Totholz, alte Obstbäume, Blumenwiesen, Trockenmauern, Nisthilfen, heimische Stauden und Wasser. Dies sind einige der Elemente, die einen „vogelfreundlichen Garten“ ausmachen. Gut 200 davon gibt es im Landkreis Ansbach. Das Prädikat wurde nun auch dem „Hortus Insectorum“ von Markus Gastl verliehen.
Wer seinen Garten vogelfreundlich nennen darf, das entscheiden ehrenamtliche Gartenbewerter vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). Markus Gastl darf. Er begann vor 17 Jahren damit, aus einer „fetten Wiese“ von 7500 Quadratmetern am östlichen Ortsrand des Ehinger Ortsteils Beyerberg einen ungewöhnlichen Drei-Zonen-Garten zu gestalten.
Es gibt eine Pufferzone mit Gehölzen und Sträuchern, die das Gelände einrahmen und schädliche Einflüsse von außen abpuffern. Dazu verfügt der Garten über eine Hotspot-Zone als Vielfaltszentrum für Blumen und Kräuter, das somit Lebensmittelpunkt der Insekten und auch der Vögel ist. Und schließlich ist da eine Ertragszone, die Natur- und Landschaftsführer Gastl bis zur Verlegung seines Lebensmittelpunkts nach Herrieden für den Anbau von Gemüse nutzte.
In den Garten kommt nichts herein und auch nichts heraus, erläuterte er den Gartenbewertern beim Rundgang, alles ist im Kreislauf. Nur organisches Material aus der Hotspot-Zone kommt als Dünger in die Ertragszone. Damit erfüllte diese Gartenanlage eines der Ausschlusskriterien, erläuterte Manuela Sand, ehrenamtliche Mitarbeiterin der LBV-Kreisgruppe Ansbach, vor der Gartenbewertung.
Pestizideinsatz, Mähroboter oder Laubbläser, Verwendung von Unkrautvlies mit Kies- oder Rindenmulchabdeckungen und unnötige Bodenversiegelungen sind die vier Ausschlusskriterien, wovon zwei für die Einstufung als vogelfreundlich eingehalten werden müssen. Ebenso müssen zwei von vier Muss-Kriterien wie Insektenvielfalt, Früchte- und Samenstände, genügend Nistmaterial und „wilde“ Ecken erfüllt sein. Davon hat Markus Gastl genügend.
Wie rund 200 weitere Gärten im Landkreis Ansbach. Seit zwei Jahren wird diese Bewertung durchgeführt. Bei einer Zwischenbilanz Mitte 2023 hatten die mittlerweile 20 ehrenamtlichen Gartenbewerter das Prädikat an 102 Gärten in der Stadt Ansbach und im Landkreis Ansbach verliehen. In diesem Jahr könnte laut Manuela Sand die 200er-Grenze erreicht werden.
Bei dem vom LBV und dem Bayerischen Artenschutzzentrum im Landesamt für Umwelt (LfU) initiierten Projekt wurden im Freistaat bislang über 3850 Gärten ausgezeichnet. Nahezu alle Kriterien wie ein „Käferkeller“ als Rückzugsraum, Wasserstellen, Trockenmauern, Stein- und Reisighaufen, Nisthilfen, ein Sandarium für erdnistende Wildbienen oder überwiegend heimische Pflanzenarten im Garten erfüllte Gastls Refugium.
Vogelarten wie Neuntöter, Baumläufer, Schnepfe oder Zaunkönig habe er schon gesichtet, berichtete er. Vielfalt sei das entscheidende Kriterium für einen vogelfreundlichen Garten, betonte auch Carola Bria vom Projektteam vogelfreundlicher Garten des LBV in Hilpoltstein. Sie konnte nach der erfolgreichen Gartenbewertung Markus Gastl auch als neues Mitglied beim LBV gewinnen.
Für LBV-Mitarbeiterin Manuela Sand sei die Größe eines Gartens für das Prädikat vogelfreundlich nicht entscheidend. In Ansbach habe sie Gärten mit 150 Quadratmeter auszeichnen können und berichtete von einem netten Erlebnis. Zwei benachbarte Gärten haben den Zaun abgebaut, damit Igel das Gelände durchstreifen können.