Das kleine Dorf, Herbolzheim, hat zwei Kirchen. Egal, ob man aus Osten oder Westen kommt – die beiden Kirchtürme prägen das Ortsbild unübersehbar. Noch bis einschließlich Montag, 7. Oktober, feiert der Markt Nordheimer Teilort Kirchweih. Das betrifft die beiden Gotteshäuser beider Konfessionen gleichermaßen.
Die jetzige evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Michael war freilich bis vor der Reformation katholisch. Die Kirche selbst ist im Jahr 1298 erstmals erwähnt. Das Patronat hatte zuletzt das Bistum Würzburg. Im Jahr 1562 wurde die Kirche im Rahmen der Reformation (1517) evangelisch. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wechselte mit den jeweiligen Kriegsherren mehrmals die Konfession.
1632 verlangte Bischof Philipp Adolf von Würzburg, dass alle Untertanen und Hausgenossen zur katholischen Religion zurückkehren oder auswandern sollten. Da sie Letzteres nicht wollten, gibt es bis heute Gläubige beider Konfessionen in Herbolzheim.
Während der Gegenreformation wurde das Gotteshaus gleichzeitig von beiden Konfessionen – von 1680 bis 1794 – genutzt, was in der Fachsprache als „Simultaneum“ bezeichnet wird. Nach einem 114-jährigen erbitterten Konfessionsstreit schlossen evangelische und katholische Kirchen einen dauerhaften Frieden.
Die Kirche wurde den evangelischen Christen und das Pfarrhaus den Katholiken überlassen. Dem evangelischen Pfarrer überließ man den schwarzenbergischen Zehntspeicher, der zum Pfarrhaus umgebaut wurde.
Alle Einwohner aber, ob katholisch oder evangelisch, wurden verpflichtet, gemeinsam eine Kirche zu bauen, die allein den katholischen Gläubigen gehören sollte. Deshalb gibt es seit 1798 zwei Kirchen in Herbolzheim. Ein jähes Ende bereitete beiden Kirchen der Zweite Weltkrieg: Beide Gebäude wurden am 12. April 1945 durch Bomben zerstört.
Bei der katholischen Pfarrkirche erfolgte der Wiederaufbau zunächst nur provisorisch. Dies hat sich am 25. September 1979 gezeigt. An diesem Tag stürzte die gesamte Decke auf die Einrichtung und den Fußboden herab, an einem Tag, an dem man versuchte, diese zu reparieren. Die Ursache war wohl ein holzwurmiger Querbalken, an dem die Decke mit befestigt war.
Danach wurden die Decke und die Einrichtung erneuert. Die vielen Außenrenovierungen seit 1991 wurden dann mit dem heutigen farbigen Anstrich beendet.
Von der evangelischen Kirche St. Michael blieben am 12. April 1945 nur ein Teil der Außenmauern und der Chorbogen mit der Aufschrift „Ein feste Burg ist unser Gott“ stehen. Nach Kriegsende wurde die Kirche wieder aufgebaut. Aufgrund der Substanzschäden erfolgte 1986 die Außenrenovierung.
Die Innenrenovierung mit Ausbau der alten Theaterorgel im Jahr 1987 brachte neben Reparaturarbeiten auch einen neuen Deckenanstrich (ohne Sterne) und eine Chorbestuhlung. Die neue Orgel wurde nach einer zehnjährigen Übergangslösung mit einer kleinen Orgel im Juni 1997 eingebaut.
Eine Besichtigung der beiden jeweils denkmalgeschützten Michaelskirchen ist nach Absprache mit den Gemeindedienern möglich.