Der Messerangriff an einer Bushaltestelle in Schnelldorf (Landkreis Ansbach) hat einen Mitschüler von Täter und Opfer dazu animiert, ebenfalls bewaffnet zur Schule zu kommen. Der Rektor passte ihn aber an der Eingangstür ab. Zum Vorfall an der Bushaltestelle weiß man inzwischen: Die Tat war angekündigt.
Nach dem Messerangriff am Dienstagmorgen in Schnelldorf hatte ein 14-Jähriger noch am selben Tag gegenüber einer Mitschülerin erklärt, am Folgetag ebenfalls ein Messer mit in die Schule bringen zu wollen. Hierbei zog er explizit Vergleiche zu der Tat des 13-Jährigen an der Bushaltestelle in Schnelldorf. Das erklärte das Polizeipräsidium Mittelfranken.
Bei der Schule handelt es sich um die Mittelschule Feuchtwangen-Land. Das Polizeipräsidium Mittelfranken erklärte gegenüber der FLZ, dass sowohl Täter und Opfer von der Schnelldorfer Bushaltestelle als auch der Nachahmer dieselbe Schule besuchen.
Die Schülerin vertraute sich ihrer Mutter an. Diese setzte noch vor Unterrichtsbeginn am Mittwochmorgen den Schulleiter Johannes Stegmann in Kenntnis. Der Rektor passte daraufhin den 14-Jährigen ab, ehe er das Gebäude betreten konnte. Anschließend wartete er mit ihm auf eine Streife der Feuchtwanger Polizei. „Wir hatten großes Glück, dass die Kommunikation zwischen Kind, Eltern und Schule in diesem Fall so gut funktioniert hat. So konnten wir eingreifen und eine Gefährdung vermeiden“, erklärte Stegmann.
Die Taktik, dass er den Schüler vor dem Gebäude stellt, sei mit der Polizei abgesprochen gewesen. Unmittelbar vor Unterrichtsbeginn, wenn etwa 500 Schülerinnen und Schüler das Gelände betreten, hätte man laut Stegmann kaum anders vorgehen können. Er habe den Schüler identifiziert, gesehen, dass er kein Messer in der Hand hielt und ihn dann angesprochen. Der Jugendliche hätte sich „ohne Gegenwehr“ aufhalten lassen.
Bei einer Durchsuchung durch die Polizei, die wenig später eintraf, fanden die Beamten in der Schultasche tatsächlich ein Küchenmesser.
Der 14-Jährige wurde laut Polizei aufgrund seines psychischen Zustands in eine Fachklinik eingewiesen. Zudem muss er sich in einem Ermittlungsverfahren wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten verantworten. Noch am selben Tag seien die Eltern über das Geschehen umfassend informiert worden, so der Rektor.
Bereits im April vergangenen Jahres war Schulleiter Stegmann bei einem ähnlichen Vorfall aktiv geworden: Ein 17-jähriger Schüler hatte sich auf einem Foto im Internet mit einer Waffe in der Hand gezeigt. Daraufhin hatten mehrere Schüler den Rektor über das Foto informiert.
Da dieser befürchtet hatte, dass der Jugendliche bewaffnet in die Schule kommen könnte, versperrte er für etwa eine halbe Stunde die Türen des Gebäudes und informierte die Polizei. Die Streifenbeamten trafen den Jugendlichen damals im Stadtgebiet von Feuchtwangen an und fanden bei ihm eine Softair-Pistole. Diese Nachbildungen von Schusswaffen können echten täuschend ähnlich sehen.
Laut Stegmann gebe es an seiner Schule dennoch keine größeren Probleme mit gewalttätigen Schülern als an allen anderen Schulen auch. Eine Mittelschule habe generell immer auch „massive Erziehungsaufgaben“. „Wie betreuen wir Kinder so, dass sie uns nicht in eine gewalttätige, digitale Welt entgleiten? Das ist ein zentrales Thema für unser Kollegium“, sagte Stegmann. Auch mit den Sicherheitsvorkehrungen beschäftige man sich regelmäßig. Jede Schule in Bayern müsse Jahr für Jahr ihr Sicherheitskonzept in Absprache mit Polizei und Rettungskräften überarbeiten.
Auch zu dem Angriff an der zentralen Bushaltestelle in der Ortsmitte von Schnelldorf gab das Präsidium inzwischen weitere Informationen bekannt. Ein 13-Jähriger hatte dort am Dienstagmorgen auf einen 14-jährigen Mitschüler eingestochen. Die Beamten ermitteln wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Der 13-Jährige gilt aufgrund seines Alters rechtlich als Kind und ist somit strafunmündig.
Im Anschluss an die Tat wurde die Arbeitsgruppe „Bus“ gegründet. Ermittlungen der Kriminalpolizei Ansbach und der Staatsanwaltschaft Ansbach ergaben, dass die Tat geplant war und im Vorfeld unter anderem in einem Messenger-Dienst angekündigt wurde. Neben zahlreichen Vernehmungen werteten die Beamten auch das Mobiltelefon des 13-jährigen Tatverdächtigen aus.
Hierdurch stießen sie auf ein Schreiben, welches mutmaßlich von ihm verfasst wurde. In diesem hatte er die Tat im Vorfeld angekündigt. Diese Ankündigung wiederholte er wenige Minuten vor der Tat im Internet noch einmal. Zum genauen Inhalt des Schreibens und zum Motiv kann die Polizei derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen.
Der Verdächtige war nach der Tat in eine Fachklinik eingewiesen worden. Das Opfer kam zunächst mit mehreren Stichwunden am Hinterkopf ins Krankenhaus, konnte dieses aber bereits wieder verlassen.
Schnelldorfs Bürgermeister Tobias Strauß zeigte sich gegenüber der FLZ sehr erleichtert, dass der 14-Jährige wieder zu Hause ist. „Ich bin froh, dass es ihm zumindest körperlich einigermaßen gut geht“, erklärte er. Er sei „erschüttert“ darüber, dass eine solche Tat in einer kleinen Gemeinde wie Schnelldorf geschehen könne. „Man fragt sich natürlich, wie man so etwas in Zukunft vielleicht frühzeitig erkennen könnte.“ Seit dem Vorfall befinde er sich in sehr engem Austausch mit der Familie des Opfers, dem Landratsamt, der Polizei und der Schulleitung.
Der Tatort, die zentrale Bushaltestelle im Ort, befindet sich laut Strauß in unmittelbarer Nähe zum Rathaus. Von dort aus würden täglich etwa 60 bis 70 Schülerinnen und Schüler zu den weiterführenden Schulen nach Feuchtwangen aufbrechen. Natürlich habe das Geschehen im Ort längst die Runde gemacht, es gebe aber „keinen großen Aufruhr“, sagte der Rathauschef.