Die politische Gemeinde und die evangelische Kirchengemeinde Lichtenau wollen bei der Jugendarbeit gemeinsame Sache machen. Im Raum stand die Idee, das Jugendzentrum ins Gemeindehaus umziehen zu lassen, um daraus ein gemeinsames Jugendhaus zu machen. Ein deutlicher wirtschaftlicher Nutzen für Lichtenau ist auf den ersten Blick nicht erkennbar. Durchsetzbar wäre der Umzug nur gegen massive Widerstände.
Denn die Kinder und Jugendlichen, die das kommunale Jugendzentrum beim Rosengarten nutzen, und auch Einrichtungsleiterin Heike Rosenkranz sind kategorisch dagegen, die großzügigen Räumlichkeiten aufzugeben. Dies haben sie bei ihrem Besuch im Marktgemeinderat nachdrücklich klar gemacht.
Um alle unterzubringen, musste im Ratssaal ordentlich zusammengerückt werden. Mit Kindern, Eltern und den Pfadfindern, die aktuell gemeinsam mit der Jungschar und dem Posaunenchor das evangelische Gemeindehaus nutzen, brachte es die Gruppe auf rund 40 Personen.
Im März hatte Pfarrer Claus Ebeling als Repräsentant der Kirche die Idee vorgestellt, die Jugendarbeit unter einem Dach zusammenzuführen und dadurch Synergieeffekte zu nutzen. Am Rosengarten werde dadurch Platz für ein Café, das die schrumpfende Gastronomieszene im Ort aufwerten könne. Ob sich dafür überhaupt ein Betreiber fände, ist jedoch nach aktuellem Stand unklar.
Jetzt sprach Rosenkranz für die Kinder und Jugendlichen und erläuterte, warum die Standards der aktuellen offenen Jugendarbeit andernorts kaum aufrecht zu erhalten seien. „Am jetzigen Standort verfügen wir über einen großen Saal. Dieser ist das Herzstück unserer offenen Arbeit und wird üblicherweise von 20 bis 40 Personen und zu Sonderveranstaltungen sogar von bis zu 80 Personen gleichzeitig genutzt.“
Dies fördere das soziale Miteinander über die Grenzen von Cliquenbildungen und Altersgruppen hinaus. Außerdem stehen dort Außenanlagen mit einer Terrasse und einer Tischtennisplatte zur Verfügung, und auch der Rosengarten kann genutzt werden. Dies sei für Kinder nach einem langen Schultag wichtig, um ihren Bewegungsdrang auszuleben. Der andere Standort könne nichts Gleichwertiges bieten.
Im evangelischen Gemeindehaus müssten sich die Jugendlichen auf mehrere kleinere Räume und zwei Etagen verteilen, mit großen Nachteilen für die pädagogische Arbeit und die Aufsichtspflicht. „Um die Aufsicht zu gewährleisten, müsste mindestens eine zusätzliche pädagogische Kraft eingestellt werden.“ Bisher sei die Aufsicht alleine möglich.
„Landkreisweit haben wir mit die am besten funktionierende Jugendarbeit. Das hat auch mit den Räumlichkeiten zu tun.“ Für den Verbleib der Einrichtung an der alten Adresse wurden bereits über 100 Unterschriften gesammelt.
Wenn die evangelische Kirchengemeinde ihr Gemeindehaus künftig anders nutzen wolle, könne man die drei Pfadfindergruppen gern ins Jugendzentrum integrieren. „Wir müssten die Öffnungszeiten eventuell ein bisschen umstellen. Es wäre aber machbar.“ Nach einer schriftlichen Stellungnahme der Pfadfinder wären auch diese nicht abgeneigt. Jungschar und Posaunenchor fänden im Haus der Begegnung noch Platz. Das Gemeindehaus wäre damit frei.
Auch Kreisjugendpfleger Johannes Gehring und Beatrix Friedsmann, Geschäftsführerin des Kreisjugendrings, hatten eine schriftliche Stellungnahme verfasst. Darin bewerten sie den möglichen Umzug in die kirchlichen Gemeinderäume als Verschlechterung. „Jugendzentren sind bewusst konfessionsunabhängige Freiräume, die Jugendlichen ermöglichen, sich ohne institutionellen oder ideologischen Einfluss frei zu entfalten.“
Vertreter aller Fraktionen bekannten sich daraufhin zum Fortbestand der Jugendarbeit. „Die Jugendarbeit ist uns viel wert und unser Geld in diesem Bereich gut angelegt“, sagte Bürgermeister Markus Nehmer (SPD). Wo sie stattfände, sei aber zweitrangig, solange sie qualitativ hochwertig und in ein gutes pädagogisches Konzept eingebettet sei.
„Das Landratsamt zieht die Schlinge immer stärker zu und fordert uns zum Sparen auf“, gab zweiter Bürgermeister Friedrich Bauer (UWG) zu bedenken. Das Zusammenlegen der Einrichtungen sei das Mindeste.
Wie Bürgermeister Markus Nehmer auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte, gebe es jedoch keine belastbaren Zahlen darüber, inwiefern der Markt Lichtenau durch den Umzug des Jugendzentrums ins evangelische Gemeindehaus in substanzieller Höhe Mittel sparen würde. Statt eine eigene Liegenschaft zu betreiben, müsste Miete an die Kirchengemeinde entrichtet werden. Durchgerechnet, was günstiger kommt, sei noch nicht. Bevor der Marktgemeinderat entscheidet, sollen Ortstermine im Jugendzentrum und im Gemeindehaus angesetzt werden.