglicherweise vorgeglüht. Er rechne damit, vielleicht trotz Absage mal eine Streife zur Mühle zu schicken.
Am Tag nach der Veröffentlichung unseres Artikels startete eine Gruppe sogar eine Petition unter dem Namen „Beerenweinfest Gotzenmühle, Tradition erhalten!”. Innerhalb weniger Stunden hatte sie bereits 500 Unterzeichner. Ins Leben gerufen haben sie die jungen Leute aus dem Hüttla Gotzendorf, einem Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft Wattenbach und Gotzendorf.
„Sehr betroffen und traurig hat es uns gemacht”, sagt Verena Ammon der FLZ zur Absage des Fests. Die 24-Jährige trägt den gleichen Namen wie der Mühlenbesitzer Friedrich Ammon, ist mit ihm aber nicht verwandt. Sie hat die Petition angemeldet. Das Hüttla besteht seit Generationen und ist auch jedes Jahr bei den drei wichtigen Festen der Dorfgemeinschaft dabei: Kerwa, Treibjagd und eben das nun abgesagte Beerenweinfest. Schon am Montag hätten sie sich zu einer kleinen Krisensitzung getroffen. Aktuell zählt die Gruppe 25 Aktive, erklärt Verena Ammon.
„Schon unsere Großeltern und Eltern waren beim Fest immer dabei.”
„Wir haben uns eigentlich schon damit abgefunden, dass es dieses Jahr nicht stattfindet.” Aber einfach so stehen lassen wollten sie das Ganze dann doch nicht. „Schon unsere Großeltern und Eltern waren beim Fest immer dabei.” Ihre eigenen Eltern zum Beispiel seien das auch heute noch, die Mehrzahl der Besucher sei aber jünger.
Das Hüttla könne verstehen, dass es gewisse Sicherheitsaspekte gibt, auf die das Team vor Ort genauer achten müsse. „Aber vielleicht könnten die Behörden auch schauen, wie das alle gemeinsam stemmen können.” Sie spricht davon, dass man nicht immer „alles kleintreten” müsse. Damit meint sie die Diskussion darum, ob ein solches Fest an Karfreitag überhaupt angebracht ist. Die Kritik an Bratwürsten, die es letztes Jahr gegeben hat, könne sie verstehen. Sie und ihre Freundinnen und Freunde essen an dem Tag auch kein Fleisch.
Doch die, die mit dem Fest an sich ein Problem haben, „die können doch einfach nicht kommen”. Von vielen Personen habe sie nun gehört, dass nun stattdessen private Feiern geplant seien, erzählt Ammon.
Für die Bereitschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Burgoberbach wiederum klärt deren Leiter Manuel Gadinger über die Versorgungslage am Fest auf. Das Mehr an benötigtem Security- und Sanitätspersonal war mit ein Grund, warum Friedrich Ammon sich für eine Absage entschied.
Dabei handle es sich bei dem Angebot von elf Einsatzkräften des BRK um das „Mindestmaß”, erklärt Gadinger. 2022 hatte sich die Bereitschaft erstmals spontan um die Veranstaltung gekümmert, vergangenes Jahr war es der Rettungsdienst RKT aus Nürnberg. Nach dem Fest 2023 habe es Diskussionen gegeben, zum Beispiel weil Sanitäterinnen angegangen wurden, weiß Gadinger. Dieses Jahr gab das BRK das günstigste Angebot ab, sagt Gadinger. Andere Dienste wären mit nicht weniger als 30 Einsatzkräften angerückt.
Denn die Veranstaltung werde risikoreicher eingestuft als zum Beispiel das deutlich größere Afrika-Karibik-Festival. „Es sind eben andere Besucher, die kommen, um sich zu betrinken.” Daher sei das Einsatzpotential in der Gotzenmühle viel größer. Und falls die Ehrenamtlichen vom BRK die medizinische Versorgung zu gering planen und etwas passiert, müssten sie selbst haften, so Gadinger.
Zudem werden die Sanitäter für die Einsätze nicht entlohnt, sondern rücken in ihrer Freizeit an einem Feiertag an. Der „niedrige vierstellige” Preis sei kostendeckend für die Ausrüstung und den Aufwand der Rettungskräfte. „Wir wollen damit ja nichts verdienen.”