Die Kandidatur von Anne Gümpelein aus Krassolzheim für das Amt der Fränkischen Weinkönigin ist für Rudolf Kolerus auch ein Höhepunkt in der Entwicklung der WeinWanderWelt. Aus diesem Anlass blickt er auf eine Geschichte zurück, in der Naturerlebnis und Direktvermarktung eine Rolle spielen.
Sein Fazit gleich vorweg: „In diesen Jahren hat sich sehr vieles entwickelt.“ Hochaktuell sei das Thema auch: Denn schon damals habe man das Höfesterben in der Landwirtschaft als wichtiges Problem erkannt und Strategien dagegen entwickelt.
Begonnen hat die Regionalentwicklung in Sachen Weinanbau und Vermarktung im Ehegrund noch früher: Bei einem Stand der Ortsgruppe Scheinfeld des Bund Naturschutz (BN), deren Vorsitzender Kolerus damals war, am Weihnachtsmarkt 1989, war mit der Familie Pflüger zum ersten Mal ein Winzer aus Krassolzheim mit einem Stand vertreten. Angeboten wurden neben Wein andere landwirtschaftliche Produkte, wie Brot, Wurst und Äpfel. Vor dem Kauf durfte man natürlich probieren. „Die Familie Pflüger war damals einer der ersten Direktvermarkter in der Umgebung, die ihre gesamte Landwirtschaft und Weinbau auf biologische Be- und Verarbeitung (Bioland) umgestellt hat“, erinnert sich Kolerus.
Schon damals hätten die Engagierten für den Naturschutz und viele Landwirte erkannt, dass die Landwirtschaft mit „Wachse oder weiche“ auf einen falschen Weg geführt werden sollte, betont Kolerus. „Deshalb sorgten wir auf diesem Weihnachtsmarkt mit einem großen Plakat und einer leeren Krippe für viel Aufmerksamkeit: ,Leute seht her, die Krippe ist leer – es gibt bald keine Bauern mehr!’“ Seit damals, vor nahezu 35 Jahren, sei aber nichts an der Situation der aussterbenden, kleinbäuerlichen Landwirtschaft verändert worden.
Aus den lebhaften Gesprächen und dem Interesse vieler Standbesucher schöpfte ein Kreis von Leuten neuen Mut, um der „geknechteten“ Landwirtschaft in kleinen Schritten zu helfen: Die BN-Gruppe in Scheinfeld initiierte ab 1994 am Kirchweih-Sonntag in Scheinfeld auf dem Marktplatz einen Wein- und Bauernmarkt mit Direktvermarktern aus der Umgebung des Schwarzenberger Landes.
Alles Denkbare und in der Nähe Produzierte – von Nahrungsmitteln bis zu Weidenkörben – wurde angeboten und die Winzer aus dem Ehegrund präsentierten sich zum ersten Mal gemeinsam auf einem Markt mit ihren selbst ausgebauten Weinen. Die Blaskapelle Krassolzheim spielte zur Unterhaltung auf der Rathaus-Treppe und eine bekannte Persönlichkeit, zum Beispiel die Fränkische Weinkönigin, eröffnete jedes Jahr den Markt.
„Die Resonanz war überwältigend“, schwärmt Kolerus heute noch. „Wir mussten den Markt jedes Jahr erweitern, sowohl für Besucher (es kamen jeweils weit über 1000) wie auch für Standbetreiber, so dass wir den Markt zu einem Wein-Bauern- und Handwerkermarkt (vom Marktplatz bis zum Torturm) ausgebaut haben.“
Leider, so der engagierte Förderer regionaler Kreisläufe, wurde der Markt nach 20 erfolgreichen Jahren (bis 2013) aus personellen Gründen eingestellt, aber es hätten sich daraus gute Entwicklungen ergeben. Kolerus führt den Hofladen auf, den es daraufhin einige Jahre lang in Scheinfeld gab.
Im Konzept für das 1997 von ihm initiierte „Talauenprojekt“, wurde wegen des erfolgreichen Marktes das Ziel „Regionale Wirtschaftskreisläufe“ aufgenommen. Zu den umgesetzten Plänen gehörte der Aufbau einer Weinbauregion in einer 30 Hektar großen, kleinstrukturierten Landschaft: Hecken, Streuobst, Trockenmagerrasen wechselten sich mit den „Weingärten“ ab.
Die damals 62 Winzer in den Orten Ingolstadt, Krassolzheim, Ulsenheim und Markt Nordheim mussten zum Großteil erst von der Direktvermarktung überzeugt werden. Dies sei durch die Gründung eines Weinbauvereins in Ulsenheim und Ingolstadt-Krassolzheim gelungen. In Markt Nordheim gab es schon längst einen. Im Jahr 2002 erfolgte dann der Zusammenschluss der drei Vereine zu einer Weinbauregion mit dem Namen „WeinWanderWelt“.
Von da an, beziehungsweise mit einem großen „Rad-Erlebnistag“ am 30. Mai 2002, begann in der Region ein wahrer „Wettlauf“ außergewöhnlicher Veranstaltungen wie besondere Weinfeste (Kulinarische Weltreise, Idyllisches Straßenweinfest, Mondscheinweinfest), Wein- und Honigfest oder Bremsertour.
Nachhaltige Eigeninitiativen der Winzer gingen damit einher: Heckenwirtschaften wurden errichtet, Vinotheken gebaut, Kellerführungen, Schoppenpass, Kutschfahrten oder Weinbergsführungen angeboten. Die Gemeinden leisteten ihren Beitrag durch die Finanzierung des Bocksbeutel-Expresses, die Dorferneuerungen und die Gestaltung der Talräume.
Neben den jeweils getrennten aber koordinierten Veranstaltungen in den drei Weinbauvereinen wollte man einmal im Jahr unbedingt eine gemeinsame Veranstaltung. Im Mai 2005 gab es in Ulsenheim die erste „Jungweinprobe“ in der WeinWanderWelt, die Kolerus bis 2023 federführend organisierte.
Natürlich gehört zu jedem Weinbauverein auch eine Weinprinzessin: „Dass sich Anne Gümpelein, als derzeitige Weinprinzessin für den Weinbauverein Oberer Ehegrund, nun um das Amt der Fränkischen Weinkönigin bewirbt, freut mich außerordentlich. Allein schon die Kandidatur ist ein Höhepunkt in der stets positiven Entwicklung in der WeinWanderWelt und ein Zeichen des erkennbaren Fortschritts in dieser Region“, heißt es von Seiten Kolerus’, der diese Entwicklung von Anfang an begleitet und maßgeblich mitbestimmt hat.