Seit 25 Jahren gibt es die Wildbretwochen – ein Aushängeschild, um das die bayerische Jagdkönigin Diana Merkle den Landkreis beneidet. „Jetzt wird’s wild!“, rief Landrat Dr. Christian von Dobschütz als Motto der Veranstaltung aus, bei der es Wildbratwürste gab, aber auch besondere Kreationen der „Brennereistuben” in Wilhelmsdorf.
Wild wurde es dann tatsächlich, innerhalb und außerhalb des Gasthof, bei dem die Wildbretwochen schon zum vierten Mal eröffnet wurden. Bei einem ausgedehnten Vorprogramm, für das extra die Straße gesperrt worden war, gab es kostenlose Wildbratwurstsemmeln und Punsch. Die Jäger erläuterten ihre Arbeit, bei der Nachhaltigkeit genauso eine wichtige Rolle spielt wie Tradition und Zusammenhalt. Die Jagdhornbläser und -bläserinnen spielten, die Gäste konnten Greifvögel und Eulen wie den Habichtskauz „Emil“ bewundern und erfahren, dass seine Art vom Aussterben bedroht ist.
Hunderassen, die für die Jagd geeignet sind, und was sie alles können müssen, zeigte die Hundegruppe: Vom kleinen Rauhaardackel bis zum ungarischen Vorsteherhund, zeigten sie ihr Können – blieben ruhig liegen, wenn ein lauter Knall ertönte, apportierten, akzeptierten, dass ihre Bezugspersonen sich von ihnen entferne und über sie hinweg stiegen. Nur beim Springen über ein Hindernis zum Wild, wollte manch einer der Vierbeiner nicht einsehen, dass er beim Rückweg nochmal über die Stange springen sollte, wo man doch ganz bequem auch außen herumgehen konnte.
Eine beeindruckende Strecke wurde gelegt – die schönste, die sie je gesehen hat, wie die bayerische Jagdkönigin Diana Merkle aus dem schwäbischen Dillingen betonte. Auf Fichtenzweige betteten die Jäger dabei Wildschweine, Rehe, Hasen, Gänse und Enten, auch seltenere Arten – wie Wildkaninchen oder Fasan. Manche Tiere werden nicht bejagt, um sie später essen zu können, sondern um das natürliche Gleichgewicht zu erhalten, erläuterte der Leiter der örtlichen Hegegemeinschaft Christian Hillrichs: So war ein Waschbär in der Strecke, der sich inzwischen explosionsartig vermehre, aber auch Kormoran und Graureiher, die den Teichwirten das Leben erschweren.
Auch wenn die Tiere so natürlich aufwachsen, wie man es sich nur wünschen kann, am Schluss sterben sie, sagte Jagdkönigin Diana. „Idealerweise fallen sie aber um, bevor sie den Schuss hören“, betonte sie. Den Tieren, die erlegt worden, wird deshalb die letzte Ehre erwiesen: Die Jagdhörner ließen die Signale für die unterschiedlichen Tiere erschallen.
Herrschte draußen Jahrmarktstimmung, so wurde im Inneren der „Brennereistuben” vom Team vor zahllosen Ehrengästen dann die hohe Kunst der Wildzubereitung zelebriert. Das fachkundige Publikum ließ sich die Speisen auf der Zunge zergehen und freute sich an dem schönen Anblick des Buffets, das das Team der Brennereistufen gezaubert hatte.
Bevor das Lieblingssignal der Jagdhorngruppe und ihres Hornmeisters Adolf Popp „Zu Tisch!“ ertönte, erinnerte der Landrat an die gute Idee, die Hans Arnold vom Kreistourismus vor 25 Jahren hatte: Jeden Herbst bieten die beteiligten Gastwirtschaften Klassiker mit Wild, aber auch überraschende und neue Zubereitungsarten.
Um diese Idee beneidet die Jagdkönigin den Landkreis, wie sie bekannte. „Wie kann man die Jagd besser würdigen, als durch eine solche Veranstaltung?“ Seit sie vor einem Jahr als erste Amtshandlung die Wildbretwochen auf Schloss Frankenberg eröffnete, hat sie eine besondere Beziehung zu dieser kulinarischen Werbung für das Wild. „Ich habe versucht, bei uns etwas Ähnliches anzustoßen. Leider ohne Erfolg.“
Im lockeren Dialog mit Norbert Wanka, dem Vorsitzenden des Jägervereins Neustadt und Umgebung, warben sie dafür, sich auch als Privatmensch ans Wild zu wagen. „Man kann es zubereiten, wie jedes andere Fleisch auch“, machte Wanka den Anwesenden Mut.
Wie ausgeprägt die Beliebtheit ist, das sahen unterschiedliche Jäger ganz verschieden: Vom Boom seit Corona („die jungen Leute kochen wieder“) bis zur Klage, dass immer mehr Gastwirtschaften kein Wild mehr auf die Speisekarte setzen, lauteten die Aussagen. Einig waren sich dagegen alle, dass das Team von Edwin Günthner ihre Produkte besonders gut in Szene setzt: Melonenschiffchen mit Wildschinken, Rehrücken im Pfannkuchen, Wildpastete mit Kürbismousse oder Hasenrücken im Speckmantel fanden bei den Gästen großen Anklang.
„Genau das macht unsere Mehrregion aus”, hatte von Dobschütz schon zu Beginn kundgetan: „Unser heimisches Wild genießen – nach einer ausgedehnten Wanderung durch die wunderbare, herbstlich verfärbte Landschaft.“
Der Einzige, der in all die festlichen Reden ein bisschen Kritik brachte, war der Bürgermeister der Gastgebergemeinde Rüdiger Probst, der die Bundes- und Landespolitik dazu aufrief, das Jagdwesen vor weiterer Bürokratie zu verschonen, wobei er insbesondere das Waffenrecht ansprach. Ansonsten standen die schönen Seiten im Vordergrund – es wurde nicht wild, sondern fröhlich gefeiert. Aber: Das Wild wurde gefeiert.
Die Wildbretwochen dauern bis zum 1. Dezember. Wer mindestens zweimal die teilnehmenden Gaststätten besucht und sich dafür einen Stempel geben lässt, kann bei der Verlosung einen Wildbret-Erlebnistag und weitere Preise gewinnen. Nähere Informationen auf der Seite www.wildbretwochen.de und in den Flyern zur Wildbretwoche.