Auch Menschen mit geistiger Behinderung dürfen bei der Europawahl ihre Stimme abgeben. Damit sie eine gut begründete Entscheidung treffen können, gibt es Informationen in einfacher Sprache. Darum geht es in diesem Teil der FLZ-Serie zur Europawahl.
Demokratische Entscheidungen sind Christian Döring wichtig. Er vertritt als gewählter Werkstattrat seit drei Jahren die Interessen der Beschäftigten in der Diakoneo-Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Rothenburg und darüber hinaus auf Bezirksebene. Und in jungen Jahren war er zudem Schülersprecher. Informationen holt er sich in erster Linie in den sozialen Netzwerken. Dort sind die Texte aber oft schwer zu verstehen.
Deswegen nutzt Christian Döring in letzter Zeit auch die Infos in leichter Sprache, die zur Europawahl angeboten werden. „Früher wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt“, berichtet er. Wichtig ist ihm, dass Politiker sich für Menschen mit Behinderung einsetzen und ihre Worte auch umsetzen. Außerdem liegt ihm eine nachhaltige und gut organisierte Politik am Herzen.
In der Werkstatt sind Informationen verfügbar, wie die Wahl funktioniert. Wer kann, liest sie selbst, ansonsten können es sich die Beschäftigten erklären lassen. Werkstattleiter Willi Ulm ist es wichtig, dass die Aufklärung auf Augenhöhe durch den Werkstattrat selbst erfolgt: Alle sollen verstehen, worum es geht und „jeder muss sich selbst Gedanken machen“. Für ihn ist das „ein Stück Inklusion“. In den Wohnbereichen informiert das Sozialunternehmen Diakoneo die Menschen mit Behinderung, die dort leben, ebenfalls.
Klar ist für ihn und viele seiner Werkstatt-Kolleginnen und Kollegen, dass er sein Wahlrecht bei der Europawahl nutzen wird. Für welche Partei sich Christian Döring entscheiden wird, ist aber noch offen. Erst im Wahllokal wird er sein Kreuz setzen.
Christian Döring, 37 Jahre, ist im Lager der Diakoneo-Werkstatt für Menschen mit Behinderung Rothenburg für vielfältige Aufgaben zuständig. Er wohnt auch in der Stadt Rothenburg. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er in Hessen. Aus familiären Gründen kam er nach Franken.