Der Marktgemeinderat Lehrberg hat mit großer Mehrheit gegen drei Stimmen den Bebauungsplan für das Wohngebiet „Südlich des Sulzbaches“ im Ortsteil Gräfenbuch auf den Weg gebracht. Gleichzeitig legten die Gemeinderäte bereits Details zur Bebauungsplanung fest.
Die Aula der Mittelschule war gut gefüllt. Rund 30 Bürger waren gekommen, um der Sitzung des Marktgemeinderats beizuwohnen und sich die Präsentation des geplanten Baugebiets „Südlich des Sulzbaches“ anzuschauen. „Ich freue mich, dass so viele Gräfenbucher gekommen sind“, begrüßte Bürgermeisterin Renate Hans die Anwesenden.
Jörg Bierwagen vom Planungsbüro Christofori und Partner erläuterte die Planungen, die eine Verkehrserschließung östlich von der Kreisstraße aus, mit einer Ringstraße und einem Quartiersplatz, vorsieht. Die Gebäude seien grundsätzlich auf zwei Wohneinheiten beschränkt. Maximal seien zwei Vollgeschosse mit einer maximalen Firsthöhe von 10,25 Metern und einer Wandhöhe von 6,50 Metern zugelassen, so Bierwagen.
Das Wohngebiet werde abschnittsweise entwickelt. Erst wenn 80 Prozent des westlichen Teils bebaut seien, werde man den östlichen Teil in Angriff nehmen.
Um für Starkregen-Ereignisse gewappnet zu sein, ist nördlich des Quartiers ein von Bebauung ausgenommenes Überschwemmungsgebiet vorgesehen. Hier soll auch der Lauf des Sulzbaches natürlicher gestaltet werden. Mit einem Spielplatz werde dieser Bereich als „Schnittstelle zum Altort“ fungieren, so der Planer. Um Regenmengen zurückhalten zu können, werden Gründächer auf Garagen und Carports Pflicht, ebenso der Bau einer mindestens zehn Kubikmeter großen Zisterne.
Weiter werden die Bauherrn verpflichtet, auf 50 Prozent ihrer Dachfläche eine Solaranlage zu installieren. Außerdem müssen sie zwei Kfz-Stellplätze und zwei Fahrrad-Abstellplätze schaffen. Pro 500 Quadratmeter Grundstück muss ein Hochstamm-Obstbaum gepflanzt werden. „Kanadische Blockhäuser“ werden ebenso ausgeschlossen wie grelle Fassadenfarben und Schottergärten.
Eine lebhafte Diskussion kreiste um die Frage, ob die beliebten zweigeschossigen Toskanahäuser mit Zeltdach zugelassen werden sollten. „Wer sich entscheidet, nach Gräfenbuch zu gehen, sollte auf ein Toskanahaus verzichten“, sagte CSU-Gemeinderat Hans Merk. Der dritte Bürgermeister Jochen Kern (Liste für Lehrberg) meinte, man solle den Bauherrn „diese gestalterische Freiheit“ lassen. Ulrich Spitzner (Bürgerblock Lehrberg) mahnte, man solle mehr aufs Ortsbild schauen: „Im Bauausschuss war klar, dass wir das Satteldach wollen.“
Planer Jörg Bierwagen regte an, „das moderne Satteldach mit 30 Grad Neigung möglich zu machen“. Nur so seien bei der zulässigen Gesamthöhe zwei Vollgeschosse möglich. Mit großer Mehrheit gegen eine Stimme wurde schließlich beschlossen, dass es ausschließlich Satteldächer mit einer Neigung zwischen 30 und 48 Grad geben soll. Gegen drei Stimmen wurde zudem beschlossen, dass die Dachziegel entweder fränkisch-rot oder anthrazit ausfallen sollen.
Eine angeregte Diskussion löste Hans Merks Frage aus, wie die Vermarktungs-Chancen für Einfamilienhäuser eingeschätzt werden. Es gebe die Befürchtung, dass bei Vermarktungs-Problemen eventuell Mietshäuser hingebaut werden könnten: „Ausnahmen vom Bebauungsplan sind leicht möglich.“
Es gebe nach wie vor Nachfrage, sagte Jörg Bierwagen dazu. „Aber wir machen ja auch kein Quartier, das morgen auf den Markt kommt. Außerdem haben wir die Entwicklung des Baugebiets geteilt, um erst mal ein Angebot für lokale Interessenten zu machen.“ Bürgermeisterin Hans erklärte, um Mietshäuser in Gräfenbuch zu bauen, müsse auf jeden Fall zunächst ein komplettes Bebauungsplan-Verfahren durchlaufen werden.
Hans Merk wollte zudem wissen, welcher Quadratmeterpreis vorgesehen sei: „Sind wir mit Ornbau oder Colmberg konkurrenzfähig?“ Das sei eine Frage, die frühestens aktuell werde, „wenn wir die Detailplanungen haben“. Auch Jörg Bierwagen erklärte, jetzt bereits einen Preis zu nennen, sei „Kaffeesatzleserei“.
Ob sich denn schon eine Anzahl von Interessenten bei der Gemeinde gemeldet hätten, wollte Sylvia Zeilinger vor der Abstimmung noch wissen. Sie befürchtete, dass sich die Gemeinde in ein Abenteuer stürze. „Wir haben immer wieder Anfragen“, sagte Bürgermeisterin Hans, die Interessenten freuten sich, „dass da etwas entsteht“. Am Ende stand die satte Mehrheit für die Aufstellung des Bebauungsplans.