460 Jahre Tradition: Landgasthof „Zum Rappen“ in Oberickelsheim sucht Nachfolger | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 17.02.2026 09:40

460 Jahre Tradition: Landgasthof „Zum Rappen“ in Oberickelsheim sucht Nachfolger

Jeder Oberickelsheimer und Tausende von Autofahrern kennen diese Front: Über 460 Jahre hat der Gasthof „Zum Rappen” in Oberickelsheim auf dem Buckel, doch noch immer kommen Gäste aus Nah und Fern.  (Foto: Ulrich Schwandt )
Jeder Oberickelsheimer und Tausende von Autofahrern kennen diese Front: Über 460 Jahre hat der Gasthof „Zum Rappen” in Oberickelsheim auf dem Buckel, doch noch immer kommen Gäste aus Nah und Fern. (Foto: Ulrich Schwandt )
Jeder Oberickelsheimer und Tausende von Autofahrern kennen diese Front: Über 460 Jahre hat der Gasthof „Zum Rappen” in Oberickelsheim auf dem Buckel, doch noch immer kommen Gäste aus Nah und Fern. (Foto: Ulrich Schwandt )

Es ist ein ganz normaler Montag in Oberickelsheim im Landgasthof „Zum Rappen“. Einzelne Autos stehen auf dem großen Parkplatz, manche tragen einen Firmenschriftzug. Innen hat Walter Pregitzer gut zu tun.

Ein Schornsteinfeger hat an der Theke Platz genommen, freut sich auf sein Mittagessen. Er liebt die Klöße, die zum legendären Sauerbraten im „Rappen“ serviert werden. Vier junge Männer setzen sich an einen größeren Tisch in der Wirtsstube. Die Bestellung ist einfach: viermal Currywurst mit Pommes und vier Spezi. Es dauert nicht lange, dann steht ihr Essen auf dem Tisch. Die Portionen sind groß, der Hunger offensichtlich auch. Eine Sauerbratenportion und ein Jägerschnitzel sind ebenfalls unterwegs zu Gästen. Allmählich füllt sich die Gaststube. Hin und wieder kommt jemand vorbei, um Essen abzuholen.

Walter Pregitzer ist der Eigentümer des traditionellen fränkischen Landgasthofs. Sein Vater Fritz hatte das Anwesen einst erworben – das war 1935, also vor gut 90 Jahren. Der Gasthof an sich ist jedoch schon viel, viel älter, besteht nachweislich seit 1565. Das Anwesen steht in der Liste der Baudenkmäler als zweigeschossiger, traufständiger Satteldachbau mit Fachwerkobergeschoss. In einem Presseartikel des Jahres 1957 wird die „gesprächige Gattin“ eines brandenburgischen Kanzleirats zitiert. Die geschilderte Begebenheit habe sich laut dem damaligen Artikel um oder kurz nach 1780 abgespielt. Die zitierte Gattin erzählt von der neuen Straße, die 1773 fertiggestellt wurde und in deren Mitte eine „herrliche Säule” errichtet worden sei, mit „einer Kugel auf der Spitze“, gekrönt von einem brandenburgischen Adler.

Säule bis heute ein Oberickelsheimer Wahrzeichen

Tatsächlich: Die Straße in Richtung Ochsenfurt hatte damals der Markgraf von Brandenburg, Christian Friedrich Karl Alexander, bauen lassen. Ihm ist auch die erwähnte Säule zu verdanken – bis heute ein Oberickelsheimer Wahrzeichen. Im Artikel wird nun beschrieben, dass der Kanzleiratsgattin der Abschied aus Uffenheim nicht leicht gefallen sei. Als sie auf den „Rappen“ zurollten, um die Pferde umzuspannen, hätten dort viele Wagen an der Straße gestanden, schwere Gefährte der Augsburger Fuhrleute wurden frisch bespannt. Sie hätten sich zu einer kurzen Rast „in die große Stube des schönen Fachwerkhauses” zurückgezogen und sich an einem Bier der hauseigenen Brauerei gelabt.

So weit, so nostalgisch. Die Kanzleiratsgattin wäre sicherlich betrübt, zu hören, dass das Brauhaus 1952 abgebrochen wurde, um einem Saal Platz zu machen. 130 Gäste fanden dort bequem Platz, erzählt Walter Pregitzer. Alle zwei Wochen hätten früher hier sehr beliebte Tanzveranstaltungen stattgefunden, Hochzeiten und andere Familienfeste wurden ebenfalls im Saal gefeiert. Auch Busse machten werktags und am Wochenende Zwischenstation in Oberickelsheim, damit die Reisenden dort einkehren konnten und natürlich trafen sich auch die örtlichen Vereine regelmäßig im Rappen.

