Wiederverwendbare Rakete: China fängt erstmals Stufe auf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 10.07.2026 09:22, aktualisiert am 10.07.2026 16:02

Wiederverwendbare Rakete: China fängt erstmals Stufe auf

Auf dem Meer wird eine Stufe der neuen Rakete „Langer Marsch 10B“ aufgefangen. (Foto: Xing Guangli/XinHua/dpa)
Auf dem Meer wird eine Stufe der neuen Rakete „Langer Marsch 10B“ aufgefangen. (Foto: Xing Guangli/XinHua/dpa)
Auf dem Meer wird eine Stufe der neuen Rakete „Langer Marsch 10B“ aufgefangen. (Foto: Xing Guangli/XinHua/dpa)

China hat bei der Entwicklung wiederverwendbarer Raketen einen wichtigen Fortschritt erzielt. Erstmals holte das Land die erste Stufe einer Trägerrakete kontrolliert zurück. Die Stufe der neuen Rakete „Langer Marsch 10B“ wurde auf einer Plattform auf See aufgefangen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. 

China ist laut der staatlichen Zeitung „China Daily“ damit nach den USA das zweite Land, das über eine zuverlässige Technik für wiederverwendbare Raketen verfügt. In den USA ist aber vor allem das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX bei wiederverwendbaren Raketen deutlich weiter. Schon vor rund zehn Jahren brachte die Firma von Tech-Milliardär Elon Musk erstmals erfolgreich eine Stufe seiner „Falcon 9“-Rakete zum Boden zurück. 

Nahezu senkrechte Landung

Xinhua sprach dennoch von einem „bedeutenden Durchbruch“. Ein von der Agentur veröffentlichtes Video zeigt, wie die Raketenstufe mit laufendem Triebwerk auf die Plattform zufliegt und nahezu senkrecht in ein hohes, rechteckiges Gerüst sinkt - allerdings mit großer Rauchfahne am Adapter der Zwischenstufe. 

Nach Angaben von „China Daily“ wartete das Rückholschiff „Linghangzhe“ („Pfadfinder“) auf die Raketenstufe. Das Schiff verfolgte sie und passte seine Position laufend an. Spezielle Metallhaken klappten schließlich aus und griffen in die gespannten Seile der Fangvorrichtung. Die Rakete war vom Weltraumbahnhof Hainan gestartet und brachte einen Satelliten in die vorgesehene Umlaufbahn.

Nach Rückholung kommt Wiederverwendung

Der aktuelle Erfolg gelang beim dritten bekannten chinesischen Versuch, die erste Stufe einer Rakete nach einem Flug um die Erde zurückzuholen. Bei zwei Flügen im vergangenen Jahr war die Rückholung noch gescheitert. Betont wurde in China auch, dass weltweit erstmals die erste Stufe mit einer solchen Seil-Fangvorrichtung geborgen worden sei.

Die nächste entscheidende Etappe soll noch in diesem Jahr folgen. Nach Angaben des Staatssenders CCTV wird erwartet, dass bis Ende 2026 eine erste Raketenstufe bei einem weiteren Flug erneut eingesetzt wird. Ein erfolgreicher erneuter Einsatz würde zeigen, dass China eine Raketenstufe nicht nur zurückholen, sondern auch wiederverwenden kann.

Langfristiges Ziel: Kosten senken

Der Ausbau wiederverwendbarer Raketen ist auch Teil von Chinas staatlicher Planung. Im gerade angelaufenen neuen Fünfjahresplan der Regierung wird die Technik ausdrücklich genannt. China will außerdem mehr Raketen und Satelliten in Serie bauen und seine Möglichkeiten für kommerzielle Starts ausbauen. 

Wiederverwendbare Raketen sollen die Kosten senken und häufigere Starts ermöglichen. China treibt die Entwicklung seit Jahren voran. Neben dem staatlichen Raumfahrtprogramm arbeiten auch mehrere private chinesische Unternehmen an der Technik, die es ermöglichen soll, Satelliten und andere Lasten günstiger ins All zu bringen.

SpaceX fing Raketenstufe schon mit Greifarmen auf

In den USA nutzt SpaceX die Technik schon seit vielen Jahren. Hunderte Raketenstufen von „Falcon 9“ hat das Unternehmen bereits zurückgebracht - sowohl auf Schiffen auf dem Meer als auch auf dem Land. Derzeit spricht SpaceX von 660 erfolgreichen Missionen mit 614 Landungen und 579 Wiederverwendungen. 

Bei Tests seines „Starship“, des größten jemals gebauten Raketensystems der Raumfahrtgeschichte, hat SpaceX es sogar schon geschafft, die untere Raketenstufe am Startturm mit Greifarmen wieder aufzufangen.

Auch mehrere andere US-Unternehmen arbeiten an wiederverwendbaren Raketen, darunter unter anderem Rocket Lab und die Firma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos.

© dpa-infocom, dpa:260710-930-363202/4


Von dpa
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