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Veröffentlicht am 23.11.2023 13:11

Wer hat Spaß am Wiesenweihen-Beobachten?

Ein Adlerhorst ist sicherer, doch die Wiesenweihe als ausgewiesener Steppenvogel brütet in der Offenlandschaft auf dem Boden. Zwei Freiwillige im Landkreis suchen in vielen Stunden Arbeit die Nistplätze, um sie zu schützen. Hilfe wäre dabei hoch willkommen. (Foto: Zdenek Tunka/LBV)
Ein Adlerhorst ist sicherer, doch die Wiesenweihe als ausgewiesener Steppenvogel brütet in der Offenlandschaft auf dem Boden. Zwei Freiwillige im Landkreis suchen in vielen Stunden Arbeit die Nistplätze, um sie zu schützen. Hilfe wäre dabei hoch willkommen. (Foto: Zdenek Tunka/LBV)
Ein Adlerhorst ist sicherer, doch die Wiesenweihe als ausgewiesener Steppenvogel brütet in der Offenlandschaft auf dem Boden. Zwei Freiwillige im Landkreis suchen in vielen Stunden Arbeit die Nistplätze, um sie zu schützen. Hilfe wäre dabei hoch willkommen. (Foto: Zdenek Tunka/LBV)

Eine gute Nachricht: Bayernweit verzeichnete die Wiesenweihe ein Rekordjahr. Im Landkreis ist die Bilanz nicht ganz so überwältigend, doch immerhin waren zumindest die Vogelpaare, die es gab, sehr erfolgreich bei ihrer Brut. Das elektrisierende Gefühl, den zierlichen Greifvogel zu erblicken, könnten aber noch mehr Menschen genießen.

Für das Artenschutzprojekt wird dringend tatkräftige Hilfe gesucht.

Der Schutz der Wiesenweihe lastet im Landkreis vor allem auf vier Schultern: Die LBV-Mitglieder Gudrun Pauldrach aus Burgbernheim und Herbert Klein aus Uffenheim wenden seit Jahren viel, viel Zeit auf, der bedrohten Vogelart hier weiter eine Chance zu geben. Je mehr Freiwillige sie dabei unterstützen, desto leichter wäre das.

1973 wurde erstes Paar im Landkreis gesichtet

Klein erinnert sich noch an die Begeisterung, als der agile Greifvogel, dessen Männchen gerade einmal das Gewicht einer Taube erreichen, das erste Mal im Landkreis brütete. Das war 1973. Umso größer war die Enttäuschung, als sich das Paar im folgenden Jahr an seinem Brutplatz umschaute – und weiterzog. Es dauerte lange, bis in die 90er Jahre, bis wieder einzelne Wiesenweihen ihren Horst im Landkreis bauten. Etwa vor 20 Jahren wurde dann ein Artenhilfsprojekt eingeführt, das es dem bedrohten Vogel erleichterte, einen neuen Lebensraum zu besiedeln. Die Moore und Feuchtwiesen, in denen er ursprünglich brütete, gibt es nämlich kaum noch, inzwischen baut er seinen Horst meist im Getreidefeld.

Von den 270 Brutpaaren, die sich dieses Jahr in ganz Bayern niederließen, lebt der Großteil in Unterfranken. 18 Brutpaare waren es aber auch im Landkreis. Das ist im Vergleich mit den Vorjahren kein besonder hoher Wert, erläutert Klein. Allerdings waren die diesjährigen Paare wesentlich erfolgreicher bei der Nachwuchsproduktion: 13 von ihnen machten sich Ende August/Anfang September mit 43 flüggen Jungen auf den weiten Weg ins Winterquartier, das südlich der Sahara liegt. Die Weihen, die man jetzt noch sieht, sind dagegen Kornweihen, die hier überwintern und aus nördlichen und östlichen Ländern kommen.

Von Heupferden wird man nicht proper

Doch zurück zum Bruterfolg der Wiesenweihen: Klein nennt als ersten Grund die vielen Mäuse, die es heuer gibt. Sie sind die Lieblingsnahrung der Vögel. In mäusearmen Jahren wie dem vorigen halten sie sich zwar auch einmal mit Heupferden über Wasser, aber Mäuse sind natürlich nahrhafter.

Außerdem haben die Helfer und Helferinnen die Brutplätze erstmals mit elektrischen Zäunen gesichert. Die Landwirte dürfen nicht über einen Horst fahren und sind meistens auch entgegenkommend, berichtet der passionierte Vogelschützer Klein.

Aber nicht nur das Aufstellen und Abbauen der Zäune ist aufwendig. „Es macht unheimlich Spaß – aber man braucht eine Engelsgeduld“, erzählt Gudrun Pauldrach. Von Ende April/Anfang Mai an beobachten sie und Klein die Weibchen, denn wenn die sich erst einmal in einem Feld niedergelassen haben, sind sie fast gar nicht mehr zu entdecken. Deshalb ist man am besten schon bei der Suche nach dem Nistplatz live dabei.

Klein ergänzt: Schließlich geht die Wiesenweihe auch zum Schlafen auf den Boden. Lange nicht jeder Einflug in ein Feld ist also ein Hinweis auf einen Horst. „Manchmal trickst sie einen ganz schön aus.“ Ein Schauspiel ist es dafür, wenn das Männchen dem Weibchen in der Luft seine Beute übergibt.

Hilfe von außen für zeitaufwendige Aufgabe

Alleine können das Klein und Pauldrach nicht stemmen. Die Koordinierungsstelle für das Wiesenweihen-Projekt in Veitshöchheim stellte ihnen in diesem Jahr eine Studentin aus Freising zur Seite. Ein Mann aus München kommt Jahr für Jahr hierher, um die hiesigen Wiesenweihenfans bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Von der Koordinierungsstelle aus werden die vorher von den LBV-Mitgliedern ausgekundschafteten Horstplätze inzwischen von einer Drohne abgeflogen. Denn wenn man selbst ins Feld hineingeht, legt man schon eine Spur. Das stößt nicht nur bei den Landwirten auf wenig Gegenliebe, sondern bringt auch Räuber wie Fuchs oder Marder auf die richtige Fährte.

Gudrun Pauldrach und Herbert Klein wollen altersbedingt langsam kürzer treten. Sehr freuen würde sich das Duo deshalb über Unterstützung von weiteren Freunden oder Freundinnen dieser Greifvogelart, die in Bayern als extrem selten gilt. Gerne sind sie bereit, Interessenten mitzunehmen und einzulernen. Melden können die sich unter 0 98842/24883 bei Klein und unter 0 98 43/9 59 22 bei Pauldrach.


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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