Das könnte Sie auch interessieren
„Schlaraffenland“: Wein- & Honigfest in Krassolzheim lockt in den Oberen EhegrundOldtimertreffen in Hohenau: Großer Andrang trotz wechselhaften WettersMarkus Meinold: Ausbildungsbotschafter aus Rothenburg fördert Gastgewerbe-Talente„Besondere Atmosphäre” im Weinberg: Wie dieses Haus Ipsheims Besuchermagnet wurdeWie man sich in Szene setzt: Videoworkshop für Direktvermarktende im Kreis AnsbachKein friedliches Ostern in Ansbacher Lokalen: Polizei muss zweimal eingreifenPkw fährt beim Überholen auf B13 zwischen Gräfenbuch und Hohenau in GegenverkehrGastro in der Orangerie Ansbach: Wirt will „coole Location” nicht weiter betreiben„Märchenhafte Rätsel-Rallye” in Ansbachs Innenstadt: Großer Erfolg für die AktionDrei Verletzte bei Ansbach: Autos und Lastwagen kollidieren auf der A6Gegenverkehr beim Abbiegen übersehen: Zwei Autos stoßen bei Marktbergel zusammenIn Uffenheim eröffnet das neue „Café einfach wunderbar”Barrierefreie Gasthäuser auf einen Blick: Im Landkreis NEA entsteht nun ein PortalErweiterung der Thermen-Gastro: Gesundheitsstandort Bad Windsheim wird gestärktLandrat zu Besuch in Neuhof: Das sind die Vorzeige-Projekte der Gemeinde

Für 20 Pfennige Kegel aufgestellt

Bis 1959 hatte es sogar eine Kegelbahn im Freien gegeben, etwa dort, wo sich heute der Gehsteig die Straße entlang zieht. Unter Kastanienbäumen hätten sich hier sonntags die Leute getroffen, an den Tischen Platz genommen, Bier getrunken und Knacker gegessen. 20 Pfennige habe er bekommen, so Walter Pregitzer schmunzelnd, wenn er die Kegel immer wieder aufgestellt habe. Damals habe die Familie zusätzlich eine Landwirtschaft und eine Metzgerei betrieben, viele der Lebensmittel, die in der Küche verarbeitet wurden, habe man selbst erzeugt.

Damals wie heute bietet der Landgasthof „Zum Rappen“ auch Gästezimmer an – insgesamt 34 Betten. Die nächste Autobahnabfahrt ist nur zwei Kilometer entfernt, so mancher Durchreisende sucht eine Bleibe für nur eine Nacht und da ist der Landgasthof eine optimale Zwischenstation. Unter den Einkehrenden sind viele Stammgäste, die immer wieder auf ihrem Weg gen Süden oder auf der Heimfahrt in Oberickelsheim nächtigen. „Da bekommen wir schon ab und zu auch etwas mitgebracht”, erzählt Pregitzer – Käse aus Holland zum Beispiel.

Sohn Björn verstarb unerwartet

Über 55 Jahre war seine Frau Anneliese als gute Gastgeberin im Servicebereich an seiner Seite, in den letzten Monaten musste sie sich gesundheitsbedingt leider zurückziehen. Sie stammt aus Ermetzhofen und war als junges Mädchen häufig bei ihrer Tante zu Besuch, deren Haus nahe des „Rappens” lag. Kennengelernt habe er seine Anneliese beim Tanzen, erzählt Pregnitzer, 1970 haben der Wirt und die gelernte Arzthelferin geheiratet.

1972 kam Sohn Björn zur Welt. Er hat später – wie sein Vater Walter – in Rothenburg im Hotel Hirschen seine Ausbildung als Koch absolviert, war anschließend im Maritim-Hotel in Würzburg tätig und stieg danach in den elterlichen Betrieb ein. Rechtzeitig wurde die Übergabe des Betriebs an Sohn Björn geregelt, ein Haus als Alterssitz erworben. Doch dann ereilte die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Björn starb plötzlich und völlig unerwartet im Juni 2017. Ein anderer Nachfolger für den Gasthof hat sich seitdem nicht gefunden.

Aktuell führt Walter Pregitzer den Rappen noch ein bisschen weiter. Er liebt seine Arbeit, freut sich, wenn er seine Gäste traditionell-fränkisch verwöhnen kann, an sieben Tagen in der Woche, denn einen Ruhetag gibt es nicht. Im September dieses Jahres wird Walter Pregitzer seinen 80. Geburtstag feiern und noch immer hofft er darauf, jemanden zu finden, der den Gasthof weiter betreibt. Eine über 460 Jahre währende Geschichte sollte schließlich nicht sang- und klanglos zu Ende gehen.

north