Zum ersten Mal hat die AfD einen Landratskandidaten im Landkreis Ansbach aufgestellt. Mit dem 56-jährigen Stefan Bininda setzt die Partei auf einen Mann, der mit seiner Partnerin auf einem alten Bauernhof in Neustett, einem Ortsteil der Gemeinde Adelshofen, wohnt.
Zur Welt kam Bininda aber 1969 in Fürth. Aufgewachsen ist er in Zirndorf, wo er auch zur Schule ging, bis er auf die Realschule in Oberasbach wechselte. Eine Lehre als Elektroinstallateur schloss sich an. Mittlerweile übt er seit rund 40 Jahren seinen Beruf als Elektrofachkraft aus.
Dass es ihn nach Neustett verschlagen hat, hat mit seiner Partnerin zu tun, die aus Dornheim in Unterfranken stammt, erzählt er im Gespräch mit der FLZ. Gemeinsam seien sie viel mit den Motorrädern unterwegs gewesen, auch im Taubertal. Dabei sahen sie zufällig, dass ein Bauernhof zu verkaufen war. Die Entscheidung für den Erwerb fiel dann ziemlich schnell. In den vergangenen fünf Jahren sanierten sie das Anwesen. Mit den Nachbarn im Dorf habe man sich von Anfang an gut verstanden. Gleich im ersten Jahr veranstalteten die Neubürger ein kleines Hoffest.
Neben seiner Leidenschaft für das Motorradfahren ist der Kandidat im Winter gern auf dem Snowboard unterwegs und „wenn das Wetter passt” als Kitesurfer im Fränkischen Seenland.
Kommunalpolitisch aktiv war er bereits 2020, als er im Landkreis Fürth für die AfD für den Kreistag und den Stadtrat Zirndorf kandidierte, damals noch ohne Mitglied der Partei zu sein. Nach dem Umzug hielt er zunächst den Kontakt zum Kreisverband Fürth, entschloss sich dann aber doch, in den Kreisverband Ansbach zu wechseln, wo er „super aufgenommen” worden sei. Politisch sieht er sich selbst in der Mitte der Gesellschaft angesiedelt. Was antwortet er, wenn ihm vorgeworfen wird, die AfD sei rechtsextrem? „Wo sind Rechtsextreme? Wo seht ihr einen Nazi?” sei dann seine Entgegnung, sagt er.
Aus dem Kreisverband heraus sei dann auch die Anfrage gekommen, ob er bereit wäre, für den Landratsposten zu kandidieren. Im Dezember wurde er schließlich offiziell nominiert. Öffentlich gemacht hat die Partei die Nominierung, zu der die Medien nicht eingeladen waren, aber erst Mitte Januar. Gegenkandidaten habe es nicht gegeben, berichtet Bininda.
Zu der Diskussion über den Krankenhausverbund ANregiomed meint er, dass die kleineren Krankenhäuser im Verbund „fast keine eigenen Entscheidungen” mehr treffen könnten. Man müsse sie dabei unterstützen, wieder selbstständiger ihre Leistungen erbringen zu können. Bei einer zu starken Zentralisierung bestehe die Gefahr, dass doch eines der kleinen Häuser geschlossen werde.
Um die Hausarztversorgung auf dem Land wieder zu verbessern, schlägt er vor, auf Jungmediziner zuzugehen, vielleicht sogar schon im Medizinstudium. Dabei solle sich der Landkreis einbringen, zum Beispiel bei der Nutzung von Leerständen als Praxis. Dafür gebe es bereits positive Beispiele.
Beim stark gestiegenen Defizit des öffentlichen Nahverkehrs verweist Bininda zunächst auf das Deutschlandticket. Das sei eine „feine Sache”, führe aber zu finanziellen Belastungen. Dessen Gültigkeit könnte man regional einschränken. Um auf Landkreisebene zusätzliche Gelder für den ÖPNV zur Verfügung stellen zu können, müsse der Kreis nach Einsparmöglichkeiten suchen. So finde der Sozialmissbrauch überall in Deutschland, aber auch im Landkreis statt, argumentiert der AfD-Kandidat auf Linie mit seiner Partei. Eine weitere Möglichkeit wären angesichts knapper Kassen ehrenamtliche Fahrdienste in den Dörfern, vor allem für ältere und finanziell schwächere Menschen.
Der Umgang mit der schlechten Finanzlage des Landkreises sei eine schwierige Frage. Eine Erhöhung der Kreisumlage treffe die Gemeinden, die die Belastung wiederum auf die Bürger umlegen würden. So schwer das auch sei, solle der Landkreis seinen Haushalt daher eher über höhere Schulden ausgleichen. Außerdem rief er zum Sparen auf.
Potenzial sieht der 56-Jährige dafür bei Sanierungen von landkreiseigenen Gebäuden, die eher kostensparend als mit Hightech-Ausstattungen erfolgen sollten. Analoge Lösungen hätten häufig auch geringere Folgekosten als Automatisierungen, meint der Elektrofachmann. Bei der Planung solle der Kreis so weit wie möglich eigenes Personal einsetzen, statt externe Ingenieurbüros zu beauftragen.
Sollte er gewählt werden, will sich Bininda in den kommenden sechs Jahren für einen attraktiveren Nahverkehr in den ländlichen Gegenden einsetzen, unabhängig von der finanziellen Lage. Ein weiterer Schwerpunkt wäre die Gesundheitsversorgung, zum Beispiel durch die Bildung von Hausarzt-Filialen.