Weit weg in Unterfranken: Großer Frust bei junger Lehrerin | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 25.10.2023 07:00

Weit weg in Unterfranken: Großer Frust bei junger Lehrerin

Die Ehrenurkunde von Kultusminister Michael Piazolo bringt Laura Feirer wenig. Trotz herausragender Leistungen darf sie nicht an dem Wunschort unterrichten, an dem sie gerne möchte. (Foto: Matthias Balk)
Die Ehrenurkunde von Kultusminister Michael Piazolo bringt Laura Feirer wenig. Trotz herausragender Leistungen darf sie nicht an dem Wunschort unterrichten, an dem sie gerne möchte. (Foto: Matthias Balk)
Die Ehrenurkunde von Kultusminister Michael Piazolo bringt Laura Feirer wenig. Trotz herausragender Leistungen darf sie nicht an dem Wunschort unterrichten, an dem sie gerne möchte. (Foto: Matthias Balk)

Mehrmalige Preisträgerin der Willi-Dauberschmidt-Stiftung für Leistungen in Schule und Studium, Einser-Abitur, Stipendiatin eines Begabtenförderwerks, Studienabschluss als eine der besten Lehramtsabsolventinnen in Bayern. Bei der Zuteilung für die Arbeitsstelle durch das Kultusministerium erlebte die junge Frau dann die ernüchternde Realität.

Laura Feirer aus Großohrenbronn bei Dentlein am Forst (Landkreis Ansbach) wusste schon früh, dass sie Lehrerin werden will. Mit dem Übertritt aufs Gymnasium in Feuchtwangen und dem Abitur verfolgte sie dieses Vorhaben zielstrebig. Der Einser-Abschluss zeugte erneut von einem klugen Kopf.

An Unis in Sydney und Kalifornien

Danach studierte sie an Universitäten in Bayern, Sydney und Kalifornien unter anderem Lehramt an Gymnasien und entschied sich für die zwei Fächer Englisch und Wirtschaft. Den Vorbereitungsdienst, also das Lehramtsreferendariat mit der schulpraktischen Ausbildung nach dem Studium, absolvierte die junge Frau im Nürnberger Umland.

Auch bei diesem Abschluss gehörte sie zu den Besten mit der hervorragenden Durchschnittsnote von 1,15. Zusammen mit anderen bayerischen Lehramtsabsolventinnen und -absolventen des aktuellen Prüfungsjahrgangs mit herausragenden Ergebnissen wurde Laura Feirer im September zu einem Empfang nach München eingeladen. Kultusminister Michael Piazolo persönlich gratulierte den Nachwuchslehrkräften und überreichte Ehrenurkunden als Anerkennung.

Schöne Worte vom Kultusminister

In seiner Rede verwies der Minister „auf die hervorragenden Einstellungschancen im Freistaat“ und betonte, dass der Lehrberuf „ein echter Zukunftsberuf“ sei. „Bayern verbeamtet seine Lehrkräfte und bietet ihnen im Bundesvergleich in allen Schulformen eine attraktive Besoldung“, stellte Piazolo heraus.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Realität entsprach dann so gar nicht diesen Worten des Kultusministers und der Vorstellung der angehenden Lehrerin. Sie wurde einer Schule in Aschaffenburg zugeteilt. 180 Kilometer beziehungsweise zwei Fahrstunden von ihrem Heimatort Großohrenbronn entfernt. Ohne Perspektive oder klare Zukunftsaussichten auf einen heimatnäheren Einsatz für ihre Berufs- und Lebensplanung.

Keine Chance in Mittelfranken

Die 28-Jährige lebt in einer festen Beziehung und liebt ihr stabiles soziales Umfeld. Dazu gehören neben dem engen Familienkreis, Freunde, Nachbarn und Verwandte, die ihr viel bedeuten. Als Wunschort für die Einsatzschule hatte sie Gymnasien in Mittelfranken vorgeschlagen, zu denen sie entsprechend pendeln könnte.

Mit der Zuteilung in den Regierungsbezirk Unterfranken hat sich diese Hoffnung zerschlagen. Laura Feirer hakte nach, ob es keine Alternative zu dem obersten Winkel Bayern gegeben hätte. Ihre Frage blieb unbeantwortet. Dass ihre persönlichen Bedürfnisse nicht berücksichtigt wurden und ihre hervorragenden Leistungen offensichtlich keine wichtige Rolle als Auswahlkriterium spielten, hinterlässt ein nachhaltiges Gefühl der Enttäuschung.

Nähe zur Heimat oft nicht möglich

Und das in Zeiten von akutem Lehrermangel und des bevorstehenden G8/G9-Doppeljahrgangs, was die Personallage in den Schulen im Freistaat weiter verschärft. Hört man sich bei jungen Lehrerinnen und Lehrern um und liest die Kommentare in den sozialen Netzwerken, erfährt man viel über mangelnde Unterstützung im Bezug auf eine heimatnähere Stelle.

Schwierige Wohnungssuche und hohe Mieten zusätzlich zu den Kosten für die Heimfahrten tragen dazu bei, dass junge motivierte Nachwuchslehrkräfte deutliche Abstriche machen müssen in dem vom Kultusminister vielzitierten „schönsten Beruf überhaupt“.

Irgendwo in Unterfranken

Laura Feirer hat mit hohem persönlichen Aufwand und viel Glück dank ihrer privaten Kontakte in Aschaffenburg eine Wohnung gefunden, für die sie selbstverständlich monatlich Miete zahlen muss. An den Wochenenden fährt sie nach Hause.

Sie ist zunächst einer Schule in Unterfranken zugeteilt und kann dann das nächste halbe Jahr im gesamten Regierungsbezirk Unterfranken versetzt werden. Erst in einem Jahr habe sie die Chance auf eine feste Planstelle. Mit dieser beginnt die Zuteilung von Neuem, wobei ein wohnortnäherer Einsatzort weiter nicht garantiert ist.

Ohne Trauschein ist das Tauschen schwer

Während ihres Umzugs nach Aschaffenburg hatte sie Gymnasien in der Heimatregion nach dem Lehrerbedarf abgefragt und bekam den nächsten Dämpfer. In ihrer Fächerkombination Englisch/Wirtschaft seien nach aktuellem Stand langfristig die Stellen besetzt, hieß es. Sie solle sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder melden.

Ein Tauschverfahren für Lehrkräfte zwischen Regierungsbezirken und Bundesländern dient in erster Linie dem Zweck der Familienzusammenführung. Unverheiratete, kinderlose Frauen haben nicht erste Priorität, wenn der Wohnort den Jobwunsch prägt.

north