Weit über 300.000 Menschen leben in dem Gebiet, das die Integrierte Leitstelle für den Rettungsdienst und die Feuerwehralarmierung (ILS) betreut – mit steigender Tendenz. Immer häufiger wählen sie den Notruf. Entsprechend großzügig wurde der Neubau der ILS im Ansbacher Stadtteil Brodswinden dimensioniert.
Ende nächsten Jahres soll der imposante Bau in Betrieb gehen. Das Projekt ist nach wie vor im Zeit- und Kostenplan, versicherte Sachgebietsleiter Martin Fellner vom Landratsamt Ansbach, das den Bau betreut. Neben dem Landkreis gehören die Stadt Ansbach und der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung an.
Bei einer Baustellenführung konnten die Mitglieder der Zweckverbandsversammlung zum ersten Mal einen Blick durch die riesigen Panoramafenster werfen, durch die die Disponenten künftig aus dem Leitraum auf die Landschaft blicken werden. Sie sollen optimale Arbeitsbedingungen bekommen, damit sie an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden lang ihrer Aufgabe konzentriert nachkommen können.
Angesichts des stetig steigenden Anrufaufkommens wurden bereits Vorkehrungen getroffen, um den Leitraum später erweitern zu können. Von einem Besprechungsraum aus können nach der Fertigstellung Besuchergruppen die Arbeit in der Leitstelle verfolgen. Ansonsten werden hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um Unbefugte fernzuhalten.
Die momentan noch mit Gerüsten versehene Fassade wird im unteren Bereich mit Betonplatten verblendet und oben mit Lärchenholz-Paneelen. Klimatisiert wird die ILS durch eine Heiz-Kühl-Decke. Ein Lüftungssystem steht als Reserve bereit, damit auch bei Störungen weiter gearbeitet werden kann. Im EDV-Bereich stehen bereits die Sockel für die Serverschränke. Da das Gebäude inzwischen geschlossen ist, kann im Winterhalbjahr der Innenausbau vorangetrieben werden.
Weitgehend fertig ist das Flachdach, das begrünt und mit einer Photovoltaikanlage versehen wird. Da man mittlerweile einen Ausschreibungsstand von 95 Prozent erreicht habe, bestehe bei dem Projekt eine „sehr große Kostensicherheit“, erklärte Jürgen Lößlein, Leiter der Abteilung für Bauen und Schulen, bei der Sitzung der Zweckverbandsversammlung im Landratsamt.
Die steigende Zahl von Einsätzen des Rettungsdienstes führt zu einem erhöhten Personalbedarf in der Leitstelle, informierte Geschäftsführer Thomas Müller. In einem aktuellen Gutachten wurde ein Mehrbedarf von insgesamt 9,5 Stellen ermittelt. Rund 33 Stellen (bisher 31) entfallen auf die Disponenten sowie rechnerisch zwei weitere, die sich auf 15 geringfügig Beschäftigte verteilen. Sie kommen in besonderen Fällen zum Einsatz, wenn die normale Kapazität der ILS nicht reicht.
Die restlichen 11,5 Stellen verteilen sich auf Leitungspositionen, die IT, sowie Spezialaufgaben wie die Lehre oder das Qualitätsmanagement. Mit diesem Bedarf geht der Zweckverband nun in die Verhandlungen mit den Sozialversicherungsträgern. Sollten Personalkosten übrig bleiben, die nicht von den Krankenkassen übernommen werden, trägt diese der Verband.
Der entsprechende Beschluss fiel allerdings nicht einstimmig. Dr. Markus Bucka als Vertreter der Stadt Ansbach plädierte dafür, den Beschluss zu verschieben und stellte in Frage, ob angesichts der Ebbe in den kommunalen Kassen tatsächlich eine 20-prozentige Personalsteigerung erforderlich ist. In der Abstimmung fand Bucka aber nur einen Mitstreiter. Jetzt wird die Herausforderung sein, in den nächsten Monaten genug Fachkräfte auf dem weitgehend leer gefegten Arbeitsmarkt zu finden.
In der Sitzung wurde zudem Dr. Christian von Dobschütz, der neue Landrat des Landkreises Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, einstimmig zum weiteren stellvertretenden Vorsitzenden des Zweckverbands gewählt. Bisher hatte sein Vorgänger Helmut Weiß dieses Amt inne.