19 Windräder geplant: riesiges Interesse am Bürgerwindpark Steigerwald | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.03.2026 19:55

19 Windräder geplant: riesiges Interesse am Bürgerwindpark Steigerwald

Die Wolfgang-Graf-Halle in Scheinfeld war am Sonntag voll. Am Tisch die Hauptreferentin des Projektierers, Geschäftsführerin Katrin Held von der Naturenergie Zeilinger (rechts), daneben ihr Vater Reinhold Zeilinger. (Foto: Anita Dlugoß)
Die Wolfgang-Graf-Halle in Scheinfeld war am Sonntag voll. Am Tisch die Hauptreferentin des Projektierers, Geschäftsführerin Katrin Held von der Naturenergie Zeilinger (rechts), daneben ihr Vater Reinhold Zeilinger. (Foto: Anita Dlugoß)
Die Wolfgang-Graf-Halle in Scheinfeld war am Sonntag voll. Am Tisch die Hauptreferentin des Projektierers, Geschäftsführerin Katrin Held von der Naturenergie Zeilinger (rechts), daneben ihr Vater Reinhold Zeilinger. (Foto: Anita Dlugoß)

Erst Baudenbach, dann Oberscheinfeld, dann Scheinfeld: Am Wochenende fanden Informationsveranstaltungen zum Bürgerwindpark Steigerwald statt. Überall musste in den großen Hallen nachbestuhlt werden. Auch in Scheinfeld, wo unsere Redaktion stellvertretend teilnahm.

So war Bürgermeister Claus Seifert nicht nur als Grußwortredner aktiv, sondern legte auch kräftig Hand an, um Stühle in die Wolfgang-Graf-Halle zu fahren. Seine Kollegen aus den Gemeinden Markt Bibart, Oberscheinfeld und Markt Taschendorf hatten nebst dem designierten Scheinfelder Bürgermeister Theodor Schell, seines Zeichens Projektentwickler bei der Naturenergie Zeilinger, vorne Platz genommen. Von den 19 Windenergieanlagen, die mit einer Investitionssumme von 200 Millionen Euro entstehen sollen, sind insgesamt sechs Gemeinden betroffen, auch noch Münchsteinach.

Seifert zitierte in seinem Plädoyer für das Projekt den Baudenbacher Bürgermeister Wolfgang Schmidt, der am Freitag in der dortigen Gemeindehalle das Grußwort hielt. Zur Motivation für dieses „Leuchtturmprojekt” habe Schmidt an die Trockenjahre 2017, 2018 und 2019 erinnert. Ernsthafte Sorgen zur Eigenwasserversorgung seien aufgekommen und der Baudenbacher Wald habe gewaltig gelitten. Deshalb könne man nicht mehr warten, bis der Letzte kapiert habe, dass der Klimawandel jetzt schon Schäden hinterlässt und man handeln müsse.

Ein „Leuchtturmprojekt” in Bayern

Vielmehr müsse jede Gemeinde ihren Beitrag leisten. Im Steigerwald hätten sich dafür gleich sechs Kommunen zusammengeschlossen. Diese Bürgermeister oder ihre Stellvertreter waren bei allen drei Veranstaltungen zugegen, der Zusammenschluss gilt als vorbildlich. Auch deshalb werde das Vorhaben als „Leuchtturmprojekt” in Bayern bezeichnet.

Der Scheinfelder Stadtchef hob die Lage des Landkreises neben dem trockensten in Bayern (Kitzingen) hervor. „Wir spüren den Klimawandel mehr als andere.” Nach seinen Worten gebe jeder Mensch in Deutschland im Schnitt rund 1000 Euro für Öl und Gas aus – aufgrund der aktuellen Spritpreise werde es heuer noch mehr sein. „Sauer verdientes Geld, das irgendwo hingeht”, betonte Seifert.

