Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Hergersbach sind genervt und fühlen sich allein gelassen: Seit zwölf Jahren sorgen Biber in dem Windsbacher Ortsteil für Probleme. Die streng geschützten Nager gefährden auch die Löschwasserversorgung. Die Stadt ist mit dem Landratsamt Ansbach in Kontakt.
Über Jahrzehnte war die Versorgung mit Löschwasser, das in einem Weiher außerhalb von Hergersbach gesammelt wird, kein Thema, wie Feuerwehr-Kommandant Jürgen Reck erklärt. Im Brandfall wurde der Mönch des Weihers geöffnet, das Wasser floss über den Hergersbächl in den Ort und wurde dort gestaut. Das hat nur wenige Minuten gedauert, wie Christian Hechtel von der Feuerwehr zurückblickt.
Jetzt würde es etwa 23 Minuten dauern, wie die Kameraden bei einer Übung gestoppt haben. „Das ist zu lang“, betont Reck, immerhin zähle im Ernstfall jede Sekunde. Der Grund: Vor etwa zwölf Jahren haben sich Biber in dem Gebiet breit gemacht, fühlen sich gerade im Bereich rund um Weiher und Bach sehr wohl. Sie bauen nicht nur Dämme im Bach, sondern bauen auch den Mönch zu, ziehen zusätzliche Gräben ein und graben das Ufer des Weihers ab.
Fünf bis sechs Dämme sind es, die die Biber in dem Bereich bauen, wie Hans Schopf schätzt. Die Stadt entfernt die Bauwerke regelmäßig, was natürlich auch Kosten verursache, betont Matthias Seitz. Der Bürgermeister stellt klar, dass sich die Hergersbacher Sorgen machen, falls es brennt und kein Wasser zur Verfügung steht. „Seit wir das Problem mit dem Biber haben, hat es noch nicht gebrannt“, sagt Reck. „Das möchte ich auch nicht erleben, dass etwas abbrennt, weil kein Wasser zur Verfügung steht“, ergänzt Hechtel.
Feuerwehr und Bürgermeister wollen erreichen, dass sie von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt eine dauerhafte Entnahmeerlaubnis bekommen. Bislang bissen die Verantwortlichen auf Granit, was bei ihnen für Kopfschütteln sorgt. Es bestehe eine Gefahr für Leib und Leben, erklären sie. Grundsätzlich sei es gut, dass die Tiere hier seien, so Hechtel. Dann müssten sie im Zweifel aber auch bejagt werden.
Die ablehnende Haltung der Behörde liegt auch daran, dass sie Alternativen zur Entnahme, was meist die Tötung der Tiere bedeutet, sieht. Eine davon: den Bau eines unterirdischen Löschwassertankes samt Pumpen und Rohrleitungen. Laut Bürgermeister Seitz kostet dies mindestens einen unteren sechsstelligen Betrag. Dieser muss mit eigenen Mitteln aus dem städtischen Haushalt finanziert werden, staatliche Zuschüsse gibt es dafür wohl nicht.
„Das löst auch das Problem mit den Bibern nicht“, stellt Kommandant Reck klar. Was helfen könnte aus Sicht der Hergersbacher: eine dauerhafte Entnahmeerlaubnis. Die Stadt Windsbach ist so weit, dass sie auch rechtliche Schritte einleiten würde, wie Seitz sagt. „Aber das wollen wir nicht.“ Zusätzlich für Kopfschütteln sorgt Seitz zufolge, dass im angrenzenden Landkreis Roth solche Genehmigungen erteilt werden.
Im Moment befinden sich die Stadt Windsbach und das Landratsamt im Austausch, wie Pressesprecher Fabian Hähnlein erklärt. Nach seinen Worten ist eine wiederholte Entnahme des Nagers grundsätzlich kein geeignetes Mittel, um eine gesicherte, dauerhafte Versorgung mit Löschwasser zu gewährleisten – auch weil mit einer Wiederansiedlung zu rechnen ist. Trotzdem prüfe die Behörde erneut, ob einer Entnahme zugestimmt werden könne, so Hähnlein.
Im Rahmen der Abstimmung müssen noch einige Punkte geklärt werden, wie der Pressesprecher des Landratsamtes ausführt. Zum einen muss geprüft werden, welchen Anteil der Weiher an der Löschwasserversorgung überhaupt hat. Zum anderen muss erörtert werden, welche zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen umgesetzt werden können. Als Beispiele nennt er eine Ablaufsicherung am Mönch und eine dauerhafte Rohrleitung.
Und was sagt das Landratsamt in Roth? Wenn Biber erhebliche Schäden anrichten oder eine Gefahr für Leib und Leben besteht, könne es durchaus sein, dass eine Entnahmegenehmigung erteilt wird, berichtet Klaus Schmidt, Sachgebietsleiter Natur- und Emissionsschutz.
Er macht aber auch deutlich, dass jeder Einzelfall geprüft werden muss und dass die „Entnahme die letzte Möglichkeit ist“. Zu dem Eindruck der Hergersbacher, dass es im Landkreis Roth einfacher ist, eine solche Genehmigung zu bekommen, äußert sich Schmidt ebenfalls: „Wir hören auch immer, dass es bei uns besonders schwierig ist“, eine solche Genehmigung zu bekommen.