Dutzende Male sind sie schon auf Flüssen auf große Fahrt gegangen, vor Wetterunbilden allerdings hatten sie bislang noch nie ausweichen müssen. Gemeint sind die „Alterbernemer Wikinger“, eine lose Freizeitgruppe aus dem Obernzenner Ortsteil Unteraltenbernheim.
Seit über vier Jahrzehnten unternehmen sie in unregelmäßigem Rhythmus einwöchige Fahrten mit ihrer selbst gebauten, kurz gehaltenen Nordmann-Knorr namens „Nautilus“. Sie geben sich authentisch der Wikingerzeit hin, mehr originell als historisch, vor allem aber dem alltagsentrückenden Abenteuer hinstrebend.
Als Ziel der seit November geplanten Fahrt war nun die Mosel auserkoren worden. Pläne aber werden gemacht und müssen bekanntlich zuweilen oft hernach geändert werden. So auch in diesem Fall. „Von wegen Trier abwärts in Richtung Mündung zum Rhein“, erklärt Schiffsführer und Erbauer Edelhard der Schamlose. „Überschwemmungen nach extremem Dauerregen hatten weite Teile der Saar und entlang der Mosel unschiffbar gemacht. Wir mussten uns nach einer Alternativ-Route umschauen.“
Zu jenem Zeitpunkt war auch der nächst schiffbare Fluss, der Main, ab Bamberg abwärts flutgefährdet. Die Wahl fiel daher auf die Donau und erfolgte, quasi in Fortsetzung der Tour von 2022, wenige Kilometer nach der Walhalla dem Strom folgend.
Regen und wenig freundliche Temperaturen waren angesagt worden, eine Absage aber kam für keinen der acht Recken infrage. Unter ihrem Schiffsführer ruderten und biwakierten entlang der Donau die Männer zwischen 29 und 62 Jahren samt Gewandung im angelegten Alter-Ego, und stellten sich den Strapazen einer einwöchigen Wikingerfahrt: Arne der Maßlose, Schänder-Tjurre, Capo Trinktfastnix, Ragulf der Dressmane, sowie die drei „Friedlinge“ Dørstfried Marderfregg, Grillfried Haxenzeck und Bordneuling Helmfried Hosenreißer.
Gewassert wurde das rund achtmetrige Schiff bei Frengkofen, Nachtlager wurden unter anderem bezogen bei Obermotzing, Straubing, Pfelling und Deggendorf. Sehr oft war tagsüber nach kurzen Warmphasen bei Sonnendurchbruch zwischen den Wolken gemütliches Rudern möglich, manchmal begünstigtes Treiben durch Oberflächenströmung, oft aber anstrengendes Rudern im angelegten Poncho.
Gesegelt werden konnte an keinem Tag, immer herrschte Gegenwind vor, weshalb das einmal eng in Wülsten aufgereffte Segel an der Rah des Mastes eher hinderlich war, den optischen Eindruck eines altnordischen Seefahrzeugs aber samt den Schilden an der Bordreihe und an den Steven der Drachenkopf und sein hoch aufragendes Endstück ein gewisses abenteuer-optisches Gefühl zu vermitteln verstanden.
Trotz bester Bordstimmung und guter Lagerplätze, wurde schließlich einen Tag früher der Abbruch der Fahrt nach rund 73 Kilometern in Gang gesetzt.
Die allgegenwärtige Nässe, die kaum mehr trocknenden Klamotten, das nach schwerem Unwetter stark in Mitleidenschaft gezogene Zelt der Crew, Schlafmangel, das ständige Ausschöpfen von oben eingedrungenen Wassers im Schiffsbauch – all das und das ständige Bangen vor dem nächsten Regenguss zehrte an den Kräften.
Dennoch froh gelaunt kehrten unverletzte, aber leicht gebeutelte Flussschiffer zum Heimathafen in den Oberen Zenngrund heim. Motiviert sind sie nach wie vor. Zur Mosel soll es doch noch gehen, kommenden oder anderen Jahres.
Am Verlauf dieser Fahrt aber würden die Wikinger noch lange zehren, zu erlebnisreich und andersartig war diese Woche. Vom „Herumwikingern“ können sie nicht lassen. Und wie schrieb schon Emil Gött: „Die Heimat des Abenteuers ist die Fremde.“