Nach fast 38 Jahren im Dienst beendet Norbert Flierl, der Leiter des Forstbetriebs Rothenburg, seine aktive forstliche Laufbahn. Seine Arbeit im Büro wird er weniger vermissen. Den Wald auch nicht, denn da will er sich weiterhin aufhalten.
Die Buchen und Eichen, die sollen nicht weichen – zumindest nicht, wenn es nach Norbert Flierl geht. Hier im Wald, östlich von Neusitz im Landkreis Ansbach, ist er gern. Die Luft riecht feucht und waldig, ein paar goldene und braune Blätter hängen noch an den Bäumen. Einen vertrockneten Ast – der Noch-Leiter des Forstbetriebs Rothenburg kann es gar nicht sehen – bricht er vorsichtig vom Baum ab.
Jetzt passt das Bild: „Wir sehen hier das perfekte Beispiel für klimagerechten Waldumbau“, sagt er. Norbert Flierl steht auf Laub und ist von Buchen und Eichen umgeben. Sie kommen in Zeiten des Klimawandels mit Hitze, Sturm und weiteren extremen Wetterereignissen besser klar. Dass der Waldumbau in den vergangenen Jahren in vielen Teilen seines Gebietes gelungen ist, freut den Forstwirt. Er selbst hat viel gesät und gepflanzt. „Der Waldumbau ist ein Highlight in meinem Arbeitsleben“, meint er.
Als Norbert Flierl im Jahr 1987 seine forstwirtschaftliche Laufbahn begann, prägten noch Fichten und Kiefern den Wald. „In meinem Arbeitsleben hat sich der Wald massiv verändert“, sagt Norbert Flierl.
Als junger Mann hat der gebürtige Münchner an der LMU München Forstwissenschaft studiert. Wegen der Familie ist er 1987 nach Rothenburg gezogen. „Ich habe eine innige Verbindung zur Gegend und ihrer forstwirtschaftlichen Geschichte“, meint der heute 65-Jährige.
Nach dem ans Studium anschließende Referendariat trat Flierl im Jahr 1989 in die Bayerische Staatsforstverwaltung ein. Bis 2005 ist war er dort in verschiedenen Funktionen tätig, unter anderem im Leitungsdienst der ehemaligen Forstämter Gunzenhausen, Uffenheim, Rothenburg, und Neustadt sowie an der Oberforstdirektion Ansbach.
Mit Gründung der Bayerischen Staatsforsten im Jahr 2005 wurde ihm die Stelle des stellvertretenden Forstbetriebsleiters Rothenburg übertragen. Seit 2013 ist er einer von zehn Revierleitern bei den Bayerischen Staatsforsten. 20.000 Hektar an Waldfläche unterstehen seinem Revier. Vorstellen dürfe man sich das nicht als große Fläche, sondern eher „wie einen Streuselkuchen“, beschreibt Flierl. Sein Gebiet ist aufgeteilt in 170 isolierte Einzelflächen. Zwischen den Gebieten der Bayerischen Staatsforsten liegen immer wieder Privatwälder. Um „seinen“ Wald zu erkunden, ist Flierl in seinem Arbeitsleben unzählige Autostunden gefahren.
„Ich habe es nicht geschafft, überall einmal vorbeizufahren“, meint er. Waldflächen von einem halben bis einem Hektar hat er sogar bewusst nicht besucht. Als Forstrevierleiter hatte er schon immer viel zu tun, in den vergangenen Jahren ist es noch mehr geworden. „Man muss Prioritäten setzen. Zeitlich ist nicht alles drin“, sagt er.
Gemeinsam mit seinem Team, das aus rund 55 Menschen besteht, hat Flierl in den vergangenen Jahren ökologische, ökonomische und öffentliche Aufgaben umgesetzt. Will heißen: Holz wurde geerntet und regional vermarktet, der Naturschutz vorangetrieben und die Funktion des Waldes als Erholungsgebiet sichergestellt.
Diese Aufgaben waren laut dem 65-Jährigen manchmal schwierig zusammenzubringen. Zum Beispiel der Naturschutz und das wirtschaftliche Arbeiten im Wald harmonieren nicht immer. Im Zweifelsfall würden die Ziele im Naturschutz höher gehängt betont Flierl. Wenn Biber neu gepflanzte oder junge Bäumchen auf dem Gebiet der Staatsforsten fällen, darf sich Flierl höchstens ärgern. „Ansonsten muss ich die Tiere schalten und walten lassen, wie sie wollen.“
Auch in Sachen Naturschutz und Wald als Erholungsgebiet gab es Konflikte. Seit der Corona-Pandemie hat der selbst leidenschaftliche Mountainbiker beobachtet, da „nutzen die Menschen den Wald als Kulisse für jedwede Sportart. Dabei missachten sie Regeln, im Zusammenleben von Mensch und Natur. Es tut mir weh, wenn sie durch die Bestände fahren und alles zerstören“, bedauert Flierl.
Ohne etwas zu zerstören, als Spaziergänger oder umsichtiger Fahrradfahrer möchte er in seinem Ruhestand wieder mehr Zeit im Wald verbringen. In den vergangenen Jahren saß er viel am Computer.
Denn nicht nur der Wald, sondern auch das Berufsbild eines studierten Forstwissenschaftlers hat sich in letzter Zeit massiv verändert. Zu seinen Anfangszeiten im Forstbetrieb sei Flierl noch zu 60 bis 70 Prozent im Wald gewesen. „Ich kannte jeden Stecken im Wald.“ Doch zum Erstellen von Finanzplänen, fürs Controlling und weitere Aufgaben „sind wir immer mehr im Büro als im Wald“, sagt er.
Die längeren Bürozeiten sind ein Grund, warum er sich ein Jahr vorher freiwillig zum Ende des Jahres in den Ruhestand verabschiedet.
„Doch ich bleibe dem Wald und dem Forstbetrieb treu“, versichert er. Als Rentner möchte er sich weiter intensiv einbringen. Unter anderem will er gemeinsam mit dem Bund Naturschutz ein Waldstück an der Grenze zu Baden-Württemberg ökologisch bewirtschaften.