Mit der Nahversorgung in Lichtenau könnte es bald bergauf gehen: Im leer stehenden SB-Markt Zahn in der Ortsmitte will die Gemeinderatsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen kleinen Dorfladen verwirklichen. Parallel dazu sieht die Gemeinde einen Supermarkt im neuen Baugebiet „Am Eichelberg” vor.
Der SB-Markt Zahn hatte zum Jahresende 2024 seine Türen geschlossen – „vorübergehend”, wie an der Tür zu lesen war. Für viele Kundinnen und Kunden kam das überraschend. Einen neuen Nahversorger in den Ort zu holen, ist seitdem noch nicht gelungen.
Neben der Verwaltung beschäftigt sich auch die Grünen-Fraktion im Gemeinderat, bestehend aus Gisela Strößner und dem Bürgermeisterkandidaten Manfred Eschenbacher, seit geraumer Zeit mit der Frage, wie man die Nahversorgung im Kernort sicherstellen kann. Nun haben sich die Pläne konkretisiert, wie Eschenbacher bei einem Pressetermin im ehemaligen SB-Markt bekannt gab.
Wenn es nach den Grünen geht, soll genau dort „ein klassisches Dorfladen-Konzept” - ähnlich wie Tante-Enso in Bruckberg – verwirklicht werden. Der Inhaber der Immobilie, Axel Zahn, ist bereit, die Räumlichkeiten zu diesem Zweck zu verpachten. Betreiber des Mini-Supermarkts soll das Unternehmen Ortkauf aus Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg) werden, das im September 2022 gegründet wurde und zwischenzeitlich mehrere Filialen eröffnet hat. Auf dieses machte der Lichtenauer Bürger Ljubo Jularic aufmerksam.
„Wir wollen die Nahversorgung in den ländlichen Raum zurückholen”, erklärt Christoph Sarnowski, Gründer und Geschäftsführer von Ortkauf. Seine Läden sind an 365 Tagen für 24 Stunden geöffnet. Bezahlt wird bargeldlos an Selbstbedienungskassen – entweder mit einer Bank- beziehungsweise Kreditkarte oder alternativ mit der Kundenkarte, die zuvor mit einem Guthaben aufgeladen wurde. Letztere kann auch von Kindern genutzt werden, die noch keine eigene Bankkarte besitzen. Mit allen Karten-Varianten haben Kundinnen und Kunden rund um die Uhr Zugang.
„Für uns ist wichtig, dass es auch Senioren nutzen können”, betont Sarnowski. Ob die nicht abgeschreckt werden, wenn nicht mit Bargeld bezahlt werden kann? Auf diese Frage ist Sarnowski vorbereitet: Nach der Eröffnung soll das System zeitnah bei einem Seniorennachmittag erklärt werden. Aber auch zu den Servicezeiten – voraussichtlich dienstags und freitags zwischen 8 und 13 Uhr – kann das Personal unterstützen. „Da treffen Sie immer jemanden an, der Ihnen beim Scannen hilft oder auch mal ein Schwätzchen hält. Das ist uns ganz wichtig.” Axel Zahn ergänzt: „Ich bin ja der klassische Senior, ich zahle sonst nur bar.” Er habe das Kassensystem aber in einer Ortkauf-Filiale getestet. „Das hat mir super gefallen. Es kann jeder ältere Mensch bedienen.”
Knapp 2000 Artikel von Lebensmitteln und Getränken über Drogerieprodukte bis hin zu weiteren Waren des täglichen Bedarfs sollen sich in den Regalen wiederfinden, nannte Sarnowski als Hausnummer. Edeka sei der Hauptlieferant, aber auch regionale Anbieter könnten bei Interesse ihre Waren zuliefern. Um dem bayerischen Ladenschlussgesetz zu genügen, muss die Verkaufsfläche von Anfang an auf 150 Quadratmeter begrenzt werden. Außerdem sollen Bier, Wein und Tabak laut Sarnowski nur in einem abgetrennten Ü-16-Bereich verkauft werden. Zutritt hat hier nur, wer sich mit einem Personalausweis oder Führerschein ausweist. Das dort installierte Gerät prüfe, ob der Ausweis echt und die Person über 16 sei. „In dem Fall kommt sie hinein und kann in den heiligen Hallen von Bier und Wein stehen.”
Tür-, Kassen-, und Kühlsystem stelle der Betreiber Ortkauf zur Verfügung, hieß es. Bevor ein Laden einziehen könne, seien aber kleinere Baumaßnahmen nötig. So müssten unter anderem Trockenbauwände eingezogen werden, um die Verkaufsfläche auf die gesetzlich erlaubte Quadratmeterzahl zu verkleinern. Die Kosten schätzt Eschenbacher auf rund 40.000 Euro. Wichtig ist allen Beteiligten, die Gemeinde mit ins Boot zu holen, damit über die Städtebauförderung Zuschüsse in Höhe von mindestens 80 Prozent beantragt werden können. „Wir würden den Umbau fast zum Nulltarif bekommen.” Der noch offene Betrag von etwa 7000 bis 8000 Euro wäre gedeckt, wenn die Gemeinde das Objekt anmietet und mit einem kleinen Aufschlag an Ortkauf weitervermietet, hat Eschenbacher berechnet. Die Gewerbesteuer käme laut Sarnowski der Gemeinde Lichtenau zugute.
Manfred Eschenbacher hat bereits einen Antrag an den Gemeinderat verfasst. Er hofft, dass dieser bereits in der Sitzung am Donnerstag, 19. Februar, behandelt wird – mit hoffentlich positivem Ergebnis. „Wenn wir jetzt anfangen könnten, wäre die Eröffnung im Juni machbar.”
Eine andere Idee bezüglich der Nahversorgung hatte vor Kurzem die Verwaltung ins Spiel gebracht. Sie würde gern einen Supermarkt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche an der Herpersdorfer Straße realisieren. Eine Planungsskizze für eine mögliche Entwicklung des Neubaugebiets „Am Eichelberg” zwischen Justizvollzugsanstalt, Grundschule, der Staatsstraße 2223 sowie der Herpersdorfer Straße segnete der Gemeinderat einstimmig in der Dezember-Sitzung ab. Laut Bürgermeister Markus Nehmer soll der Supermarkt von einem „privaten Projektentwickler” realisiert werden.
Bevor das Gebiet dort bebaut werden kann, muss die Verwaltung aber erst Flächen erwerben, denn Eigentümer ist der Freistaat Bayern. Manfred Eschenbacher glaubt, dass es sehr lange dauert, bis dieses Projekt „auf der grünen Wiese” realisiert werden kann. Selbst wenn beide Ideen tatsächlich parallel umgesetzt würden, könnten diese aber auch nebeneinander funktionieren, ist er überzeugt.