Er ist gerade einmal im Jahr öffentlich zu hören: Der Prolog des Christkinds beim Wilhermsdorfer Weihnachtsmarkt, abends gegen Dreiviertel Sechs Uhr. Doch für das seit 2024 amtierende Christkind Dorothea Mitländer ist der Vortrag etwas ganz Besonderes: Den Text hat nämlich ihre Uroma erschaffen.
Jette Lindner stammte ursprünglich aus Dachsbach. Deshalb gilt sie nicht nur für die Wilhermsdorfer als „ihre“ Heimatdichterin. Zwei mundartliche Bücher hat sie herausgebracht: „Aischgrund bis Zenngrund“ und „Des und Sell“. In einem Einführungstext hat sie geschrieben: „I hoff, des Biechla machd a Freid, vielleicht lässd mir der Herrgodd Zeid.” Sie starb 2011, fast 90-jährig; „nach einem erfüllten Leben“, wie in der Traueranzeige zu lesen ist.
Und „Freid“ macht es den Menschen Jahr um Jahr, wenn sie den Lindner`schen Christkinds-Prolog am Weihnachtsmarkt hören. Das Original-Manuskript ist nicht mehr aufzufinden, heißt es von der Familie Mitländer. Doch dort ist man sicher: nur im Jahr 1981 wurde einmalig eine Zeile verändert – wegen einer Lichterspende. Zeit ihres Lebens habe sich die Dichterin den Prolog angehört – und auch Lob oder Kritik angebracht, heißt es.
Ihre Enkelin Dorothea (15) hat die Uroma nur noch kurz kennenlernen können. Doch das aktuelle „Christkind“ hat schon in der Grundschule erfahren, dass Jette Lindner die Erschafferin des Prologs war. Sie habe den Zusammenhang 2024 auch in ihre Bewerbung geschrieben. „Das hat schon eine besondere Verbundenheit“, freut sich Dorothea auf den 4. Advent, den Tag des Weihnachtsmarkts.
Zuvor aber hat sie noch einige christkindliche Auftritte zu absolvieren: In Kindergärten und -krippen; im Seniorenwohnheim; auf Ortsteil-Weihnachtsfeiern; bei einem örtlichen Christbaum-Produzenten… Für jede Veranstaltung sucht sie gemeinsam mit ihrer Familie eine passende Geschichte aus. Doch die für den Weihnachtsmarkt ist klar: der Prolog der Uroma. „Den trage ich bestimmt wieder mit viel Herzblut vor.“
Auch wenn die Zuhörenden Dorotheas Anspannung wahrscheinlich nicht bemerken werden. Denn die Gymnasiastin hat schon einige Schauspielerfahrung bei den Klostermäusen Langenzenn gesammelt. Deshalb wird sie es sicher auch wieder schaffen, „den Christkind-Zauber zu erhalten, wenn ich die Reiter an die kleineren Kinder übergebe“, jenes besondere vorweihnachtliche Gebäckstück, dass es nur in der Zenngrundgemeinde gibt. Nach dem Prolog. „Dieser Abschluss ist am Schönsten.“