Jahr für Jahr gibt es in der Mahd-Zeit im Mai und Juni immer wieder schreckliche Unfälle mit Rehkitzen – sie bleiben in der Wiese liegen, ducken sich weg und werden von den Mähwerken regelrecht geschreddert, denn sie laufen nicht weg. Dem Jungreh-Tod hat der Uffenheimer Jägerverein nun den Kampf angesagt. Drohnen spielen dabei eine wesentliche Rolle.
„Wir werden alles versuchen, um viele kleine Leben zu retten“, sagt die Vorsitzende Elfi Sappa. Das Thema Rehkitz-Rettung, macht sie im Redaktionsgespräch deutlich, liegt ihr sehr am Herzen. Deshalb steht der Kauf einer, wenn möglich sogar zweier Drohnen – Kostenpunkt rund 7000 Euro pro Exemplar – ganz oben auf der Wunschliste des Uffenheimer Jägervereins. Für dieses Ziel läuft eine Spendenaktion, auch der Erlös aus der Hubertusmesse samt Tombola und Grillstation wird in dieses Projekt fließen. Noch aber fehlt der eine oder andere Euro bis zum Spendenziel, auch wenn der mögliche Zuschuss vom Bundeslandwirtschaftsministerium bei bis zu 60 Prozent liegt.
Wie wichtig der Kampf gegen den Kitz-Tod mit Drohnen ist, betont Sappa immer wieder. Sie will den Bauern die Hand reichen – und betont: „Jäger und Landwirte sind ein unersetzliches Team, wir sind auf diese Kooperation absolut angewiesen.“ Denn die Agronomen sollten den Jägern rechtzeitig vorher mitteilen, wenn sie planen, zu mähen – möglichst 48 Stunden im Voraus. „Wenn es zu spät gesagt wird, schaffen wir es mit der Drohne nicht mehr.“ Ein Anruf eine Stunde vor der Mahd sei da einfach zu spät. Denn die Mitglieder im Jägerverein machen all das ehrenamtlich, betont Elfi Sappa und stünden nicht jederzeit parat.
Bislang wurde eine Menschen-Kette gebildet, wenn entsprechende Unterstützung greifbar war, und auch ein Hund war im Einsatz. Dann wurde das Feld Bahn für Bahn durchkämmt. Durch den Klimawandel werde der Bewuchs allerdings immer extremer, sie habe schon Felder gesehen, da waren die Pflanzen „teilweise größer als ich“, so Sappa. Entsprechend wird es schwer, tatsächlich jedes Reh-Kitz darin zu finden – „man übersieht Sachen“.
Wenn der Uffenheimer Jägerverein dann tatsächlich eine Drohne hat, werde es die Suche extrem vereinfachen, erklärt die Vorsitzende. Das Fluggerät ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet und würde vor allem in den frühen Morgenstunden zum Einsatz kommen, die Piloten und ihre Helfer würden sich gegen 3 Uhr nachts an die Arbeit machen. Warum zu dieser unchristlichen Zeit? Wenn die Umgebung kühl ist, sind Lebewesen mit der Wärmebildkamera deutlich besser zu erkennen – das gelte sowohl für Reh-Kitze, kleine Hasen als auch beispielsweise für Gelege von Wiesenbrütern wie Kiebitz. Und: „Je früher die Mahd, desto gefährlicher für das Wild.“
Zweier-Teams betreuen im Normalfall eine solche Aktion: ein Pilot und ein Helfer. Dafür würde dann im Verein ein Dienstplan erstellt, sagt Sappa. Vier Mitglieder mit Drohnen-Führerschein hätten sich schon bereit erklärt. Die Rettung selbst ist dann Handarbeit. Der Pilot lotst seinen Kumpanen zum Kitz, der nimmt es dann mit Handschuhen und einem großen Grasbüschel auf und bringt es aus dem Gefahrenbereich. Im Anschluss finden sich Kitz und Mutter wieder – „sie rufen sich zusammen, im wahrsten Sinne des Wortes“.
Die Kitz-Rettung ist kein Hobby, betont Sappa. Der Landwirt ist dazu verpflichtet, auch wenn das noch nicht bei allen angekommen sei. Sie habe schon viele „tragische Fälle“ gesehen, schwer verletzte Kitze, die in der Hecke entsorgt wurden. Sappa: „Leute, ihr steht beim Strafrecht, das ist keine Ordnungswidrigkeit.“
Um aufzuklären, plant der Uffenheimer Jägerverein am 30. Januar 2024 ab 19 Uhr im Gasthaus „Stern“ in Gollhofen einen Infoabend mit Rechtsanwalt Boris Segmüller, der Experte auf diesem Gebiet sei. Sappa will dazu Landwirte und Jäger einladen, „im Sinne der vielen kleinen Leben, die man retten kann“.
Für den Drohnenkauf zur Rehkitz-Rettung ist ein Spendenkonto aktiv: „Jagdschutz- und Jägerverein Uffenheim, IBAN DE14 76 06 95 59 00 04 80 42 60, Stichwort Rehkitzrettung“.