Auch fast 80 Jahre nach dem Ende seines Schulbesuchs in Hennenbach ist die Schulzeit für Willy Finsterer immer noch sehr präsent. Mitten in seiner Schulzeit, die am 1. April 1940 begann, endete der Zweite Weltkrieg.
Eine prägende Zeit für den kleinen Willy, dessen Vater eine Zimmerei in der Galgenmühle betrieb. Der mittlerweile 91-jährige Willy Finsterer hat nicht nur sein erstes Lesebuch, das „Leserlein“, sondern auch einige seiner Schulhefte aufgehoben.
In seinen „Feinschriftheften“ haben sich viele Geschichten erhalten, die ein eher unpolitisches Bild von Moral und Leben in der Kriegs- und Nachkriegszeit widerspiegeln. Unter dem Titel „Meine Schulzeit. Erinnerungen an die Volksschule Hennenbach“ hat Willy Finsterer die Geschichten aus seiner Schulzeit nun einer breiten Öffentlichkeit in einem Buch zugänglich gemacht.
In dem 75-seitigen Werk werden nicht nur die Geschichten von Willy Finsterer zugänglich gemacht, sondern auch eine kleine Schulgeschichte Hennenbachs zum Besten gegeben. Willy Finsterer machte nach seinem achtjährigen Besuch der Volksschule eine Zimmerer-Lehre und legte 1958 die Meisterprüfung ab. Anschließend studierte er, wurde Diplom-Ingenieur und Architekt und war 30 Jahre beim Landbauamt und dann in der Bauabteilung der Regierung von Mittelfranken tätig.
Willy Finsterer hat in seinen Erinnerungen, die am Anfang des Buches stehen, seine Erlebnisse in der zu Ende gehenden Nazi-Diktatur erwähnt. So wurde er noch kurz vor Kriegsende in die Hitlerjugend aufgenommen. In der Hennenbacher Schule war nicht nur das Politbüro der Gauleitung, sondern auch das Amtszimmer des Bürgermeisters Georg Adler.
Finsterer beklagt, dass wichtige Grundfächer vernachlässigt wurden und dafür lieber Marschieren geübt und Filme über deutsche Soldaten gezeigt worden seien. Als die Amerikaner in Hennenbach einmarschiert waren, habe man von der Leiterin des NS-Büros in der Schule – sie war die Ehefrau des Lehrers – wie auch von dem Lehrer Eduard Lübeck nichts mehr gesehen.
Am 15. Juli 1948 ging für Willy Finsterer die Schulzeit zu Ende. Was der damalige Rektor der Hennenbacher Schule, Christoph Bub, zu seinen Schülern sagte, ist Willy Finsterer bis heute in Erinnerung: „Bitte die Schreibfeder weglegen, die Ferien beginnen. Für die achte Klasse endet die Schulzeit in Hennenbach, aber für sie beginnt auch ein neuer Lebensabschnitt, der da heißt Berufslehre. Sehet zu und erinnert euch auch dann noch an die Volksschule in Hennenbach.“ Das hat Willy Finsterer getan und bis heute sind seine Erinnerungen präsent.
Willy Finsterer übergab seine Erinnerungen in Buchform an die heutige Leiterin der Grundschule Hennenbach, Karin List-Engerer. Diese freute sich zusammen mit einigen Schülern über das Buch, das sie als ein Fenster in die Vergangenheit bezeichnete.
Und weil Willy Finsterer seine Schulzeit so gut in Erinnerung geblieben ist, will er seine alte Schule unterstützen. Bei der Feier seines 90. Geburtstages hatte er auf Geschenke verzichtet und zu Spenden für die Grundschule Hennenbach ausgerufen. Er konnte nun List-Engerer 500 Euro übergeben.
Das Buch kann bei dem Cousin von Willy Finsterer, Werner Finsterer, per E-Mail unter der Adresse werner.finsterer@gmx.net oder telefonisch unter Rufnummer 0981/7657 bestellt werden.
Pro verkauftem Buch werden fünf Euro für die Grundschule Hennenbach gespendet. Willy Finsterer dankte seinem Cousin Werner für die Gestaltung des Buches und die Schulleiterin Karin List-Engerer dankte für die Großzügigkeit.
Was mit dem Geld angeschafft wird, werde noch gemeinsam mit den Schülern überlegt, so die Rektorin. Die Schüler, so berichtete sie, interessierten sich sehr für Geschichte, und mit dem Buch von Willy Finsterer könne die Hennenbacher Schulgeschichte in den Unterricht eingebaut werden.