„Ich liebe es“, sagt Weinprinzessin Anne I. Sie steht im Schatten des schön sanierten Kirchturms von St. Nikolaus in Krassolzheim. Mehr als die Hälfte der acht Stationen Bremser-Wanderung hat sie hinter sich. Anne schaut zufrieden auf ihre gut gelaunte Gefolgschaft. Zum Federweißen reicht ein Teil der Dorfgemeinschaft kleine maisgelbe Blechkuchenstücke.
Die geführte Wanderung „Bremsergäste on Tour“ beginnt in Ingolstadt an der Friedenskirche. Das gleich dahinter liegende Weingut hat die Möglichkeit sich vorzustellen. „Noch nie war die Weinlese so bald wie heuer“, sagt Manfred Freimann. Er berichtet aber auch von guter Qualität und reichlich „Öchsle“ – also dem Zuckergehalt der Trauben. Anne I., Repräsentantin des Weinbauvereins Oberer Ehegrund, stellt sich vor, erzählt etwas über das kleine Ingolstadt mit seinem viel größeren Namensvetter, gibt Probierbecher aus; der erste Schluck Bremser bitzelt auf der Zunge.
Der Traktor zuckelt los; im Anhänger Sitzbänke, Weinflaschen, Mineralwasser, ein Lautsprecher (wird nicht gebraucht), stilvolle Gläser und jede Menge kleine Plastikbecher. Anfangs sind etwa 30 Leute mit von der Partie. Darunter Weinhoheiten aus der Region plus Uffenheimer Maienkönigin. Der Wahlkampf schwappt in den Oberen Ehegrund. Eine Gruppe der Jungen Union Mittelfranken, deren Sweatshirts das Motto tragen „anpacken statt ankleben“, läuft auch mit.
Der erste Halt findet ein paar Meter hinter dem Landschaftssee statt. Rechts liegen die Weinberge, Krassolzheim ist in Sichtweite (es sind ja eh nur gut zwei Kilometer). Die Sonne strahlt, die Menschen kommen ins Gespräch. Ein Ehepaar aus Böblingen reist seit 2002 immer wieder zur Bremserzeit in die Gegend, hat hier Freunde gefunden. Ein anderer hatte es nicht ganz so weit. Er wohnt jetzt in Höchstadt und schnuppert heute Heimatluft.
„Wie kann man zu Federweißen noch sagen?“ – „Rauscher“ schlägt eine der Weinprinzessinnen vor. „Also bei uns heißt es Bremser“, meint die Lokalmatadorin, mit bürgerlichem Namen Anne Gümpelein. Aber warum der Bremser „Bremser“ heißt, bleibt vorerst ungeklärt.
Die Wandergruppe ist in Krassolzheim angelangt, dem zweiten Halt bei Station 2, dem Weingut Gleiß & Hein. Hier gibt’s wahlweise Silvaner oder Rieslaner Spätlese zum Probieren. Im Hof und am Crêpes-Straßenverkauf duften feine Kleinigkeiten nach Herbstfest-Essen.
Weiter geht’s zum Weingut und örtlichen Gasthaus Düll (noch eine Weinprobe steht an). Die beiden Krassolzheimer Imker stellen ihre Arbeit vor. Am Dorfplatz wird Federweißer im Tonkrug ausgeschenkt, mit einem Stückchen Kuchen dazu.
Die Weinprinzessin wird nicht müde, auf die guten lokalen Produkte und den Reiz ihrer Heimat hinzuweisen. Sie ist glücklich, dass die Dorfjugend mit anpackt. Der elfjährige Maximilian Falk traut sich ein paar Begrüßungsworte zu sagen. Mit ihrer gewinnenden Art erläutert Anne I., was ein Angerdorf wie Krassolzheim kennzeichnet. „Es ist etwas Besonderes, dass hier alle Giebel der umstehenden Häuser zum Dorfplatz hinzeigen“. Offenkundig mag die Prinzessin ihr Dorf, wo sie im Weinhof Grosch aufgewachsen ist.
Natürlich gehört zu den Gesprächsthemen in der anwachsenden Gesellschaft, dass Franken jetzt sogar die Deutsche Weinkönigin stellt. Eva Brockmann aus einem Weinort bei Aschaffenburg wurde erst am 29. September zur obersten Weinbotschafterin gewählt. „Die Anne hätte auch das Zeug dazu“, meint eine der Damen, die am Dorfplatz zugehört haben. Das Lob bekommt „die Anne“ allerdings nicht mit. Zu sehr ist sie damit beschäftigt, sich ihren Gästen zuzuwenden. Hier ein Foto, da eine charmante Erläuterung.
Auf geht’s zu weiteren drei Stationen. Der Weg zum Weinberghäusle (etwa 15 Minuten) erscheint allerdings zu lange. Stehen beim Bremserfest doch eher der Genuss und nicht so sehr die geleisteten Kilometer im Vordergrund. Mehr als nur zwei ganze Dörfer scheinen auf den Beinen zu sein, um die vielen Besucher mit Leckereien aller Art zu verwöhnen. Und wer wissen möchte, wie die Vorstufe zur Vorstufe vom Wein schmeckt, kann auch Trauben kaufen.
Das Bremserfest begann am Samstagvormittag. Nach dem Ende der geführten Wanderung am Sonntag um 16 Uhr saßen die vielen Besucher noch bis zum Einbruch der Dunkelheit in den Höfen der Weingüter und genossen das spätsommerliche Wetter. Übrigens: Die Bremsertour im Oberen Ehegrund fand bereits zum 23. Mal statt.