Am nächsten Sonntag ist Landtagswahl. In Wilhermsdorf steht dabei ein sehr spezielles Ereignis ins Haus.
Denn am 8. Oktober können auch Bürgerinnen und Bürger aus Wilhermsdorf dafür sorgen, dass die 18-Uhr-Prognose im Zweiten Deutschen Fernsehen ZDF möglichst genau mit dem späteren „amtlichen Endergebnis“ übereinstimmt. Denn vor dem Hallenbad, dem Wahllokal 003 der Gemeinde, werden Mitarbeitende der vom Fernsehsender mit Wahlprognosen beauftragten „Forschungsgruppe Wahlen“ (FGW) stehen. Und die werden „nach dem Zufallsprinzip Wählerinnen und Wähler auswählen und schriftlich zu ihrer Wahlentscheidung befragen“ – anonym natürlich.
Wer die Wahlberichterstattung der TV-Sender kennt, fragt sich ja schon: Wie kann es sein, dass die 18-Uhr-Prognosen, die unmittelbar nach Schließung der Wahllokale veröffentlicht werden, meist bereits recht genau das Ergebnis wiedergeben, das erst nach stunden-, ja tagelanger Stimmauszählung durch Wahlhelfende feststeht? Genau dafür brauchen die Wahlanalysten der FGW die Forschungs-Wahllokale.
Insgesamt 180 bestückt die FGW in ganz Bayern. Drei davon finden sich diesmal im Stimmkreis 509 – der umfasst die Städte Fürth, Zirndorf, Oberasbach sowie Stein. Ebenfalls drei Forschungs-Wahllokale gibt es im Stimmkreis 510: Der erstreckt sich über den Rest des Landkreises Fürth sowie den Kreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim. Eines davon wird am Hallenbad Wilhermsdorf eingerichtet, das war von Seiten der Gemeinde zu erfahren.
Und wo hat die FGW ihre anderen fünf Muster-Wahllokale in den mittelfränkischen Stimmkreisen 509 und 510 angesiedelt? Dazu hält sich der regional zuständige Forscher Stefan Hunzicker bedeckt. Aber er erläutert grundsätzlich, wie die insgesamt 180 im Freistaat ausgewählt wurden: Die vorhergehende Landtagswahl war demnach die „Datenbasis für die Stichprobe“.
Am Wahltag selbst werden von den Befragten anonym neben deren Wahlentscheidung noch „eine Reihe sozialstruktureller Merkmale wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Bildung, Erwerbsstatus oder Konfession erhoben“. Doch nicht alle ausgewählten Personen, die das Wahllokal verlassen, machen tatsächlich an der Befragung mit. Deshalb „müssen die erhobenen Daten über spezielle Gewichtungsmodelle korrigiert bzw. ergänzt werden“, so die Methodik der FGW, die außerdem „die Ergebnisse der Briefwähler schätzt und mit den Befragungsergebnissen der Urnenwähler zu einer Prognose zusammenführt“.
Am Wahlsonntagabend um 18 Uhr zeigt sich dann im ZDF, ob und wie treffsicher die FGW diesmal ihre Musterwahllokale ausgesucht hat, oder ob die Forschungs-Konkurrenz korrektere Prognosen geliefert hat. Spannend bleibt die Wahl auf jeden Fall, sogar über den Sonntagabend hinaus. Denn – wie bei der Landtagswahl 2018 – könnte auch diesmal erst Tage später endgültig feststehen, welche der Personen, die sich um einen Platz im Maximilianeum beworben haben, tatsächlich in den Landtag einziehen dürfen.