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Das sei mit dem Bürgerwindpark Steigerwald, wo fossile Energien keine Rolle mehr spielen, nicht mehr so. Die Frage sei nicht, ob die Windenergieanlagen gebaut werden, sondern wer sie in den vom Staat festgelegten Vorranggebieten baut. Der gewünschte Investor solle die Wertschöpfung vor Ort ermöglichen. So jemanden habe man mit der Naturenergie Zeilinger aus Markt Erlbach an der Hand.

200 Millionen Investitionssumme

Wie nun die Bürgerbeteiligung aussieht, erläuterte Katrin Held, Geschäftsführerin der Naturenergie Zeilinger. Die Investitionssumme liege bei 200 Millionen Euro. Davon würden zehn bis 20 Prozent Eigenkapital benötigt. Falls diese nicht zustande kommen, beteiligen sich die Gemeinden. Aber Held betonte selbstbewusst: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir das Eigenkapital erreichen.” Die rechtlichen Vorgaben hatte zuvor ihr Vater Reinhold Zeilinger, ebenfalls Geschäftsführer, erläutert.

Am Beispiel der Anlagen in Flachsladen und am Enzlarer Berg gab sie die Erfahrungen aus zehn Jahren zum Besten. Anhand von vielen Zahlen legte die ausgebildete Bankerin außerdem dar, dass eine Beteiligung an den Bürgerprojekten für die Anleger auch bei schlechten Windjahren erträglich war.

Die zu gründende Gesellschaftsform nenne sich „Bürgerwind Steigerwald GmbH & Co.KG”. Bei einer Kommanditbeteiligung (ab 10.000 Euro möglich) bestehe die Laufzeit über 20 bis 30 Jahre beziehungsweise über die gesamte Betriebsdauer. Die durchschnittliche Rendite liege bei sechs Prozent, jährlich erfolge die Ausschüttung aus dem Gewerbebetrieb, hieß es. Als Kommanditist sei man direkt mit Mitspracherecht am wirtschaftlichen Erfolg des Bürgerwindparks beteiligt.

Mehrere Möglichkeiten der Beteiligung

Eine Schwarmfinanzierung sei bereits zwischen 250 und 25.000 Euro möglich. Die Laufzeit umfasst ebenfalls die gesamte Betriebszeit. Ein Festzins in Höhe von 3,75 Prozent und ein Bonus seien garantiert. Die Schwarmfinanzierung sei unkompliziert und ideal als erste Beteiligung und als Geschenk für die nächste Generation geeignet.

Als Drittes gebe es einen Klimasparbrief mit fester Laufzeit als klassische, konservative Sparform, die auch für Kinder und Enkelkinder sinnvoll sei. Die letzte Möglichkeit sei eine Bürgerenergiegenossenschaft als indirekte Form. Die Bürgerbeteiligung ist ab diesem Herbst geplant. Anfang 2028 sollen sich die ersten Windenergieanlagen bereits drehen.

Steigerwäldler haben ein Vorrecht

Die Fragen, die in der Scheinfelder Wolfgang-Graf-Halle auftauchten, gingen ins Detail. Wie erfolgt der Rückbau? Dazu berichtete Held von den Erfahrungen in Untermerzbach. Der überwiegende Teil der Fragen drehte sich um Beteiligungsthemen: Kann man seinen Anteil vererben oder verkaufen? Muss man für eine Schwarmbeteiligung volljährig sein? Wie sieht das Mitbestimmungsrecht für die Kommanditisten genau aus?

Wer Interesse an einer Beteiligung hat, kann sich nun registrieren lassen. Flyer mit QR-Code lagen auf den einzelnen Stühlen. Die Registrierung ist noch nicht verbindlich, sondern erfasse erst einmal die Personen, die weiter informiert werden wollen, und dient einer ersten Kalkulation. Die Zeichnung komme erst später. Jetzt wird die Bürgerbeteiligung erst einmal von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, geprüft. Die Bürgerinnen und Bürger in den sechs Windpark-Steigerwald-Gemeinden haben ein Vorrecht bei dieser Eigenkapitaleinbringung.

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