Wohnraum für Geflüchtete in Neuhof gesucht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.10.2023 14:25

Wohnraum für Geflüchtete in Neuhof gesucht

Die kleine gemeindliche Wohnung im ehemaligen Sparkassengebäude will Neuhof dem Landkreis für Geflüchtete anbieten. Sie bietet Platz für zwei Personen. Weitere Objekte werden dringend gesucht (Foto: Kathrin Schneider)
Die kleine gemeindliche Wohnung im ehemaligen Sparkassengebäude will Neuhof dem Landkreis für Geflüchtete anbieten. Sie bietet Platz für zwei Personen. Weitere Objekte werden dringend gesucht (Foto: Kathrin Schneider)
Die kleine gemeindliche Wohnung im ehemaligen Sparkassengebäude will Neuhof dem Landkreis für Geflüchtete anbieten. Sie bietet Platz für zwei Personen. Weitere Objekte werden dringend gesucht (Foto: Kathrin Schneider)

Ein Blick auf die Landkreiskarte zeigt es deutlich: Neuhof müsste nach dem Königsberger Schlüssel 24 Geflüchtete aufnehmen. Bisher wurde davon noch kein einziger untergebracht. Neuhof will aber seinen Beitrag leisten. „Wir klappern ab, was geht, in der Hoffnung, Wohnraum für 24 Menschen zu finden“, so Bürgermeisterin Claudia Wust.

In der Gemeinderatssitzung machte man sich konkrete Gedanken, wie das umzusetzen ist. Einfach wird es nicht, daran hegte niemand Zweifel. Aber man will etwas bewegen – nach dem Motto Taten statt Worte. Während sich etliche bereit fanden, aus der Ukraine Geflüchtete aufzunehmen, ist die Bereitschaft gegenüber Menschen aus anderen Ländern äußerst verhalten. Auf der anderen Seite haben in Neuhof bereits anerkannte Flüchtlinge ein neues Zuhause gefunden und Gemeinderätin Lydia Stoll hält Sprachkurse ab.

Auf die Kirchengemeinde zugehen

Nun möchte man dem Landkreis eine gemeindeeigene Wohnung anbieten, die im ehemaligen Sparkassengebäude ist. Sie bietet Platz für zwei Personen. Bürgermeisterin Claudia Wust will zudem bei der Kirchengemeinde hinsichtlich des kleinen Gemeindehauses anfragen – auch dort ließe sich sicherlich Wohnraum schaffen, war man im Gremium überzeugt. Wenn man für Brot für die Welt sammelt, müsste man auch bereit sein, Geflüchtete vor Ort zu unterstützen, so der Tenor. Da der frühere Helferkreis nicht mehr als solcher existiert, will man zudem nachfragen, ob ehemals Aktive oder Neue einsteigen. Bei der Kirchengemeinde will man ebenfalls anklopfen, ob sich dort Menschen für die Geflüchteten engagieren wollen.

Angeschrieben werden sollen die Eigentümer leerstehender Gebäude. „Ich weiß von vieren“, stellte Wust fest, machte aber eines deutlich: Man kann niemanden zwingen, nicht genutzten Wohnraum bereitzustellen. Auch persönlich will sie sich an die Betreffenden wenden – vielleicht bringe das etwas. Nichts soll unversucht bleiben. Jeder, der Räumlichkeiten zur Verfügung stellen kann, ist aufgerufen, sich bei der Gemeinde oder dem Landratsamt zu melden.

„Wir haben keine erschlossene Gewerbefläche, die wir anbieten können“, erklärte die Bürgermeisterin. Eine Prüfung seitens des Landratsamtes habe zudem ergeben, dass sich das Hochhaus neben dem Gernt-Garten nicht für eine Unterbringung von Geflüchteten eignet.

Diese in kleinen Gruppen in den Kommunen unterzubringen anstatt in der aus allen Nähten platzenden Notunterkunft in Scheinfeld – dies wurde von etlichen als die bessere Lösung erachtet. Dies sei zudem für das soziale Miteinander besser, unterstrich Christian Böhmlehner. „Wir müssen versuchen, alles auf die Beine zu stellen, was geht. Auch wir müssen unseren Beitrag leisten“, betonte er. Der Landkreis sei auf die Mithilfe der Kommunen angewiesen, hoben andere Räte hervor, machten jedoch wiederholt klar, dass es einer großen Lösung seitens des Bundes bedarf.

Immobilien des Bundes verstärkt nutzen

Dieser sollte, so Wust, erst einmal die bundeseigenen Immobilien bereit stellen. Als Beispiel führte sie etwa die Muna-Siedlung an. „Es ist traurig, dass es auf die Landkreise und Gemeinden abgewälzt wird“, bemängelte Markus Burk. Claudia Wust sprach noch einen weiteren Punkt an. Viele der jungen Ankömmlinge wollen, wie sie aus Erfahrung mit jungen unbegleiteten Flüchtlingen weiß, so bald wie möglich tätig werden und sich integrieren.

Auf der andere Seite gebe es viele Betriebe, die händeringend Leute suchen. Gut laufe es schon bei den Menschen, die aus der Ukraine kamen. Von diesen hätten etliche bereits einen Job gefunden. Das sei für die Geflüchteten ebenfalls äußerst wichtig, die oft Traumatisches erlebt haben. In Neuhof will man nun versuchen, möglichst viele Menschen unterzubringen. „Die Turnhalle werden wir aber nicht schließen. Das können wir Kindern und Familien nicht antun“, sagte Wust. Dieser Schritt erfolge erst, wenn es gesetzliche Druck von oben gibt. Nun hofft man, dass es nicht soweit kommt und sich Wohnraum und ein Helfer-Team finden. Denn: Mit der Unterbringung allein ist es nicht getan.


Von Ute Niephaus
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