Ein Handballfest hat Neustadt am Mittwochabend in der Markgrafenhalle gefeiert. Wann kommt es schon einmal vor, dass zwei Olympioniken für jedermann nahbar werden? Nur dann, wenn der Bundesliga-Club HC Erlangen für ein Testspiel gastiert. Auch wenn der Gegner Elbflorenz Dresden siegte, wird es für die Neustädter ein unvergesslicher Tag bleiben.
„Für uns als Veranstalter war es ein voller Erfolg“, sagt Ramona Frank, Vorsitzende des HC Neustadt, noch immer spürbar euphorisiert, „auch wenn es mit dem Sieg für den HC Erlangen nichts wurde, was sehr schade ist.“ Die 550 Zuschauer erlebten ein 44-Tore-Spektakel, letztlich siegte der Underdog, der Zweitligist aus Dresden mit 24:20. Für Erlangen-Trainer Johannes Sellin ist vor dem Bundesliga-Auftakt nächste Woche also noch einiges zu tun.
„Wir haben für die Rahmenbedingungen sehr viel Lob von den Erlangern und Dresdnern bekommen, was einem sehr gut tut“, freut sich Ramona Frank. Rund 30 Helfer waren im Einsatz, um das Handballfest zu ermöglichen, „wirklich tolle Helferinnen und Helfer“. Ein buntes Rahmenprogramm mit mobiler Eisdiele, Glücksrad und den beiden Mannschaftsbussen als beliebte Fotomotive rundeten den Tag ab.
Aber wie kam es überhaupt dazu, dass ein Bundesligist für ein Testspiel gegen einen Zweitligisten in der Markgrafenhalle aufläuft? Der HC Erlangen hat seit geraumer Zeit eine Kooperation mit dem SV Puschendorf – und eben jener Verein hatte eine Aktion beim HC Erlangen gewonnen. Das Problem: Puschendorf hat für ein solches Spektakel keine geeignete Halle. Da die Neustädter Markgrafenhalle alle Auflagen erfüllt, fragten die Puschendorfer an.
Apropos Auflagen: „Wir waren vorher intensiv in Kontakt mit beiden Vereinen“, sagt Ramona Frank. Getränke mussten gestellt werden, ein Schiedsrichtergespann und Kampfrichter organisiert werden. Aber da kommt dem HC Neustadt eine Doppel-Personalie gerade recht: Mit den Cesinger-Brüdern finden sich zwei international erfahrene Kampfrichter in den eigenen Reihen, die auch schon bei Welt- und Europameisterschaften im Einsatz waren.
Dass das Duo das Kampfgericht für das Testspiel übernimmt, fand da der Verband nur folgerichtig und stimmte zu. „So mussten wir niemanden einfliegen lassen“, so Frank.
Das wirkliche Highlight des Abends aber folgte eigentlich erst nach dem sehenswerten Spiel: eine Autogrammstunde samt Eintrag ins Goldene Buch. „Beide Mannschaften sind dageblieben und waren wirklich nahbar“, freut sich die HC-Neustadt-Vorsitzende. „Das ist für uns als kleiner Verein natürlich ein unvergessliches Erlebnis.“ Die Kinder haben sich Bälle, Trikots und Autogrammkarten signieren lassen und eifrig Fotos mit den Stars geschossen.
Christoph Steinert, noch vor wenigen Wochen für die deutsche Handball-Nationalmannschaft auf dem Olympia-Parkett in Paris unterwegs, hatte sein silbernes Souvenir mit nach Neustadt gebracht. Die Kinder und Jugendlichen durften die Medaille anfassen, fotografieren, live erleben.
„Da war mega Betrieb. Das sind schon Idole“, sagt Frank. Schließlich sind die Erlanger der einzige Handball-Bundesligaverein weit und breit. Und mit Torwart Klemen Ferlin spielte in der Markgrafenhalle ein weiterer Olympia-Teilnehmer, auch wenn die Slowenen nur die Holz-Medaille für Platz vier errangen.
War das Gastspiel des HC Erlangen eine einmalige Gelegenheit? Ramona Frank gönnt sich eine kleine Denkpause. „Bis jetzt hat noch niemand für einen zweiten Termin angerufen.“ Denkbar wäre das aber schon. Die Erlanger Verantwortlichen sahen in dem Testspiel am Mittwoch durchaus eine Art Probelauf, ob sich die Kreisstadt nicht für weitere Partien eignen würde.
Denn, so betont die Neustädter Vorsitzende: „In der Metropolregion Nürnberg gibt es gar nicht so viele geeignete Hallen.“ Ein weiterer Abend mit Bundesliga-Handball – wenn auch nicht im Ligabetrieb – ist also keineswegs ausgeschlossen. Der erste Erlanger Härtetest hat aber schon jetzt Spuren für die Ewigkeit in Neustadt hinterlassen.
Bürgermeister Klaus Meier und Landrat Dr. Christian von Dobschütz schlugen nach dem Spiel das Goldene Buch der Stadt auf. Vize-Olympiasieger Christoph Steinert machte den Anfang, alle Erlanger und Dresdner Elbflorenzer folgten. Frank durfte sich ebenfalls verewigen: „Das war auch für mich etwas ganz Besonderes und eine Würdigung auch für unseren Verein.“ Zwei erfolgreiche Olympioniken hautnah kennenzulernen, das ist jedenfalls nicht alltäglich: „Das haben Sie sonst ja nirgendwo.“
Für die Neustädter Handballer ist das Gastspiel auf Topniveau jedenfalls große Motivation, „dass Bundesligavereine aufs Land kommen und in unserer Halle spielen. Ob wir das jemals wieder erleben, wissen wir nicht“, erklärt Ramona Frank. Willkommen sind die Erlangener in Neustadt auf alle Fälle jederzeit.