Die evangelische Kirche hat es nicht leicht: Mitglieder treten aus, das Geld wird knapp. Und die Entscheidungen, die infolgedessen getroffen werden, rufen oftmals Unmut hervor. Ein Beispiel dafür findet sich aktuell in Münchsteinach.
Hier hat die Kirchengemeinde vom Freistaat Geld für die Baulast des Pfarrhauses erhalten, das nun allerdings im Nachbarort Gutenstetten investiert werden sollen. Die Folge? Aufgebrachte Kirchenmitglieder, zwei Austritte und eine Unterschriftenaktion. Dabei geht es den Protestierenden offenbar allerdings nicht um den Sachverhalt an sich, sondern in erster Linie, wie diese Entscheidung zustande kam und kommuniziert wurde.
Worum es konkret geht: Der Freistaat Bayern hatte die beiden Pfarrhäuser in Münchsteinach und Gutenstetten mit jeweils 150.000 Euro aus der staatlichen Baulast ausgelöst und das Geld der Kirchengemeinde Münchsteinach-Gutenstetten-Reinhardshofen zur Verfügung gestellt. Während die Sanierung des Pfarrhauses in Gutenstetten einer zwei Jahre alten Kostenschätzung zufolge rund 1,1 Millionen Euro kosten soll, war das Münchsteinacher Pendant schon vor Jahren energetisch saniert worden und ist seitdem vermietet.
Tatsache ist, dass das vom Freistaat zur Verfügung gestellte Geld, nicht zweckgebunden war. Es hätte für Münchsteinacher Anliegen verwendet werden können. Beispielsweise wird zuweilen auf die Sanierung der Münsterklause gehofft. Doch der Kirchenvorstand entschied mehrheitlich, es für die Sanierung des Gutenstettener Pfarrhauses zur Verfügung zu stellen, zumindest 120.000 der 150.000 genehmigten Euro.
Allerdings fiel die Abstimmung, die nicht-öffentlich stattfand, im ersten Anlauf nicht eindeutig aus: Beim Votum im Oktober lautete das Ergebnis drei zu drei, erst im zweiten Versuch im November hieß es dann vier zu drei pro Gutenstetten.
Das Vorgehen stieß bei zwei jener Kirchenvorstandsmitglieder aus Münchsteinach, die bei besagter Abstimmung zu den Verlierern gezählt hatten, dennoch weiterhin auf wenig Gegenliebe: Im Zuge der bayernweiten Kirchenvorstandswahlen im vergangenen Herbst kandidierten sie nicht mehr und traten stattdessen sogar aus der Kirche aus. Diesen Schritt bestätigten sie gegenüber der Redaktion, wollten aber keine weitere Stellungnahme abgeben.
Im Januar dann folgte eine Aussprache zwischen Pfarrer Sebastian Schultheiß, der für Münchsteinach, Gutenstetten und Reinhardshofen zuständig ist, mit Kirchenvorstandschaft und Kirchengemeinde.
Doch auch diese Aussprache ließ aus Sicht etlicher Münchsteinacher noch zu viele Fragen offen und zwei prominente Bürger der Gemeinde ergriffen die Initiative: Ex-Bürgermeisterin Ursula Schenke und Dr. Erich Zimmermann schrieben dem Pfarrer einen Brief, in dem sie mangelhafte Kommunikation beklagten und den Sinn der Investition in das Gutenstettener Pfarrhaus in Zeiten klammer Kirchenkassen anzweifelten. Statt daran festzuhalten, sei ein neuer Beschluss herbeizuführen.
Daraufhin äußerte sich Pfarrer Schultheiß ebenso per Brief. Die Forderung nach einer neuen Abstimmung empfinde er „in Verbindung mit Polemik und unterschwelligen Drohungen […] als unangemessen“. Weiter heißt es – analog zu seiner Antwort auf eine Anfrage unserer Redaktion: „Den Kirchenvorständen fiel die Entscheidung sehr schwer, einen Großteil der Ablösesumme der staatlichen Baupflicht vom ehemaligen Münchsteinacher Pfarrhaus [in Gutenstetten] einzubringen. Dafür hatten wir andere Vorstellungen und Pläne entwickelt – letztlich ist es aber die richtige Entscheidung für die Zukunft in der Region“ schrieb er.
