Erosionsschutz im Ackerbau, das Zurückhalten von Wasser in der Fläche nach Starkregenfällen: Das und noch vieles mehr sind Themen, mit denen sich Landwirte auseinandersetzen müssen. Werner Winnerlein aus Neuhof an der Zenn bearbeitet schon seit gut 15 Jahren seine Flächen nach dem nun vom Programm „boden:ständig“ angeregten Verfahren – mit Erfolg.
Mit dieser Initiative sollen mehr Bauern dazu animiert werden, ebenfalls einzusteigen. Das Programm will Möglichkeiten aufzeigen, Wasser gerade nach sintflutartigen Niederschlägen in der Fläche zu speichern und es dann langsam abfließen zu lassen, um so Überschwemmungen und den Abtrag von fruchtbarem Boden möglichst zu verhindern. Die Förderung von Umsetzungsbegleitern und des Planungsbüros übernimmt das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Mittelfranken. Auch das ist ein Anreiz für einige Kommunen und vor allem für die Landwirte und Verpächter, daran teilzunehmen. Denn: Ohne sie geht nichts.
Werner Winnerlein und dessen Sohn Lukas, die gemeinsam den Vollerwerbsbetrieb in Straußmühle (Gemeinde Neuhof) bewirtschaften, haben rund 100 Milchkühe und ebenso viele Rinder. Um diese zu versorgen, hilft die Frau von Werner Winnerlein mit. Rund zweieinhalb Stunden dauert es morgens und abends, bis die Arbeit im Stall erledigt ist. Neben den Tieren gibt es als zweites Standbein noch den Ackerbau. Das Grünland nimmt 32 Hektar der Fläche ein, das Ackerland umfasst 80 Hektar.
„Beim Grünland ergibt sich aufgrund des Bewuchses keine Erosion“, sagt Winnerlein senior und ergänzt, dass es dort auch keine Probleme mit großem Bodenabtrag gibt. Anders kann es da bei den Ackerflächen aussehen: Hier bringt eine ganzjährige Bodenbedeckung, etwa durch Zwischenfrüchte oder Untersaaten, so einiges. Stoppelfelder, die über den Winter unbewirtschaftet bleiben, um den Boden zu schützen, sind ideal.
Seit gut 15 Jahren beschäftigt sich Werner Winnerlein mit der Frage, wie man Erosionen verhindern kann. Lösungen, wie die oben genannten, bringen jede Menge und haben sich bewährt. Der heute 55-Jährige tat sich mit sechs weiteren Landwirten zusammen, die gemeinsam eine Maschinengemeinschaft gründeten.
So können die Kosten für die benötigten, immer größer und teurer werdenden Maschinen geteilt werden. Zudem wurde eine Vollzeitkraft eingestellt. Darüber hinaus helfen sich die Mitglieder der Gemeinschaft, etwa wenn jemand erkrankt, gegenseitig aus. Auch das ist ein Gewinn für alle, resümieren die Winnerleins.
Mit Blick auf eine erosionsmindernde Bodenbearbeitung, die man auch im Rahmen des Programms „boden:ständig“ empfiehlt, nutzt man etwa pfluglose Bodenbearbeitungsmethoden. Eingesetzt werden beispielsweise Grubber. Mit diesen landwirtschaftlichen Geräten wird der Boden aufgelockert. Die Fläche werde sauber und das Unkraut natürlich bekämpft, so die beiden Landwirte aus Straußmühle. Damit der Boden nicht blank bleibt und um Erosionen vorzubeugen, erfolgt anschließend eine Mulchsaat.
Um die Abflussgeschwindigkeit des Regenwassers zu verringern, wird der Boden auf den Flächen der Winnerleins auch quer zum Hang bearbeitet. Während das in der Gemeinde Neuhof vielerorts gut gehe, sei das andernorts kaum möglich, da die Parzellen im Rahmen der Flurbereinigung so geschnitten wurden, dass eine Querbearbeitung kaum machbar ist – vor allem mit großen Maschinen, sagen die Winnerleins. Die Folge: Es wird weiterhin hang-aufwärts gewirtschaftet.
Erfolgversprechend ist auch eine bestimmte Gestaltung der Fruchtfolge. Zwischenfrüchte stabilieren mit ihren Wurzeln den Boden, verbessern dessen Struktur und bauen so langfristig Humus auf. Zudem binden sie Nährstoffe, heben Vater und Sohn hervor. Für den 23-Jährigen stand schon früh fest, dass er – wie sein Vater und Großvater auch – Landwirt werden möchte.
Angebaut wird neben Silomais, Wintergerste, Winterweizen und Winterraps auch Kleegras. Die Winnerleins, deren Vorfahren ganz lange eine Mühle betrieben hatten, heben hervor, dass Winterraps zu den wenigen Früchten gehöre, die den Boden elf Monate lang bedecken – Ende August ausgesät, wird er erst im Juli des folgenden Jahres geerntet.
Im Gespräch mit unserer Zeitung rückt auch der Maschineneinsatz in den Fokus. Bei ihnen ist eine bodenschonende Bereifung Pflicht. „Bei der Fahrt im Acker wird der Reifendruck bis auf 0,8 bar gesenkt. Breite Reifen tragen darüber hinaus dazu bei, die Bodenverdichtung zu verringern.“
Der Vorteil: Lockerer Boden kann das Wasser besser aufnehmen und speichern. Lukas und Werner Winnerlein merken, dass sich die von ihnen praktizierte Form der Bodenbearbeitung nach dem System von „boden:ständig“, die auch die anderen Mitglieder ihrer Maschinengemeinschaft praktizieren, auszahlt. „Die Bodenstruktur und die Erträge verbesserten sich deutlich. Die Erosion wurde verringert.“ Dies möchten sie nun auch ihren Bauern-Kollegen aus Ober- und Unterfeldbrecht näherbringen. Gerade in Zeiten des Klimawandels und zunehmender Starkregenereignisse sollten sich Landwirte Gedanken machen, wie man sich vor Schäden schützen kann. Dass es geht, dafür sind die Winnerleins und etliche Mitstreiter gute Beispiele – Nachahmung empfohlen