Die Firma Knauf mit Sitz im unterfränkischen Iphofen plant voraussichtlich ab 2027/28 südlich von Berolzheim übertägig Gips zu gewinnen. Uwe Schirmer, Betriebsleiter Rohstoffgewinnung Franken, stellte das Vorhaben dem Stadtrat vor.
Das Unternehmen sei einer der weltweit führenden Hersteller von Baustoffen auf Gipsbasis. Naturgips komme bei gipsbasierten Baustoffen, dem Zuschlagstoff Zement, aber auch bei Düngemitteln zum Einsatz. Der Natur-Gips, der aus Steinbrüchen oder Bergwerken stammt, mache derzeit in der Versorgung etwa 55 Prozent aus. Gips, der aus den Rückständen von Rauchgasentschwefelungsanlagen gewonnen wird, liege bei etwa 43 Prozent, erläuterte Uwe Schirmer.
Mit der geplanten Abschaltung von Kohlekraftwerken in 2038 falle eine wichtige Gipsquelle weg. Mit Naturgips soll versucht werden, diese Lücke zu decken. Der Betriebsleiter gab einen Einblick in die Regionalplanung Westmittelfranken – betreffend der Bodenschätze – und zeigte Vorrang- und Vorbehaltsflächen. Beide sind in Berolzheim vertreten.
Rund 70 Hektar umfasst das Gebiet, in dem südlich des Bad Windsheimer Ortsteil abgebaut werden soll. „Der Abbau wird sukzessive durch das Areal geführt. Wir öffnen nicht alles auf einmal“, erklärte Uwe Schirmer dem Gremium. „An offener Fläche werden wir stets ein bis zwei Hektar haben.“
Bereits abgebautes Gebiet wird direkt verfüllt und renaturiert oder rekultiviert, so dass der Eingriff in die Natur nur vorübergehend ist und überschaubar bleibt. Parallel zum Abbau finden zudem laufende Ausgleichsmaßnahmen wie Blühstreifen statt.
In der Gipslagerstätte bei Berolzheim lagern schätzungsweise rund 4,5 Millionen Tonnen des Gesteins, informiert Uwe Schirmer im Nachgang der Sitzung auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Rohstoffgewinnung finde nur tagsüber statt und werde im Westen des Geländes beginnen. Der Steinbruch „wandert“ daraufhin Richtung Osten. Bei Berolzheim werde man etwa zwölf Meter Abbauüberlagerung haben, darunter befinde sich das Gipslager. Abgebaut werde dann bis zum Grenzdolomit. Das gewonnene Gipsgestein wird per Lastwagen über eine neue Umgehungsstraße abtransportiert.
Der Verkehr wird nicht durch den Ort führen, stellte Uwe Schirmer klar. Der Betriebsleiter zeigte einige Praxisbeispiele für den Gipsabbau, beispielsweise den Steinbruch bei Ergersheim oder auch Markt Nordheim. Die Genehmigung für den Abbau müsse das Bergamt Nordbayern erteilen. Ein umfassendes Genehmigungsverfahren sei dafür nötig, bei dem sich Gemeinden und Bürger beteiligen können. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung gehöre ebenfalls dazu.
„Abbauvorhaben dieser Art und die dazugehörigen Genehmigungsprozesse bauen in Deutschland auf viel Erfahrung und Expertise auf. Alle Aspekte werden vorab geprüft und sämtliche Auswirkungen werden von unabhängigen Gutachtern festgestellt – etwa in Bezug auf den Wasserlauf“, so Uwe Schirmer.
„Ein hydrogeologisches Gutachten wird erstellt, um auszuschließen, dass das lokale Trink- und Grundwasser beeinträchtigt wird. Dieses wird auch vom zuständigen Wasserwirtschaftsamt geprüft und dient als Grundlage für weitere Planungen im Abbaugebiet. Es werden Grundwasser-Messstellen eingerichtet, anhand derer die Höhenlage des Grundwasserleiters, die Fließrichtung und der Grundwasserpegel laufend überwacht werden. Klar ist: wir dürfen nur Gips abbauen, wenn das Wasser in der Region um Berolzheim sicher ist und bleibt.“
Umgesetzt werden kann der Gipsabbau auf Flächen, die dem Unternehmen gehören, alternativ werden Abbauverträge mit Eigentümern geschlossen. In Berolzheim habe man sich bereits 85 Prozent der Grundstücke über solche Verträge sichern können, erläuterte Betriebsleiter Schirmer. „Verkaufen wollte keiner was.“
Eine Reihe an Fragen hatte im Anschluss Annemarie Bruckert (Grüne), die im Stadtrat auch Referentin für Umwelt und Natur ist. Sie erkundigte sich nach dem zeitlichen Horizont für das Vorhaben. Die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung laufe ein Jahr. Das bergrechtliche Genehmigungsverfahren zu dem Vorhaben könnte nach heutigem Stand Ende dieses Jahres beginnen. Wie lange dann letztlich abgebaut wird, sei mit dem Blick in die Glaskugel gleichzusetzen, so Schirmer. Rund 15 bis 20 Jahre könnten es aber werden.
Als Knauf 2019 bei Burgbernheim abgebaut hatte, sei es zum „Versiegen der Aisch“ gekommen“, sprach Annemarie Bruckert einen Fall aus der Vergangenheit an. Schirmer gab in diesem Zuge einen kurzen Einblick in den damaligen Sachverhalt, und betonte, dass man daraus Lehren gezogen habe.
Er erläuterte: Ja, der Quelltopf der Aisch war nach dem Beginn des Gips-Abbauvorhabens nordöstlich von Burgbernheim temporär versiegt. „Knauf hat umgehend, nachdem der Wasserzufluss im Tagebau eintrat, reagiert und mit den Behörden Maßnahmen vereinbart, um den Wasserzufluss in den Steinbruch zu stoppen. Die Aischquelle fließt wieder wie vorher, ein Schaden wurde abgewendet. Das Wasser, das in der Quelle fehlte, wurde abgepumpt und direkt den anderen vorhandenen Bächen der Aisch zugeführt. Somit führte ein Abschnitt von etwa zwei Kilometern temporär weniger Wasser – dieses floss aber in den anderen Bächen ungehindert weiter. Die Wassermenge der Aisch wurde zu keinem Zeitpunkt von uns beeinflusst.“
Wie Bürgermeister Jürgen Heckel (WiR) erklärte, werde das Verfahren nun angestoßen. In dessen Zuge werde die Stadt auch beteiligt. Bei einer Bürgerversammlung in Berolzheim soll zudem zu gegebener Zeit die Öffentlichkeit informiert werden.