Im weiteren Verlauf gab sich Schultheiß allerdings auch versöhnlich. Es sei für ihn mehr als verständlich, dass einige Gemeindeglieder über diese Perspektive kirchlicher Arbeit enttäuscht seien. „An kirchlichen Immobilien landauf-landab hängen immer viele Emotionen und Veränderungen sind oft schmerzlich. So ist es auch in Münchsteinach. Wichtig ist aber eben auch, dass hier gute Entscheidungen für die Zukunft getroffen werden. Ein bloßes Festhalten an Gewohntem, bis das Geld aufgebraucht ist, ist nicht unsere Idee von Zukunftsplanung“, so der Pfarrer.
Die Wogen glätten konnte der Geistliche damit jedoch nicht. Vergangene Woche starteten Ursula Schenke und Dr. Erich Zimmermann eine Unterschriftenaktion in Münchsteinach. Wortwörtlich heißt es in deren Anschreiben: „Selbstverständlich akzeptieren wir Entscheidungen unseres Kirchenvorstandes, aber es muss die Chance bestehen, dass die Themen vorher in der Gemeinde diskutiert werden.“
Die Kritik der beiden Initiatoren zielt demnach auf die Vorgehensweise ab: Ursache für den Unmut und den Unfrieden seien nicht etwa „Dummheit, Aufmüpfigkeit oder Egoismus einiger Gemeindeglieder, sondern fehlende Transparenz und fehlende Kommunikation seitens des Dekanats und seitens des Pfarramtes“. Das Ziel der beiden: Sie „sehnen sich danach, die ganze Angelegenheit betreffend der Kirchengemeinde Münchsteinach nochmals aufzurollen und öffentlich zu diskutieren und erst danach eine öffentliche Entscheidung des Kirchenvorstandes herbeizuführen“.
Ob es dazu kommen kann? Das wird unter anderem auch das zuständige evangelisch-lutherische Dekanat mit Sitz in Neustadt entscheiden müssen: „Ich habe Verständnis und Empathie für die Meinung einiger Mitglieder der Kirchengemeinde in Münchsteinach, die diese Entscheidung nicht mittragen“, erklärt Dekanin Ursula Brecht auf Nachfrage der Redaktion. „Wir wissen nicht, ob wir immer die richtigen Entscheidungen treffen. Aber wir treffen sie nach bestem Wissen und Gewissen.“ Die Entscheidung zugunsten der Verwendung der finanziellen Mittel in Gutenstetten habe sich „niemand leicht gemacht“.
Wenngleich die Situation beileibe nicht alle zufrieden stelle, sei die Kirche ein Beispiel dafür, wie Gesprächskultur funktioniere: „Gemeinsame Gespräche und Verständnis für die Meinung anderer funktionieren bei uns“, sagt Brecht. „Die Mitglieder der Kirchenvorstandschaft arbeiten sich in die Thematik ein und bleiben in Gesprächen“, verspricht sie.
Allzu große Hoffnungen, dass in Münchsteinach vielleicht irgendwann wieder mehr in die kirchlichen Gebäude vor Ort investiert wird, sollten sich die Münchsteinacher allerdings wohl eher nicht machen. Aus der Stellungnahme der Dekanin nämlich geht hervor, dass die Situation in vielen Gemeinden aktuell ähnlich ist.
„Dieses Haus hat Zukunft.“
„Wir wissen als Kirche sehr genau, dass wir einen Großteil von Gebäuden nicht weiterführen können. Wichtiger Bestandteil unserer Politik für die Zukunft wird es sein, dass wir uns von großen Teilen unseres Gebäudebestands trennen müssen“, erklärt Brecht. Als Beispiel führt sie das Dachsbacher Pfarrhaus an, das vor Jahren schon veräußert wurde. „Wir müssen uns überlegen, welche Gebäude mit Unterstützung der Landeskirche erhalten werden.“
Für die Kirchengemeinde Münchsteinach-Gutenstetten-Reinhardshofen heißt das: Das Pfarrhaus in Gutenstetten soll saniert werden und zukünftig dem Pfarrer der Gesamtgemeinde Heimat bieten. „Dieses Haus ist eines der ganz besonderen Pfarrhäuser in Bayern. Zudem ist es außergewöhnlich, dass wir für eine Pfarrhaussanierung große finanzielle Unterstützungen erhalten – sowohl von der Landeskirche als auch vom Landtag“, betont Brecht. „Dieses Haus hat Zukunft.“
Angst davor, durch die womöglich bald häufig auftretenden Pfarrhaus-Diskussionen mürbe zu werden, hat die Verantwortliche des Dekanats Neustadt nicht. Im Gegenteil: „Wir haben hier gutes kirchliches Leben. Es wird weitergehen, wir werden neue und gute Wege finden“, betont sie. Und ergänzt: „Uns sind die Menschen und die Botschaft wichtiger als Steine.“