Die gute Nachricht zuerst: Es gibt immer mehr graue Schnauzen. Die Lebenserwartung von Hunden ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Mit dem Alter wächst allerdings auch das Risiko für ernstzunehmende Krankheiten. Doch welches Verhalten ist normal und altersgerecht - und welches deutet auf gesundheitliche Probleme hin? Expertinnen geben Antworten.
Das kommt darauf an. „Grundsätzlich spielen drei Einflussfaktoren eine Rolle: nämlich Körpergewicht, Rasse und Gesundheitsstatus/individuelle Faktoren“, sagt Sophie Strodtbeck, Tierärztin und Autorin („Der alternde Hund“). Aber als Faustregel gilt: je größer ein Hund, desto geringer die Lebenserwartung.
„Riesen-Rassen sind mit sieben bis acht Jahren alt, kleine erst ab etwa elf Jahren“, sagt Svenja Joswig, zertifizierte Tierärztin für Palliativmedizin und Tierhospiz. Deshalb gilt die Formel „Hundealter mal sieben entspricht dem Menschenalter“ auch nur als ganz grober Richtwert.
Nach Angaben der American Veterinary Medical Association entspricht das erste Jahr eines mittelschweren Hundes 15 Menschenjahren, das zweite dann neun und die folgenden Hundejahre werden jeweils mit fünf Menschenjahren berechnet. Ein fünfjähriger Hund entspräche damit 39 Menschenjahren - ein zehnjähriger einem 64-Jährigen.
Das Spektrum reicht von Arthrose über Zahnerkrankungen, Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen bis zu Tumorerkrankungen. Auch das Seh- und Hörvermögen kann nachlassen, und bei vielen Senioren treten neurologische Veränderungen auf. „Oft kommen viele Krankheitsbilder zusammen, trotzdem können die Hunde noch lange mit angemessener Lebensqualität leben“, sagt Sophie Strodtbeck.
Mit zunehmendem Alter steigt allerdings auch das Risiko für schwere Erkrankungen. Zu den häufigen Todesursachen älterer Hunde zählen vor allem Tumorerkrankungen, daneben Herz-Kreislauf- und neurologische Erkrankungen sowie Nierenerkrankungen.
Auch von Demenz können Hunde im Alter betroffen sein. Bei ihnen spricht man vom „kognitiven Dysfunktionssyndrom“, das ähnlich wie beim Menschen zu einer zunehmenden Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten führt. Zu möglichen Verhaltensänderungen zählen etwa vermehrte Unruhe, veränderte Schlafgewohnheiten, Orientierungslosigkeit und nachlassende Gedächtnisleistungen.
„Ein Anzeichen dafür kann ein unmotiviertes Starren sein, das heißt, der Hund schaut irgendwo hin, wo gar nichts zu sehen ist. Er sieht quasi Gespenster“, meint Sophie Strodtbeck. Ein „Klassiker“ sei zudem, dass der Hund auf einmal vor der falschen Seite steht, wenn man die Tür öffnet. Oder dass er aus einer Zimmerecke nicht mehr alleine herausfindet.
Auch nächtliche Unruhe kann ein Zeichen für Demenz sein: Bei dieser „senilen Körbchenflucht“ empfiehlt Sophie Strodtbeck ein Nachtlicht für die Steckdose zur Orientierung. „Das ist ein Praxistipp, der oft Wunder wirkt und meistens deutlich mehr Schlaf bringt.“
Geriatrie-Tierärztin Svenja Joswig nennt ein paar Beispiele: Hinweis auf eine Nierenerkrankung kann sein, wenn der Hund plötzlich deutlich mehr trinkt oder viel Urin absetzt. Für eine Lebererkrankung spricht, wenn das Tier ständig Verdauungsprobleme hat, breiigen Kot ausscheidet und offenbar unter Bauchschmerzen leidet. Eine Leistungsschwäche oder eine schnellere Atmung kann auf eine Herzerkrankung hindeuten.
Wenn es zwar den Verdacht auf eine Herzerkrankung gibt, aber nichts auf eine Funktionseinschränkung hinweist, schlägt Svenja Joswig Folgendes vor: Wenn das Tier schläft, eine Minute lang die Atemzüge zählen - also wie häufig geht der Bauch hoch und runter. Bei einem Herz-Kreislauf-gesunden Tier sind es der Tierärztin zufolge unter 30 Atemzüge in der Minute.
Diese Daten dokumentiert man bei einem älteren Tier am besten einmal im Monat, bei einem Herzpatienten einmal die Woche, um eine Tendenz zu erkennen. „Natürlich ist es auch bei einem Wert unter 30 keine Garantie, dass das Tier nichts hat. Aber wenn es höher ist, ist es auf jeden Fall ein Anzeichen dafür.“ Medikamente können dann einen gewaltigen Unterschied machen: „Die Hunde werden wieder viel lebendiger, haben viel mehr Lebensqualität und können damit noch viele Jahre leben.“
Und noch eine gute Nachricht bei Fettgeschwülsten: Im Gegensatz zu Katzen überwiegen bei Hunden die gutartigen Tumore. „Das heißt nicht, dass man sich generell keine Sorgen machen muss, aber es muss sich nicht immer um etwas Bösartiges handeln“, so Joswig.
Sogenannte Lipome fühlen sich typischerweise weich oder gummiartig an, lassen sich unter der Haut etwas verschieben und wachsen meistens langsam. Ob es sich wirklich um harmlose Tumore handelt, lasse sich nach einer sogenannten Feinnadelaspiration untersuchen, bei der mit einer sehr dünnen Nadel Flüssigkeit aus dem Geschwulst entnommen wird.
„Viele meinen, dass ihr Hund von Altersstarrsinn betroffen ist, weil er nicht mehr auf Ansagen reagiert“, so Sophie Strodtbeck. Tatsächlich lasse bei vielen Senioren aber einfach nur das Hörvermögen nach. Und manche Frequenzbereiche werden davon früher und stärker beeinträchtigt als andere. „Das heißt, es kann durchaus sein, dass er ignoriert, wenn ich ihn rufe. Den Futtersack hört er jedoch noch über mehrere Stockwerke knistern.“
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