Jeder fünfte Mensch in Deutschland fühlt sich besonders gestresst. Das gelte vor allem für Frauen, Personen von 18 bis 64 Jahren und Menschen mit geringem Bildungsabschluss, wie aus einer Auswertung des Robert Koch-Instituts hervorgeht.
Datengrundlage war das Panel „Gesundheit in Deutschland“ 2024 des Robert Koch-Instituts. Für die aktuelle Untersuchung wurden Antworten von 27.102 Teilnehmern im Alter von 18 bis 99 Jahren genutzt.
Die am häufigsten angegebenen Bewältigungsstrategien gegen den Stress waren Problemlösen, Beharrlichkeit, wie etwa ein Ziel trotz Schwierigkeiten zu verfolgen, und flexible Strategien je nach Entwicklung der Situation. Am seltensten angegeben wurden Verdrängung, Wunschdenken sowie proaktives Handeln wie das Aufbauen von Ressourcen oder das Vorbeugen von Problemen.
Insgesamt waren Problemlösen, eine Flexibilität bei den Strategien und proaktives Handeln mit geringerem Stresserleben verbunden, Verdrängung und Wunschdenken dagegen mit höherem.
Studien zeigen laut RKI, dass Frauen häufiger soziale Unterstützung zur Bewältigung von Stress nannten sowie emotionsbasierte und vermeidende Strategien. Bei Männern seien es häufiger aktive problem-fokussierte und rationale Strategien.
Das von Frauen berichtete höhere Stresserleben könne daran liegen, dass sie häufiger unterschiedlichen Stressoren ausgesetzt seien, Stress unterschiedlich interpretieren oder sich in ihren Bewältigungsstrategien von Männern unterscheiden. „So erleben Frauen mehr tägliche, kleinere Stressfaktoren, mehr chronischen Stress und nehmen bedeutende Lebensereignisse als weniger kontrollierbar wahr als Männer.“
Stress sei am höchsten im jungen Erwachsenenalter, schreibt das Autorenteam. Dass Menschen bis 64 Jahre das größte Risiko für eine erhöhte Stressbelastung aufzeigten, könnte an der Mehrfachbelastung durch den Job, der Betreuungsarbeit für Kinder und alternde Eltern sowie der finanziellen Verantwortung liegen.
Bei Älteren nahm das Stressempfinden ab und erst in der Gruppe der 80- bis 99-Jährigen wieder zu. Gründe können darin liegen, dass gesundheitsbezogene Belastungen, funktionale Einschränkungen und das Erleben von Verlust steigen, während positive emotionale Erfahrungen nicht weiter zu- oder sogar wieder abnähmen.
Im Einklang mit früheren Studien ging auch bei dieser Studie eine hohe formale Bildung mit weniger wahrgenommenem Stress einher. Die Ergebnisse zeigen laut RKI, dass Menschen der hohen Bildungsgruppe mehr Bewältigungsstrategien wie Problemlösen und weniger Verdrängung angaben.
Es seien jedoch auch viele Möglichkeiten zur Stressbewältigung sozial ungleich verteilt: So gingen mit höheren Bildungsabschlüssen auch mehr Selbstwirksamkeit, Kontrollgefühl und soziale Unterstützung sowie mehr materielle Ressourcen einher.
Die wahrgenommene Stressbelastung hat sich laut RKI im Vergleich zum Panel von 2014 deutlich erhöht. Ähnliches gelte auch für weitere deutsche und internationale Studien. So sei einer Studie der Techniker Krankenkasse zufolge der Anteil der Menschen in Deutschland, die sich häufig oder manchmal gestresst fühlen, von 57 Prozent im Jahr 2013 auf 66 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.
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