Im 250-Seelen-Ort Lohr steht ein Gotteshaus mit Platz für 380 Menschen. Warum das so ist, wird bei Führungen erklärt, die für das Gebäude angeboten werden. Es gibt in der Region noch weitere Dorfkirchen, die zertifizierte Ehrenamtliche gerne Gästen zeigen. Aufgelistet sind sie in einer Broschüre, die jetzt in Lohr vorgestellt wurde.
„Ich lade Sie in meine Kirche ein” lautet der Titel des 40 Seiten umfassenden Hefts, das vom Verein Bildung evangelisch zwischen Tauber und Aisch herausgegeben wurde. Technische, inhaltliche und vor allem auch finanzielle Unterstützung leistete die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Region an der Romantischen Straße.
Aufgenommen wurden in das Druckwerk Informationen zu jenen Gotteshäusern, für die inzwischen vor Ort Führungen mit eigens dafür ausgebildeten Frauen und Männern gebucht werden können. Im Dekanat Rothenburg sind das neben den Rothenburger Gotteshäusern St. Jakob, St. Wolfgang sowie der Franziskanerkirche die Dorfkirchen in Detwang, Leuzenbronn, Windelsbach und eben in Lohr. St. Kilian in Geslau (Dekanat Leutershausen) ist ebenfalls dabei.
Weil der Verein „Bildung evangelisch” mit Sitz in Rothenburg die Nachbardekanate Uffenheim, Bad Windsheim und Neustadt in Sachen Erwachsenenbildung mit abdeckt, sind auch aus den dortigen Einzugsgebieten Kirchen eingetragen, für die Führungen angeboten werden können, darunter jene in Reusch, Ippesheim, Ipsheim und Ergersheim. Insgesamt 23 Gotteshäuser, für die ausgebildete Guides zur Verfügung stehen, landeten so in der Broschüre.
Gedruckt wurden davon 3000 Exemplare. Die Broschüre ist ab sofort kostenlos über Bildung evangelisch erhältlich und liegt auch schon in beteiligten Kirchengemeinden aus. Wer sie aufschlägt, findet darin bei jedem darin aufgelisteten Gotteshaus Angaben und Kontaktinformationen zu der Person, die dort eine Kirchenführung anbietet. Um die Angebote für Ausflugsgruppen interessant zu machen, die ein Zusatzprogramm suchen, gibt es Empfehlungen für weitere im Ort oder in der Umgebung mögliche Aktivitäten.
Bei der Vorstellung des Hefts in der Lohrer Ägidius-Kirche dankten Erwachsenenbildnerin Maria Rummel und Religionspädagoge Philipp Fiedler, die für Bildung evangelisch zum Projektteam gehörten, der LAG-Geschäftsstelle für die Unterstützung. Mitarbeiterin Sandra Lieb habe da mit ihrer Kompetenz in Sachen Mediengestaltung tolle Arbeit geleistet, erklärten sie.
Die Broschüre stehe für den Erfolg der Initiative, Menschen, die für ihre Heimatkirche brennen, dazu zu bringen, tiefer einzusteigen und etwas daraus zu machen, so Philipp Fiedler. Die von ihnen angebotenen Führungen seien ein echter Mehrwert vor die Gemeinden vor Ort, gerade in Zeiten, in denen immer mehr Menschen ihren Kirchenaustritt erklärten.
Maria Rummel bestätigte das. Gotteshäuser seien nicht nur Gottesdienstorte, sondern hätten für die Menschen ein viel weitergehende Bedeutung. Diese für Einheimische oder Gäste nachvollziehbar zu machen, dafür seien die ehrenamtlichen Guides ausgebildet. Natürlich gehe es da um Spiritualität, aber eben auch um Anekdoten von früher rund um die Kirchen oder um bauliche Besonderheiten, die unterhaltsam erklärt würden. „Wir wollen die Menschen mit dem Glauben in Verbindung bringen, ohne sie bekehren zu wollen”, erklärte Maria Rummel.
LAG-Vorsitzender Herbert Lindörfer und LAG-Geschäftsführerin Pia Grimmeißen-Haider lobten die Initiative. Kirchengebäude hätten vielleicht gerade in diesen unruhigen Zeiten das Zeug, als Bezugspunkte und Orte der Identität wieder wichtiger zu werden. Dafür brauche es leidenschaftliche Menschen, die selber eine tiefe Verbindung zu diesen Orten hätten und die Geschichten auch überzeugend erzählen könnten, meinte Lindörfer. Solches ehrenamtliches Engagement zu fördern, sei ein Hauptanliegen der LAG.
Wie Gabriele Straßer ihre Führungen durch die Lohrer Kirche gestaltet, nämlich ziemlich spontan, kenntnisreich, was die Baugeschichte und Ausstattung angeht, und das Ganze garniert mit witzigen Details, wurde dann auch noch deutlich. Sie verbinde mit dieser Kirche einfach sehr viele persönliche Erinnerungen: „Ich bin ein echter evangelischer Mensch. Da redet man halt gern miteinander.”