300 Jahre Dreieinigkeitskirche in Lichtenau | FLZ.de

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Veröffentlicht am 28.06.2024 16:57

300 Jahre Dreieinigkeitskirche in Lichtenau

Ein sehenswertes Ensemble: die Burganlage in Lichtenau und die Dreieinigkeitskirche mit der schwarzen Turm-Haube. (Foto: Lara Hausleitner)
Ein sehenswertes Ensemble: die Burganlage in Lichtenau und die Dreieinigkeitskirche mit der schwarzen Turm-Haube. (Foto: Lara Hausleitner)
Ein sehenswertes Ensemble: die Burganlage in Lichtenau und die Dreieinigkeitskirche mit der schwarzen Turm-Haube. (Foto: Lara Hausleitner)

Ein Lieblingsplatz von Pfarrer Claus Ebeling ist die Rundung rechts vom Altar in der Dreieinigkeitskirche. Wenn er hier sitzt, in der hinteren Gestühlreihe, hat er den Altar im Blick und auch die Gemeinde. Seit zehn Jahren ist Ebeling Pfarrer in Lichtenau. Seine Kirche feiert heuer den 300. Geburtstag.

Die evangelische Dorfkirche mit dem prägnanten Turm nahe der Burg ist fast immer offen. Wer mag, kann hineingehen und die Stille genießen – und den Blick nach oben zur barocken Decke, auf den Stuck, die Bilder, die Skulpturen. Zum Jubiläum ist ein Kirchenführer erschienen, der über die kleinen und größeren Schätze in dem Gotteshaus informiert. Und der einladen soll, innezuhalten, „meditierend zu verweilen“, wie Pfarrer Ebeling im Vorwort schreibt.

Rosa, Gelb und ein wenig Hellblau

Erbaut wurde die Kirche unter der Leitung von Christoph Theophilus Volkamer innerhalb nur eines Jahres; am 2. Advent 1724 wurde sie eingeweiht. Weithin sichtbar ist bis heute der Turm im Westen, auf dem eine auffällige Haube sitzt. Das geschwungene Dach im neubarocken Stil kam allerdings erst 1890 hinzu. Der Innenraum ist ein schlichter Saal mit Tonnengewölbe und halbrundem Chorraum, in dem zarte, pastellige Töne dominieren: Rosa und Gelb, Weiß und lichtes Grau, dazu ein wenig Hellblau.

Den Stuck schuf Donato Polli, ein aus dem Tessin stammender Stuckateur, der ab 1690 in Nürnberg lebte: Blätter und Blüten, Vasen mit üppigen Blumensträußen darin, Masken und Putten mit Anker, Kreuz oder Kelch. Über dem Altar schwebt in der Apsis die Taube des Heiligen Geistes; darunter prangt eine Kartusche mit dem Wappen der freien Reichsstadt Nürnberg, der Lichtenau von 1406 bis 1806 unterstand. Die fünfeckige Festungsanlage neben der Kirche war ein Vorposten der Nürnberger Burg.

Ungewöhnlich sind die runden und ovalen Rahmen im Gewölbe der Kirche, denn sie sind bewusst leer geblieben. Somit könnten doch die Besucher überlegen, wer aus ihrem persönlichen Umfeld in den Feldern dargestellt sein sollte, regt Pfarrer Ebeling an. „Menschen und Begegnungen, für die man dankbar ist, kann man sich sozusagen selbst hineindenken.“

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Von der elegant gestalteten Decke schweift der Blick zum Altar: Jesus im Garten Gethsemane am Ölberg in der Nacht vor seiner Verhaftung. Gemalt wurde die düstere Szenerie 1724, im Baujahr der Kirche. Der betende Jesus fixiert den Kelch, den ihm ein Engel aus den aufreißenden Wolken reicht: ein Symbol des Leidens, das der Sohn Gottes auf sich zu nehmen hat. Sein Gewand hat die Farbe des Blutes und der Liebe.

An den Tod gemahnt das Vortragekreuz von 1679, das rechts vom Altar emporragt. Knochen und ein Totenschädel verweisen auf das Ende, die goldenen Strahlen und Engelsköpfe auf ein ewiges Leben. Wie Ebeling schildert, sind solche Kreuze seit dem Mittelalter bekannt. Bis heute werden sie bei Prozessionen oder Begräbnisfeiern vorangetragen als Zeichen für die Erlösung durch Christus, der am Kreuz den Tod besiegte.

Engelsköpfe und die Jakobsmuschel

Der Taufstein mit opulentem Blattwerk und Gesichtern links vom Altar wurde 1724 von einem kinderlosen Ehepaar gestiftet, erzählt der Pfarrer. „Aufwendig ist er aus Lichtenauer Sandstein gestaltet. Aus Wolken und grünen Ranken schauen zwei Engel zur Gemeinde und zum Altar. Über ihnen schwebt eine geöffnete Jakobsmuschel, in die eine kostbare Schale aus Zinn eingefügt ist. Darüber, als Abdeckung, sehen wir zwei Engel in den Himmel blicken.“

Das große Kruzifix aus Lindenholz an der Wand ist deutlich jünger. 1955 wurde es von Erich Koch in München geschaffen. Daneben steht eine Holzfigur der heiligen Barbara, gefertigt von dem Regensburger Holzbildhauer Anselm Gleixner. Sie erinnert an die Vorgängerkirche, die 1688 abgerissen wurde und der Heiligen geweiht war. In ihrer rechten Hand hält sie den Kelch, den ihr der Legende nach ein Engel reichte, als sie, eingesperrt in einem Turm, das Abendmahl empfangen wollte.

Noch viel mehr ist zu entdecken: Jugendstil-Glasbilder in den Fenstern, eines zeigt eine Taube über einem aufgeschlagenen Buch mit den griechischen Buchstaben Alpha und Omega, Gemälde der verstorbenen Malerin und Ansbacher Kulturpreisträgerin Waltraut Beck, die barocke Kanzel mit Lutherrose.

Immer wieder öffnen sich neue Räume

Ein weiterer Blickfang sind die Türbeschläge mit Blättern und Ranken, kunstvoll gefertigt vom Nürnberger Schlosser Jakob Sauer. Im Kirchenführer setzt sich Ebeling mit dem Durchschreiten von Türen im übertragenen Sinn auseinander: mit neuen Räumen, die sich für die Menschen immer wieder öffnen.

Nicht nur still in die barocke Vergangenheit eintauchen können die Besucher der Dreieinigkeitskirche in Lichtenau, es wird auch zünftig mit Musik, Speis und Trank gefeiert zum 300. Geburtstag: Am Sonntag, 21. Juli, ist Kirchweih, und am Sonntag, 15. September, findet dann auf dem Marktplatz als Höhepunkt ein großes Jubiläumsfest statt. Den Abschluss bildet ein Gottesdienst am Sonntag, 8. Dezember, der anknüpft an die Einweihung der Kirche am 9. Dezember 1724.


Lara Hausleitner
Lara Hausleitner
Redakteurin für Lokales und Kultur - und Reisende aus Leidenschaft.

"I have never written a word that did not come from my heart. I never shall."
Nellie Bly
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