Eine Gewaltbeziehung unterscheidet sich von einer Beziehung, in der gestritten wird, dadurch, dass ein Machtverhältnis zwischen den Partnern vorliegt. 80 Prozent der Opfer innerfamiliärer Gewalt sind laut Polizei Frauen mit Kindern.
Vor zehn Jahren hat die Interventionsstelle Ansbach ihre Arbeit aufgenommen. Sie befindet sich in Trägerschaft des Caritasverbandes in der Stadt und im Landkreis Ansbach und ist an das Frauenhaus angegliedert.
Die Interventionsstelle kooperiert auf der Grundlage des Förderprogrammes des Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung mit neun Polizeiinspektionen in der Stadt und im Landkreis Ansbach sowie den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen.
Durch die Kooperation mit der Polizei konnte die Interventionsstelle in den vergangen zehn Jahren 1084 Frauen mit 1290 Kindern nach einem Einsatz häuslicher Gewalt oder Stalking beraten und unterstützen. „Ohne die Hilfe jeder einzelnen Polizeibeamtin und jedes einzelnen Polizeibeamten wäre dies nicht möglich gewesen”, sagte die Leiterin der Interventionsstelle, Brigitte Guggenberger, beim Pressegespräch in der Caritas-Geschäftsstelle.
Ihr Dank gilt auch den Sachbearbeiterinnen für häusliche Gewalt sowie den Beauftragten für Kriminalitätsopfer des Polizeipräsidiums Mittelfranken. Durch die Netzwerkarbeit für die Opfer häuslicher Gewalt sei es den Mitarbeiterinnen der Interventionsstelle überhaupt erst möglich, direkt mit den Frauen in Kontakt zu treten.
Häufig fehle den von Gewalt bedrohten oder betroffenen Frauen der Mut und die Kraft, sich von selbst an ein Frauenhaus oder eine Beratungsstelle zu wenden, hieß es. In der Interventionsstelle arbeiten seit 2018 insgesamt drei Sozialpädagoginnen mit insgesamt 21 Wochenstunden. Das Hilfsangebot umfasst telefonische und persönliche Beratung und Begleitung sowie Krisen-Intervention.
Die Gesamtkosten von rund 40.000 Euro im Jahr trägt zu etwas mehr als die Hälfte die Regierung von Mittelfranken und die restliche Summe die vier Gebietskörperschaften und die Caritas aus ihren Mitteln, so Caritas-Geschäftsführer Sebastian Grund. Auch Spenden und Zuweisungen von Bußgeldern und Geldauflagen unterstützen die präventive Interventionsstrategie für Wege aus der häuslichen Gewalt.
Kriminalhauptkommissarin Heike Krämer ist Gründungsmitglied des Gewaltpräventionsnetzwerks Bedrohungsmanagement Mittelfranken und hat langjährige Erfahrung in den Bereichen häusliche Gewalt und Stalking. Sie kam in Begleitung ihrer Polizei-Kollegin Sandra Boßert und ihres Kollegen Andreas Roth zum Pressegespräch und äußerte den Wunsch, dass Gewaltschutz in Zeiten knapper Kassen keine Frage des Geldes sein dürfe.
Beispiele häuslicher Gewalt machen deutlich, dass eine betroffene Frau oftmals viele Anläufe braucht, bevor sie eine Gewaltbeziehung verlassen kann. Opfer wollen zunächst nicht unbedingt die Beziehung beenden, sondern nur, dass die Gewalt endet. Während einige Betroffene die Gewaltbeziehung gerade wegen gemeinsamer Kinder verlassen, bleiben andere Betroffene genau deshalb in der Gewaltbeziehung, damit die Kinder mit beiden Eltern aufwachsen können oder weil sich die Frauen nicht zutrauen, alleine für sie zu sorgen.
Bei Migrantinnen kann eine Trennung zur Folge haben, dass sie das Land verlassen müssen, wenn das Aufenthaltsrecht vom Ehepartner abhängig ist. Auch finanzielle Nöte und die Wohnraumknappheit kann Frauen davon abhalten, die Beziehung zu verlassen.
Der Gesprächsrunde war es wichtig, auch auf die familiären und sozialen Folgen von Gewalt gegen Frauen und mitbetroffenen Kindern hinzuweisen. Körperliche und seelische Verletzungen können sich auf negativ auf Lebensentwürfe, Arbeitsplatzsituation, Verhalten und Gesundheit auswirken.
Der Schmerz und das Leid der Betroffenen ließen sich nicht in Geldbeträgen ausdrücken, wurde in der Gesprächsrunde deutlich. Aber Gewalt verursache auch gesellschaftliche Kosten, etwa durch die Behandlung von Verletzungen, Rehabilitationsmaßnahmen, Therapien und anderen Unterstützungsleistungen, die für Betroffene notwendig werden. Sie entstehen auch durch Einsätze von Polizei und Justiz, durch Arbeitslosigkeit oder Krankheitsausfälle am Arbeitsplatz.
Deshalb sei es wichtig, in Gewaltprävention zu investieren, Probleme früh zu erkennen und den Betroffenen gute Unterstützung zuteilwerden zu lassen.
Die Interventionsstelle Ansbach ist unter Telefon 0981/95959 erreichbar, die Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Mittelfranken unter 0911/2112 1344.