Wenn Kinder oder Jugendliche einen geliebten Menschen verlieren, bricht für sie eine Welt zusammen. Das Projekt „Lacrima“ der Johanniter-Unfallhilfe begleitet sie bei ihrem Trauerweg. In Ansbach gibt es zwei Trauergruppen. Ehrenamtliche sind dringend gesucht.
Es kann die Mama sein, die Krebs hatte. Der Papa, der bei einem Autounfall verunglückt ist. Oder die kleine Schwester, die an einer unheilbaren Krankheit gestorben ist. Die Schicksale der betroffenen Kinder sind vielfältig. Und vielfältig sind auch ihre Wege, mit dem Verlust umzugehen. Rückzug, Wut, Neugier, Scham: All diese Reaktionen hat Ursula Gubo schon miterlebt bei ihrer Arbeit mit trauernden Kindern und Jugendlichen. Sie ist Sozialpädagogin und ausgebildete Trauerbegleiterin, und leitet das Projekt „Lacrima – Zentrum für trauernde Kinder“.
Das Wort „Lacrima“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Träne“. Das Projekt gibt es seit 2012 in Mittelfranken und seit 2016 in Ansbach. In Ansbach sind die Treffen im Kinderhaus St. Ludwig. Alle zwei Wochen kommen dort trauernde Kinder und Jugendliche zusammen. Es gibt eine Gruppe für die Altersstufe sechs bis elf Jahre und eine weitere für die Zwölf- bis 18-Jährigen. Sie werden von ehrenamtlichen Trauerbegleiterinnen und -begleitern betreut. Das Angebot wird durch Spenden finanziert und ist für die betroffenen Familien kostenlos.
„Ich bin überzeugt, dass das, was wir machen, in hohem Maße Prävention ist”, sagt Ursula Gubo. Denn: „Trauer, die nicht verarbeitet wird, holt uns irgendwann ein. Die Seele sucht sich ein Ventil.” Die Trauer muss also gelebt werden und das tun Kinder anders als Erwachsene. Gerade bei Jüngeren ließe sich das Trauerverhalten mit dem Bild vom „Pfützen springen” beschreiben: Wie in Pfützen springen sie in die Trauer hinein und wieder heraus, sind im einen Moment tieftraurig und bald darauf wieder fröhlich. Kinder hätten mit dem Thema Tod in der Regel viel weniger Berührungsängste und stellen oft viele Fragen. In den „Lacrima”-Gruppen dürfen und sollen sie genau das. Das Thema sprachfähig zu machen, sei ein wichtiges Ziel.
In die Trauer spielen viele Gefühle mit hinein. „Kinder sind oft unglaublich wütend, dass Mama oder Papa gestorben sind.” Einige geben sich die Schuld daran. Geschichten wie, „Ich habe mich mit meiner Mama gestritten und jetzt ist sie tot” oder „Ich habe mir gewünscht, dass mein Bruder weg ist”, hat Ursula Gubo schon häufig gehört. Bei den „Lacrima”-Treffen sollen die Heranwachsenden in vertrauensvoller Atmosphäre Raum für ihre Trauer und Gefühle bekommen und lernen, eigene Ressourcen zu stärken: Was hilft mir, wenn es mir schlecht geht?
Die Gruppentreffen haben eine feste Struktur. Zu Beginn werden Kerzen für die Verstorbenen angezündet, dann folgt ein altersentsprechendes Angebot. Das können Spiele, gemeinsames Toben, Malen oder Basteln sein. Auch Ausflüge, wie der Besuch des Playmobil Funparks oder eine Eselwanderung standen schon auf dem Programm.
Die beiden Gruppen in Ansbach bieten jeweils acht bis neun Kindern Platz. Um das bestehende Angebot erhalten und im besten Fall eine weitere Gruppe gründen zu können, werden dringend Ehrenamtliche gesucht. Der Bedarf ist groß: Es stehen etliche Heranwachsende auf einer Warteliste.
Für die ehrenamtliche Trauerbegleitung ist keine pädagogische Ausbildung erforderlich. Wichtig sind vielmehr Empathievermögen, Geduld, Teamfähigkeit und Beständigkeit. Bei einer verpflichtenden Schulung an drei Wochenenden werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf ihren Einsatz in den „Lacrima”-Gruppen vorbereitet. Im Januar startet eine neue Ausbildung in Nürnberg. Ursula Gubo und Elfi Wagner, die Johanniter-Gruppenleiterin von „Lacrima” in Ansbach, würden sich über Verstärkung freuen. „Trauerbegleitung ist eine wichtige, aber auch sehr erfüllende Aufgabe, bei der man einen bedeutenden Beitrag zum Heilungsprozess anderer leisten kann”, betont Elfi Wagner.
Das „Lacrima”-Zentrum lädt am Mittwoch, 3. Dezember, um 19 Uhr zu einem Informationsabend in den Räumen von „Lacrima” in Nürnberg-Langwasser, Euckenweg 13, ein. Interessierte haben die Möglichkeit, sich über die ehrenamtliche Mitarbeit und die Ausbildung zum Trauerbegleiter/zur Trauerbegleiterin zu informieren. Anmeldungen sind per Mail an alexandra.rachfahl@johanniter.de möglich. Für Fragen stehen die Mitarbeitenden der Johanniter unter der Telefonnummer 0174/3423228 zur Verfügung.