Der Tag der offenen Tür ist im Raubtier- und Exotenasyl in Wallersdorf längst eine feste Einrichtung. Ein Großteil der Einnahmen wird über ihn generiert. Doch weil der Streit mit dem Vermieter nun eskaliert ist, musste am Wochenende der Tag der offenen Tür abgesagt werden.
„Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ An dieses Zitat aus der Feder Friedrich Schillers muss Manuel Buck seit ein paar Tagen vermehrt denken, wenn er auf den Grund der kurzfristigen Absage des Öffentlichkeitstages angesprochen wird. Im Fall des Raubtier- und Exotenasyls ist es allerdings nicht der Nachbar, der für Probleme sorgt, sondern der Vermieter, sagt Buck, der seit rund einem Jahr Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins ist.
Dabei soll der Streit zwischen dem Verein und dem Vermieter des Grundstücks samt Anlage am Ortsrand von Wallersdorf bereits seit vielen Jahren schwelen. Buck, der 2022 als ausgebildeter Tierpfleger in dem Asyl für exotische Tiere begann, bezieht sich dabei auf den Schriftverkehr mit dem Vermieter in einem Zeitraum von nunmehr 18 Jahren. „Seit 2007 wurden Drohungen und Nötigungen ausgesprochen.“
Bemerkenswert ist, dass der in Ansbach lebende Vermieter einst selbst Vorsitzender des Vereins war und bislang immer noch Mitglied ist. Doch Buck wirft ihm vereinsschädigendes Verhalten vor, weil er am Freitagabend in der vergangenen Woche kurzerhand die Schlösser zum großen Aufenthalts- und Besucherbereich ausgewechselt hat. Dokumentiert wurde das über die Aufzeichnung von Sicherheitskameras, die auf dem Areal installiert sind, berichtet Buck.
Diesen Tatbestand bestreitet der Vermieter auch im Gespräch mit der FLZ gar nicht. Auf das Niveau des jetzigen Vereinsvorsitzenden werde er sich jedoch nicht begeben, und über die Vorwürfe „kann ich nur lachen“, sagt der 77-Jährige und schiebt hinterher: „Ich werde mich zu wehren wissen.“
Buck vermutet hinter all dem seit vielen Jahren bestehende private Animositäten. „Alles ging los, als seine damalige Lebensgefährtin nicht mehr als Kassier des Vereins gewählt wurde“, meint Buck gekränkte Eitelkeit als Grund allen Übels ausgemacht zu haben. Der Vermieter hingegen bestreitet die Befähigung des ausgebildeten Experten, den Verein zu leiten und interpretiert die unter Buck eingeleiteten Verbesserungsarbeiten an den Jahrzehnte alten Gehegen als Willkür. „Der gräbt und baggert alles um. Er führt sich auf, als wenn er der Eigentümer wäre.“
Ein Satz, der ein weiteres Dilemma offenbart. Der Vermieter hatte das Grundstück einst aus einer Zwangsversteigerung heraus erworben und in der Folge den Verein mit ins Leben gerufen. Ein Verkauf an den Verein stand 2009 beim Einzug in Wallersdorf im Raum. Allerdings wurde man sich über den Preis nicht einig. Der Vermieter soll Buck zufolge 1,2 Millionen Euro dafür verlangt haben, der Verein würde basierend auf einem TÜV-Gutachten nur einen Bruchteil davon bezahlen.
Von einer Einigung sind beide Parteien derzeit sehr weit entfernt. Vielmehr „droht eine Schlammschlacht“, wie Buck befürchtet. Grund dafür ist das Fehlen eines schriftlichen Pachtvertrages, sämtliche Vereinbarungen bestehen lediglich mündlich. „Damit er uns gängeln kann“, glaubt Manuel Buck: „Ohne Pachtvertrag kann er seine eigenen Regeln aufstellen, denkt er.“
Die vom Vereinsvorsitzenden nach dem Austausch der Schlösser kontaktierte Polizei winkte gleich ab. Tenor: Auch den Ordnungshütern sind in diesem Fall die Hände gebunden. Wie Buck inzwischen in Erfahrung gebracht hat, dürfte eine Klärung der Streitigkeiten nur über eine zivilrechtliche Auseinandersetzung vor Gericht zu bewerkstelligen sein.
Eine verbindliche Kündigung muss das Exotenasyl nicht befürchten. Für die Tierhaltung in baulicher Abhängigkeit von Käfigen gilt ein mindestens zweijähriger Bestandsschutz. Kurzfristig muss nur die für Samstag anberaumte Versammlung der ausgesperrten Mitglieder „wohl im Freien stattfinden“, ächzt Buck.