Frieda und Hans Beck sind heute auf den Tag genau 70 Jahre lang verheiratet. Sie würde sich das Ja-Wort sofort wieder geben, auch wenn es auch manchmal Meinungsverschiedenheiten hab. Das sei völlig normal in einer Ehe, wussten beide aus Erfahrung.
Am 9. September 1955 hatten die beiden in der Klosterkirche Birkenfeld geheiratet. Und das Geheimnis für diese so lange offenbar ausgezeichnet funktionierende Ehe? „Toleranz”, sagen die beiden. „Wir sind immer gut ausgekommen, auch wenn es, wie überall, auch mal zu Meinungsverschiedenheiten kam.”
840 Monate, 23.741 Tage, 569.790 Stunden und über zwei Milliarden Sekunden sind sie ein Ehepaar und haben es noch keine einzige Sekunde bereut. Hans Beck lacht, als er die Zahlen, die auf einem Holztäfelchen stehen, vorliest. Frieda (91) und Hans (92) feiern heute ihre Gnaden- oder auch Platinhochzeit – ein durchaus seltenes Jubiläum.
Kennengelernt hatten sie sich „auf Musik am Tanzboden”, in Herbolzheim, dem Heimatort von Frieda Beck. Ihr angetrauter Hans ist im ganzen Landkreis und darüber hinaus als Musikant bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund”. Über Jahrzehnte hinweg gab er auf sämtlichen Kirchweihen mit Saxophon, Klarinette oder der Trompete den musikalischen Ton an.
Gekannt hatte Hans Beck seine Frieda zumindest vom Sehen schon länger. Sie gefiel ihm. Bei der Herbolzheimer Kerwa machte er dann Nägel mit Köpfen und gestand ihr seine Zuneigung. An Ostern 1955 verlobten sich die beiden und fünf Monate später läuteten die Hochzeitsglocken. Gefeiert wurde daheim in Oberroßbach. Mit dem Motorrad holte der Bräutigam früh vor dem großen Fest die Köchin ab, die das Festmahl zubereitete, erinnert er sich noch sieben Jahrzehnte später.
Hans Beck spielt mehrere Instrumente, begonnen hatte er einst mit der Trompete. Er machte eine Lehre als Musiker bei Karl Stumptner in Neustadt, die Instrumente hatte er von seinem Vater geerbt, der im Krieg gefallen war. Sein Musiklehrer hatte ihm ein Studium in München empfohlen, doch als seine Mutter überraschend starb, musste er zu Hause bleiben, den Hof übernehmen sowie seine Oma und den fünf Jahre jüngeren Bruder versorgen.
Durch die Musikantentätigkeit ihres Mannes musste Frieda viele Abende alleine verbringen, doch hatte sie immer Verständnis für ihren Gatten und seine Liebe zur Musik.. „Ich hab Kunststricken gelernt und mich um die Kinder sowie Haus und Garten gekümmert”, erzählt sie. „Aber jede hätte das nicht mitgemacht.” Denn auch unter der Woche gab er abends nach seiner Arbeit bei Franken Brunnen noch Unterrichtsstunden und leitete Chöre.
Die Becks bauten 1960 in Oberroßbach ein Haus, in dem die beiden bis heute leben. Im großen Garten wachsen viele Obstbäume, die regelmäßig geschnitten werden müssen. Nach der Ernte kocht Frieda Marmelade und es wird Saft gepresst. Auch einen Wald haben die Becks noch zu bewirtschaften. Hans Beck ist dann mit dem Traktor unterwegs, um Holz zu machen. Beim Fällen der Bäume helfen die Söhne. Einer lebt in Diespeck, der andere in Biberach und hat promoviert, erzählen die Becks nicht ohne Stolz.
Hans Beck genießt es, nun endlich etwas mehr Zeit mit seiner Frieda zu verbringen. Nach 70 Jahren „Musik machen” sei es dann doch genug gewesen, bekennt er. „Es ist schön, keine Termine mehr zu haben.” Heute besuchen sie die Kirchweihen im Umkreis gemeinsam – ganz ohne Verpflichtungen..
Vergessen ist er allerdings nirgendwo. In Gerhardshofen zur Kirchweih beispielsweise haben die Ortsburschen und -madle eine „Ersatzkapelle” aufgetan, die unter der Bedingung engagiert wurde, dass das von Beck gedichtete Lied „Das Mädchen mit ihren acht Kindern” haargenau so zu spielen sei, wie es Hans Beck getan habe. Ein Ortsmadla hatte es bei Becks letztem Auftritt in der Aischgrundgemeinde aufgenommen und den Nachfolgern geschickt. Erst als die das Lied einstudiert hatten, wurden sie tatsächlich engagiert. Übrigens: Auch zum 350. Geburtstag der Brauerei Hofmann hat der „Beck´n Hans”, wie er überall genannt wird, extra ein Lied geschrieben, und eine Melodie dazu komponiert.