Wertvolle Alltagshilfe für Menschen im Raum Bad Windsheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.06.2025 09:00

Wertvolle Alltagshilfe für Menschen im Raum Bad Windsheim

Yvonne Gräf-Schwarz (Mitte) hilft gerne, zum Beispiel dem Ehepaar Barbara und Heinz Hoech beim Pflanzen von Blumen. (Foto: Sebastian Gräf)
Yvonne Gräf-Schwarz (Mitte) hilft gerne, zum Beispiel dem Ehepaar Barbara und Heinz Hoech beim Pflanzen von Blumen. (Foto: Sebastian Gräf)
Yvonne Gräf-Schwarz (Mitte) hilft gerne, zum Beispiel dem Ehepaar Barbara und Heinz Hoech beim Pflanzen von Blumen. (Foto: Sebastian Gräf)

Immer mehr Menschen brauchen im Alter jemanden, der im Alltag mit anpackt. Beim Pflanzen von Blumen, beim Einkauf oder beim Arztbesuch. Yvonne Gräf-Schwarz ist so jemand, der stundenweise vorbeischaut und unterstützt. Dafür hat sie sich weitergebildet und nun selbstständig gemacht. Ihr erstes Fazit: „Der Bedarf ist groß.“

Es gibt diesen einen roten Faden im Leben von Yvonne Gräf-Schwarz, der sich durchzieht: die Freude daran, mit Menschen zu arbeiten, die Hilfe brauchen. Dass dieses Bedürfnis in die Selbstständigkeit gemündet hat, verdankt sie ihrem Wunsch nach Veränderung, ihrem persönlichen Engagement und ihrem Mut.

Im Heim kaum Zeit für Gespräche

Nach einer Ausbildung zur Kauffrau und während ihrer Elternzeit hatte sie zusätzlich einen Lehrgang zur Hauswirtschafterin absolviert. Anschließend war sie zwei Jahre lang in einem Seniorenheim angestellt. „Dort habe ich immer nur wenig Zeit gehabt, mich mit den alten Menschen zu unterhalten“, sagt sie. Dabei habe sie genau das so gerne getan und auch gespürt, dass ihrem Gegenüber diese Art der Zuwendung gut getan habe. Anschließend folgten zwölf Jahre in der Camphill-Dorfgemeinschaft Hausenhof als Hauswirtschafterin.

Irgendwann drängte sich dann bei der 47-Jährigen der Gedanke auf: „Das kann beruflich doch noch nicht alles gewesen sein, da muss noch was kommen.“ Also besuchte sie ein Seminar zur Unternehmensentwicklung und schrieb einen Businessplan. Sie ließ sich zur Alltagsbegleiterin weiterbilden, mit dem Schwerpunkt Demenz. Das alles tat sie mit dem Wunsch, sich als Alltagsbegleitung und als Anbieterin haushaltsnaher Leistungen selbstständig zu machen – und zwar nebenberuflich. Den anderen Teil ihrer beruflichen Zeit wollte sie weiterhin für ihren damaligen Arbeitgeber, die Lebenshilfe, tätig sein.

Doch nachdem sie mit ihrer Tätigkeit von der Fachstelle für Demenz und Pflege Bayern anerkannt worden war und bei Pflege- und Krankenkassen sowie Unfallversicherungen gelistet war, kam ein Auftrag nach dem anderen rein. Daraufhin war für Gräf-Schwarz schnell klar, dass sie komplett in die Selbstständig gehen würde. „Das fühlt sich jetzt richtig gut an und mich macht diese Arbeit sehr zufrieden“, sagt sie.

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Die Aufgaben variieren stark

Aktuell unterstützt sie Personen in acht Haushalten. Und so unterschiedlich die Menschen und ihre Bedürfnisse sind, so verschieden sind auch der Hilfebedarf und damit ihre Einsätze. Meist bleibt sie zwei Stunden. Während dieser Zeit kann sie sich voll und ganz auf den Menschen vor sich konzentrieren und sich nach dem richten, was derjenige gerade möchte oder braucht. „Während die Einsätze von Pflegekräften streng getaktet sind und meist keine Zeit bleibt, mit den Menschen persönlich zu reden, kann ich genau das tun und gezielt auf sie eingehen.“

Wenn jemand gerade einfach nur erzählen möchte, hört Gräf-Schwarz zu. Wenn er oder sie sich in Erinnerungen und Fotoalben verlieren möchte, taucht die 47-Jährige auch hier gerne voll und ganz mit ein. Für sie sind all diese Geschichten neu, während Angehörige sie meist schon über Jahrzehnte hinweg immer wieder gehört und keine Geduld mehr hätten, sie sich noch einmal anzuhören.

Dabei sind Erinnerungen gerade für Menschen wichtig, die an Demenz erkrankt sind. Darüber und über ihre Gefühle seien sie gut zu erreichen. Und während Gräf-Schwarz selbst häufig ein bisschen Zeit braucht, um sich auf den neuen Menschen einzustellen, geht es andersherum häufig sehr schnell. Sobald die erste Unsicherheit abgebaut ist, herrsche Vertrautheit.

Dann schaut die 47-Jährige zum Beispiel darauf, was den Senioren früher wichtig gewesen ist und was sie heute aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen möglicherweise nicht mehr eigenständig tun können. In einem Fall sei derjenige gerne in eine Gärtnerei gefahren, habe Blumen gekauft und seinen Garten damit verschönert. „Allein war das nun nicht mehr möglich, also haben wir es zusammen gemacht.“

Schnell ist man Teil der Familie

Oder aber sie übernimmt Reinigungsarbeiten im Haushalt. Da kann der Abwasch des Geschirrs schon einmal zum intensiven Ausflug in die Vergangenheit werden. Denn jedes Stück hat mitunter eine eigene Geschichte, ist ein Geschenk gewesen oder man hat lange darauf gespart, um es sich kaufen zu können. Von all dem erzählen die Klienten der 47-Jährigen gerne und ausführlich.

Für die Alltagsbegleiterin gehört auch der regelmäßige Kontakt zu den Angehörigen zur Arbeit dazu. Im Dialog mit ihnen sei vieles einfacher und alle Seiten würden vom Austausch profitieren. Dadurch bekommt sie automatisch tiefe Einblicke in die Familien und muss mitunter darauf achten, dass sie Beruf und Privates gut voneinander trennt.

Denn „dazuzugehören“ und damit Teil eines familiären Systems zu sein, bedeutet immer auch: Irgendwann wird man zu Familienfesten eingeladen. In solchen Fällen eine Balance zwischen Nähe und Distanz zu wahren, dafür braucht es ein gutes Fingerspitzengefühl. Das habe sie zwar, aber mitunter falle es ihr durchaus schwer, „Nein“ sagen zu müssen. Doch ihre eigene Familie hat Priorität: „Mein Wochenende gehört ihr.“

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