Auch Systemsprenger brauchen ein Zuhause. Für Menschen mit sehr schwierigem Verhalten, die anderswo nicht betreut werden können, betreiben die Bezirkskliniken Mittelfranken auf ihrem Gelände in Ansbach ein soziotherapeutisches Wohnheim, das allerdings in die Jahre gekommen ist.
Schon 2017 hatte die Heimaufsicht festgestellt, dass das Gebäude mit seinen aktuell 23 voll belegten Plätzen nicht mehr die aktuellen Standards erfüllt. Eigentlich sollte der geplante Neubau 33 Plätze bekommen. Trotz mehrerer Anläufe ist es dazu aber bisher nicht gekommen.
Jetzt hat der Sozialausschuss des Bezirkstags dem Bezirksausschuss empfohlen, auf Antrag der Bezirkskliniken einen Bedarf von 24 Plätzen anzuerkennen, also neun weniger als im vorangegangenen Beschluss von 2018. Damit dennoch die Versorgung in der Region gesichert ist, sollen andere Träger die übrigen Plätze verwirklichen. Dafür gebe es Interessenten, erklärte Michael Fried, Leiter des Sozialreferats des Bezirks.
Für das Neubauprojekt, für das noch keine Kostenschätzung existiert, gibt es keine staatliche Förderung. Im Hintergrund steht der Inklusionsgedanke: Eigentlich sollen Menschen mit Behinderung am normalen Leben teilhaben und nicht in abgesonderten Einrichtungen untergebracht werden. Dem steht allerdings die Realität im Weg: „Aufgrund der Lebens- und Therapiegeschichte der Menschen sind diese Plätze nötig“, sagte Titus Schüller (Linke) im Sozialausschuss. Für eine gute Therapie sei aber ein akzeptables Umfeld nötig.
Dass der Bedarf besteht, zweifelten auch die Vertreter der anderen Parteien nicht an. Daniel Arnold (Grüne) erinnerte daran, dass der aktuelle Zustand nicht gesetzeskonform sei und lediglich Bestandsschutz gelte.
Allerdings meinte Walter Schnell (Freie Wähler), es sollte geprüft werden, ob andere Träger diese Aufgabe besser und wirtschaftlicher übernehmen könnten. Es handle sich schließlich nicht um eine Pflichtaufgabe des Bezirks.
Bezirksrat Herbert Lindörfer (CSU), der den Tagesordnungspunkt leitete, reagierte darauf vorsichtig, weil dieses Thema im Verwaltungsrat der Bezirkskliniken besprochen worden war – und der tagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Wir sind schon wesentliche Schritte weiter“, traute sich Lindörfer immerhin zu sagen, ohne seine Verschwiegenheitspflicht zu verletzen. Schnell stimmte trotzdem als Einziger gegen den Antrag, da ihm die Formulierung, dass die Bezirkskliniken an ihrem Standort den Neubau errichten, zu eng gefasst war und es zu viele offene Fragen gebe.
Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster wartete unterdessen die Debatte vor der Tür ab, denn als Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bezirkskliniken durfte er an den Beratungen und dem Beschluss nicht teilnehmen. Wann das neue soziotherapeutische Wohnheim seine Türen für Bewohner und Mitarbeitende öffnet, ist offen. Allzu schnell wird es angesichts der nötigen Planungs- und Genehmigungsphase wohl nicht gehen. Aber: „Das Projekt muss jetzt Dynamik aufnehmen“, forderte Herbert Lindörfer.