Zum Gedenktag: Ein Rothenburger reinigt in seiner Heimatstadt die Stolpersteine | FLZ.de

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Veröffentlicht am 27.01.2025 19:00

Zum Gedenktag: Ein Rothenburger reinigt in seiner Heimatstadt die Stolpersteine

Eine Rose war am Montag noch da. (Foto: Margit Schwandt)
Eine Rose war am Montag noch da. (Foto: Margit Schwandt)
Eine Rose war am Montag noch da. (Foto: Margit Schwandt)

An den Stolpersteinen in der Stadt waren weiße Rosen niedergelegt. Der Rothenburger Dr. Stefan Kenn, der in den USA in New York City lebt, hat seiner Heimatstadt einen Besuch abgestattet und bei dieser Gelegenheit am Sonntag die Stolpersteine gereinigt und mit weißen Rosen an die vertriebenen Menschen erinnert.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt gewesen. Am Montag, 27. Januar, jährte sich der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die sowjetischen Soldaten zum 80. Mal.

Im Januar 1996 appellierte der damalige Bundespräsident Roman Herzog: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch zukünftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen.“ Herzog erklärte den 27. Januar zum zentralen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschloss 2005, den 27. Januar zum internationalen Holocaust-Gedenktag zu machen.

Dr. Stefan Kenn hat in den USA viele Freundinnen, Freunde und Mitarbeitende, die jüdischen Glaubens sind. Und er besitzt in Rothenburg ein Haus, in das er nach seinem Ruhestand einziehen möchte. Er wollte mit den weißen Rosen ein Zeichen setzen und an die jüdischen Menschen in Rothenburg erinnern.

Vertrieben und ermordet

In der Herrngasse 21 stand die ehemalige Synagoge. Davor sind vier Stolpersteine zu finden, direkt am Haus lagen vier weiße Rosen. Ida Wurzinger wurde 1872 geboren, ihre Familie zog 1875 nach Rothenburg in die Klingengasse. Sie wurde am 22. Oktober 1938 aus Rothenburg vertrieben, floh nach München und wurde von dort 1942 nach Theresienstadt deportiert. Am 18. Mai 1944 wurde sie in Auschwitz ermordet.

Am 10. Dezember 1868 wurde ihr Bruder Samson Wurzinger geboren. Er war Viehhändler und Synagogendiener. Nach der Aufgabe der Synagoge brachte er die Schlüssel des Hauses Herrngasse 21 zur Stadt Rothenburg und gab sie dort ab. Samson Wurzinger wurde ebenfalls am 22. Oktober 1938 aus Rothenburg vertrieben, zog nach Fürth und floh von dort aus nach München. Wie seine Schwester wurde er nach Theresienstadt deportiert, wo er im Alter von 75 Jahren getötet wurde.

Ein weiterer Stolperstein erinnert an Siegmund Lißberger. Er wurde am 21. März 1875 in Creglingen geboren und wohnte mit seiner Frau Bella, geborene Gummersheimer, in Rothenburg. Beide mussten die Stadt ebenfalls am 22. Oktober 1938 verlassen. Er wurde im Konzentrationslager Theresienstadt am 4. September 1942 getötet, seine Frau am 20. Oktober 1942.

Zehn Stolpersteine wurden im April 2013 in der Stadt verlegt. Mit ihnen sollten die Namen der Menschen, die im Nationalsozialismus vertrieben, deportiert und ermordet wurden, an den Ort zurückgebracht werden, wo die Menschen lebten.

Nur noch eine war da

Es findet sich noch ein Stolperstein in der Kirchgasse 1 für Jonas Gottlob, der 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und dort getötet wurde. In der Judengasse 22 gibt es zwei Stolpersteine: für Rosa und Siegfried Hamburger. Für Helene und Sigmund Fritz Kirschbaum sind zwei Stolpersteine in der Neugasse 34 aufgebracht worden. Helene Kirschbaum wurde 1941 in Kowno Fort IX ermordet, ihr Mann 1944 in Auschwitz. Das Schicksal von Siegfried Steinberger, der in der Oberen Schmiedgasse 15 wohnte, ebenfalls 1938 vertrieben und 1941 nach Riga deportiert wurde, ist unbekannt.

Für die Stolpersteine wurden Patenschaften von Bürgerinnen und Bürgern sowie Vereinen übernommen. Gunter Demnig, der Initiator des Projektes, sagte: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Am eigentlichen Holocaust-Gedenktag am Montag war nur noch eine einzelne Rose zu finden. Sie lag an den Stolpersteinen für Sigmund und Helene Kirschbaum. Alle anderen Rosen waren weg.


Von Margit Schwandt
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