„Wer kommt, ist da“: Hospizverein Neustadt hilft Trauernden mit Spaziergängen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.08.2024 10:00

„Wer kommt, ist da“: Hospizverein Neustadt hilft Trauernden mit Spaziergängen

Betreuen für den Neustädter Hospizverein die Trauerspaziergänge: Ute Neumeister, Stefan Koch und Claudia Pfundmeier (hinten von links) sowie Ivonne Ochs und Inge Göß (vorne von links). (Foto: Johannes Zimmermann)
Betreuen für den Neustädter Hospizverein die Trauerspaziergänge: Ute Neumeister, Stefan Koch und Claudia Pfundmeier (hinten von links) sowie Ivonne Ochs und Inge Göß (vorne von links). (Foto: Johannes Zimmermann)
Betreuen für den Neustädter Hospizverein die Trauerspaziergänge: Ute Neumeister, Stefan Koch und Claudia Pfundmeier (hinten von links) sowie Ivonne Ochs und Inge Göß (vorne von links). (Foto: Johannes Zimmermann)

Ja, die Corona-Pandemie hatte hier und da auch ihre guten Seiten. Ein Beispiel hierfür ist der Neustädter Hospizverein. Mit den Auflagen waren plötzlich keine Trauerkreise mehr möglich. Aber die Trauernden, die einen lieben Menschen verloren, brauchten trotzdem Ansprache. Ergebnis waren Spaziergänge im Wald, die auch heute noch gut angenommen werden.

Am ersten Samstag im Monat wird der Waldbad-Parkplatz in Neustadt ab 10 Uhr zum Sammelpunkt für Trauernde. Die einen jünger, die anderen älter. Doch sie alle eint eines: der Verlust einer nahestehenden Person. Jeder geht damit anders um, betont Ute Neumeister, Leitende Koordinatorin beim Hospizverein. Aber: „Wenn Trauer nicht gelebt wird, kann eine Krankheit entstehen.“ Besonders Männer seien da gefährdet, weil sie sich oftmals verschließen, alles mit sich selbst ausmachen wollen, den Starken spielen.

„Es dauert eben so lange wie es dauert“

Da kommen die Trauerspaziergänge des Neustädter Hospizvereins ins Spiel. Jeder darf vorbeischauen, niemand muss sich anmelden. „Wer kommt, ist da“, sagt Koordinatorin Inge Göß. Manch Teilnehmer ist bereits seit über einem Jahr dabei. Auch das ist kein Problem, betont Neumeister. Schließlich gibt es keinen Zeitplan, ab wann ein Betroffener nicht mehr trauern darf: „Es dauert eben so lange wie es dauert.“ Bevor Trauernde mitlaufen, kann es aber durchaus sinnvoll sein, zuvor das Gespräch mit dem Hospizverein zu suchen, sagt Ute Neumeister. Und wer alleine nicht zurechtkommt, bekommt natürlich Hilfe: „Wir haben auch Psychologen an der Hand“, erklärt Inge Göß.

Alleine, das betont die Hospiz- und Trauerbegleiterin Ivonne Ochs, bleibe jedenfalls niemand länger als eine Viertelstunde, das lehrt die Erfahrung. „Wir sind einfach da, aber niemand muss.“ Die meisten aber wollen, mittlerweile haben sich über die Trauerspaziergänge auch echte Freundschaften entwickelt. Gemeinsam trauern verbindet eben auch.

Manche sprechen offen, andere schweigen

Einige sprechen bei den Spaziergängen sehr offen über ihre Gefühle, berichten vom Unfall, bei dem sie einen Angehörigen verloren haben. Andere hingegen laufen einfach schweigend. Auch das ist natürlich möglich. Stefan Koch, der als Hospizbegleiter neu dabei und im Brotberuf Elektroingenieur ist, sieht das als großen Vorteil. In einem Gesprächskreis in einem geschlossenen Raum fühlen sich manche womöglich gestresst, unter Druck gesetzt. „Viele schauen sich auch einen Gesprächspartner aus und docken dann an“, ergänzt Neumeister.

„Die Trauer verliert ein Stück ihrer Schwere, wenn man in der Natur unterwegs ist“, findet Inge Göß – und Ute Neumeister ergänzt: „Es kann alles raus ins Universum.“ Bei Trauerrunden im Inneren liege eben manchmal eine belastende Schwere auf dem Raum, „wie Blei an den Füßen. Aber im Wald ist alles offen. Wir können den Teilnehmern die Trauer nicht abnehmen, aber wir laufen mit ihnen ein Stück ihres Weges“, im wahrsten Sinne des Wortes. Allgemeingültige Ratschläge gibt es jedenfalls nicht, betont Ute Neumeister. Jeder müsse seinen individuellen Weg finden, damit umzugehen.

Kleine Zwischenstopps mit Impulsen

Während des Spaziergangs gibt es auch immer wieder kleine Zwischenstopps mit Impulsen. Dies kann eine Meditation sein, ein Lied, ein Text oder ein Symbol. „Jeder von uns macht es ein bisschen anders“, sagt Hospizbegleiterin Claudia Pfundmeier. Ute Neumeister hat die Teilnehmer beispielsweise am Flüsschen im Neustädter Stadtpark Oblaten-Herzen ins Wasser legen lassen. Die Person fährt nach ihrem Tod weg, aber bleibt immer im Herzen bestehen.

Ute Neumeister ist es wichtig, die Themen Tod und Trauer zu enttabuisieren. Die Trauerspaziergänge, bei denen im Schnitt zwischen vier und 15 Menschen teilnehmen, sollen ein Schritt in die richtige Richtung sein. Unter dem Blätterdach der Bäume, bei Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Baches lässt sich vieles leichter ertragen. Die Natur als Helfer bei der Trauerbewältigung, darauf setzt der Hospizverein Neustadt.

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