Die Konjunkturflaute hält an. Zugleich startet am 1. September das neue Ausbildungsjahr. Wie reagiert die Wirtschaft in Ansbach und Umgebung? Bildet sie weiter aus? Dies sagen Führungskräfte der Kreishandwerkerschaft Westmittelfranken und der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nürnberg für Mittelfranken.
„Definitiv” bilden die Firmen im Handwerk aus. Dies erklärt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Andreas Völkner. Es seien sicherlich nicht immer alle, die vielleicht auch früher gerne ausgebildet hätten. „Aber wir haben immer noch eine hohe Bereitschaft.”
Unternehmen im IHK-Bereich haben „natürlich” ebenso weiterhin Lehrstellen im Angebot. So berichtet es die Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ansbach, Karin Bucher. Sie nennt dies „die Zukunftssicherung” für die Unternehmen. „Das sind die Fachkräfte von morgen.” Es seien gerade Menschen, die aus der Region kommen und „hoffentlich” in der Region bleiben.
Auch kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres gibt es auf den letzten Drücker noch Chancen auf eine Lehrstelle. Gewiss habe man nicht mehr bei allen Firmen Erfolg, aber der Weg in viele gute Betriebe sei weiterhin offen, stellt Andreas Völkner fürs Handwerk fest. Er macht möglichen Bewerberinnen und Bewerbern Mut.
Im IHK-Bereich können diese ebenfalls noch last minute, also in letzter Minute, Glück haben mit einer Stelle als Azubi. Derart drückt sich Karin Bucher aus. Dies sei je nach Bereich unterschiedlich, aber Handel, Hotellerie und Gastronomie etwa gingen immer.
Die IHK-Betriebe würden bayernweit mehr ausbilden, auch in Form eines dualen Studiums mit Zeiten in Betrieb und Hochschule. Dies hebt die Diplom-Volkswirtin hervor. Aber Bewerberinnen und Bewerber fehlen: Für 2025 sei im Freistaat ein Minus an Neuverträgen von etwa fünf Prozent prognostiziert, in Mittelfranken von rund einem Prozent.
Als größte Störgröße bezeichnet sie den Wechsel vom acht- aufs neunjährige Gymnasium (G8 auf G9) dieses Jahr – mit viel weniger Abizeugnissen als sonst. In der Stadt Ansbach dagegen gebe es positive Zahlen, also mehr Abschlüsse als im Vorjahr. Bei den Neuverträgen zeige sich zum Stand Ende Juli ein Plus von 5,7 Prozent gegenüber vor einem Jahr.
Andreas Völkner formuliert fürs Handwerk einen der Vorteile der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Es ließen sich hier schulische Kenntnisse vertiefen, „auch spezifisch auf die Ausbildung gerichtet”. Die Azubis bekämen Grundlagen vermittelt, die sie im täglichen Arbeitsbereich benötigten. Auch später für eine Fort- oder Weiterbildung findet er dies wichtig.
Die duale Ausbildung bedeutet eine national anerkannte, fundierte Ausbildung, wie Karin Bucher für die IHK deutlich macht. „Ein Bankkaufmann aus Mittelfranken kann das Gleiche wie ein Bankkaufmann in Hamburg.” Mit einer solchen Lehre lasse sich überdies ein Unternehmen kennenlernen und dessen Prozesse von der Pike auf erleben.
Was müssen Bewerberinnen und Bewerber für eine duale Ausbildung mitbringen? „Interesse an dem Beruf ist für mich das A und O”, führt Andreas Völkner fürs Handwerk aus. Auch ein gewisses Durchhaltevermögen hält er für bedeutsam. „Das vermisse ich bei manchen”, aber es sei fürs Arbeitsleben unerlässlich.
Gezielt nimmt er Bezug auf Betriebe, die wieder Menschen mit Fluchthintergrund als Azubis einstellen, „weil sie damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben”. Für entscheidend hält er den Willen der Bewerberinnen und Bewerber.
Ansonsten setze das Handwerk „nicht unbedingt nur auf eine spezifische schulische Voraussetzung”. Das bedeutet: Nicht allein Spitzenabschlüsse sind gefragt. Prinzipiell hätten mittlerweile viele Bewerberinnen und Bewerber eine Chance.
Azubis brauchen Interesse, Neugier sowie Einsatz- und Lernbereitschaft, wie die IHK-Vertreterin erläutert. „Du musst schon Bock auf Leistung haben.” Von nichts komme nichts, und man bekomme im Leben nichts geschenkt. Diese Sprüche seien alt, gälten allerdings nach wie vor.
Können Bewerberinnen und Bewerber auch nach dem 1. September eine Lehre anfangen? „Teilweise schon, vielleicht nicht in jedem Betrieb”, sagt Andreas Völkner fürs Handwerk. Dies stehe und falle natürlich auch mit der Berufsschule und mit der Frage, ob die Azubis dann schon zu viel verpasst hätten.
Karin Bucher hält es im IHK-Bereich bis 1. Dezember für möglich. „Die Unternehmen nehmen die Azubis gerne in ihre Gemeinschaft auf.” Ein Instrument, um an Nachwuchs zu kommen, ist die Ausbildungsstellenbörse „Junge Talente” in Ansbach. Die 26. Auflage läuft am 26. September in Ansbachs Altstadt.